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Nachhaltigkeit
13.06.2022

Ernst-Ulrich von Weizsäcker fordert Rentensystem für Afrika

Der Umwelt-Wissenschaftler Ernst-Ulrich von Weizsäcker fordert ein Rentensystem für Afrika.
Foto: Britta Pedersen, dpa (Archivbild)

Exklusiv Ernst-Ulrich von Weizsäcker war Präsident des Club of Rome. Er fordert westliche Staaten dazu auf, ein Altersvorsorge-System für Afrika einzurichten.

Der Umwelt-Wissenschaftler Ernst-Ulrich von Weizsäcker hat die westlichen Staaten aufgefordert, einen bedeutenden Teil ihrer Entwicklungsausgaben in ein Rentensystem für Afrika statt in andere Projekte zu investieren. Ein neues Altersvorsorge-System wäre das beste Mittel, um auch in Afrika gegen das starke Bevölkerungswachstum Fortschritte zu erzielen, sagte der langjährige Club-of-Rome-Präsident unserer Redaktion.

„Wir müssen verstehen, was das Motiv hinter dem Kinderreichtum ist“, sagte Weizsäcker. „Wenn ich ein 20-jähriger Afrikaner wäre und eine 19-jährige Frau hätte, und wir würden uns darüber unterhalten, wie wir einigermaßen in Wohlstand leben wollen, wenn wir mal 80 sind, dann ist die automatische Antwort: Möglichst viele Kinder haben – weil es kein brauchbares Rentensystem gibt“, betonte der 82-Jährige.

„Wir sollten den afrikanischen Ländern helfen, ein Rentensystem aufzubauen“, forderte der Vordenker. „Wenn wir das subventionieren, meinetwegen mit einem Drittel unserer gesamten Entwicklungshilfe, und dann auch unsere Freunde in Europa, den USA, England und Japan überzeugen, das Gleiche zu machen, dann ist das nach meiner Vermutung innerhalb einer Generation vorbei“, sagte der Wissenschaftler.

Weizsäcker sieht spalterische Konsequenzen durch das Internet

Weizsäcker sieht in den vielen aktuellen Konflikten wie dem Krieg in der Ukraine eine Phase des Übergangs. „Bis ins 19. Jahrhundert war es völlig selbstverständlich, dass Außenpolitik hauptsächlich ein militärisches Kräftemessen war“, sagte der 82-Jährige. „Folge davon war etwa, dass Frankreich und Deutschland ständig im Krieg miteinander waren.“ In Europa habe man gelernt, dass es Nationen gut tue, Teile ihrer Souveränitätsrechte an eine höhere Instanz abzugeben.

„Das sind Lerneffekte. Und so ähnlich kann man sich vorstellen, dass eine „Erdpolitik“, die Überwindung des primitiven Kräftemessens zwischen den Großmächten möglich ist“, sagte Weizsäcker. „Ich hoffe sehr, dass Russland, die USA und China zur Erkenntnis kommen, dass es für die Generation unserer Enkel, sprich Fridays for Future, wie auch für ihren Eigennutz ungeheuer wichtig ist, dass man diesen Rivalitätsquatsch überwindet.“

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Auch die westlichen Gesellschaften müssten spalterische Tendenzen überwinden, die durch das Internet beschleunigt würden. „Soziale Medien sind zu einer Zivilisationskrankheit geworden“, sagte Weizsäcker. „Wir haben Zivilisationen über Jahrtausende wachsen sehen – und eine absolut wichtige Komponente dabei, ein zentraler Zivilisationsfortschritt, war gegenseitiger Anstand“, betonte er.

„In den sozialen Medien aber findet keine Überwachung mehr statt, denn in ihren Echokammern treffen sich nur die Gleichgesinnten und freuen sich im Bauch, dass man endlich wieder schimpfen kann, und zwar auf unflätigste Weise“, erklärte er. „Ich halte diese Hass- und Dummheitsverbreitung nur für einen Übergang“, betonte Weizsäcker. Der wirtschaftliche Druck auf die großen Konzerne und Eigentümer der sozialen Medien werde wirken. „Irgendwann, da bin ich zuversichtlich, kriegen die da die nötigen Mechanismen hin, sodass die Zivilisation des Anstands auch in den sozialen Medien siegt“, sagte der frühere Club-of-Rome-Präsident. (AZ)

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