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Nach Hochwasser in Bayern: Hochwasserschutz geht alle an.

Kommentar

Nach der Katastrophe im Süden: Hochwasserschutz geht alle an

Stefan Lange
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    Auch im Landkreis Dillingen gab es Hochwasser.
    Auch im Landkreis Dillingen gab es Hochwasser. Foto: Bernd Dunstheimer

    Wer gerade seinen Keller ausgepumpt hat oder sich an weiteren Folgeschäden von Hochwasserereignissen abarbeitet, wird über die Forderung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes wohl den Kopf schütteln. Der kommunale Spitzenverband fordert von der Bevölkerung mehr Eigenverantwortung und Eigenvorsorge, das geht hin bis zur Mitfinanzierung von Schutzmaßnahmen. Was denn noch, mag man sich da an den Kopf fassen, in dem das vermurkste Heizungsgesetz noch gut verankert ist. Die Lebenshaltung hat sich grundsätzlich schon verteuert. Wer gerade neu gebaut hat, muss sich angesichts gestiegener Zinsen um die Finanzierung Sorgen machen, und dann wird von öffentlicher Seite über weitere Belastungen nachgedacht. 

    Kopfschütteln ist einerseits angebracht. Denn der praktische Hochwasserschutz kann nicht bei den Häuslebauern abgeladen werden. Dafür sind die Kommunen zuständig, beispielsweise über baurechtliche Vorgaben für das Bauen in Hochwassergebieten. Wenn diese Vorschriften einen Neubau gegenüber anderen Standorten teurer machen, bilden sich die Mehrkosten in der Kalkulation ab und man kann vorher entscheiden, ob das tragbar ist oder nicht. Das Hochwasserschutzgesetz II des Bundes enthält zu diesem Bereich weitere Vorgaben, allerdings hapert es in einigen Bundesländern mit der Umsetzung. Es kann jedoch nicht sein, dass Besitzerinnen und von Bestandsbauten nachträglich Kosten aufgebürdet werden.

    Hochwasser: Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

    Über solche Einzelpunkte hinaus hat der Städte- und Gemeindebund aber da einen Punkt, wo es um den grundsätzlichen Umgang mit Überflutungen geht. Die Forderung nach einem „allgemeinen Hochwasserbewusstsein“ ist richtig, weil sie nicht nur die Menschen in den betroffenen Gebieten, sondern die Gesellschaft insgesamt betrifft. Es geht um den Klimaschutz und da wiederum beispielsweise um Fragen von baulicher Verdichtung und Flächenversiegelung. Ein Gemeinderat sollte sich genau überlegen, ob es tatsächlich ein neues Baugebiet braucht oder ob das Bauen am Bestand die bessere Alternative wäre. Wenn Landwirte aufgefordert werden, bei der Bewirtschaftung von Flächen besser auf die Aufnahmefähigkeit der Böden zu achten, dann trifft das auch die Verbraucherinnen und Verbraucher: Ihre Nachfrage entscheidet mit darüber, was auf den Feldern angebaut wird.

    Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der alle mitwirken müssen. Das gilt umso mehr, als dass Hochwasserereignisse, aber auch Dürren und andere Naturkatastrophen in Zukunft zunehmen werden.

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