Newsticker
Ukraine will Mitglied bei der OECD werden
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Norbert Röttgen: Putin ist vier großen Irrtümern erlegen

Krieg in der Ukraine
28.03.2022

Röttgen: "Wladimir Putin ist vier großen Irrtümern erlegen"

Norbert Röttgen kämpft für schärfere Sanktionen gegen Russland.
Foto: Michael Kappeler, dpa

Exklusiv Norbert Röttgen fordert einen sofortigen Stopp des Imports von Öl und Gas aus Russland. Der CDU-Politiker geht davon aus, dass die Bundesregierung hier bald umfallen wird.

Herr Röttgen, wie lange kann Deutschland seine Haltung noch gegen den Druck anderer Länder durchhalten, weiter Gas, Öl und Kohle aus Russland zu beziehen?

Norbert Röttgen: Die deutsche Position, weiter Gas und Öl aus Russland zu kaufen, wird keinen Bestand haben. Das steht aus meiner Sicht fest. Die Dimension des Schreckens, der Vernichtung und Zerstörung wird immer größer werden. Es wird mehr und mehr Tote und Flüchtende geben. Wie soll Deutschland dann noch erklären, dass nicht alles getan wird, um das zu beenden? Irgendwann wird die Bundesregierung umfallen. Und dann wird man zu Recht die Frage stellen, warum sie das nicht schon Wochen vorher getan hat, um den Krieg schneller zu beenden.

Sie kämpfen dafür, die Sanktionen zu verschärfen. Ist Putin überhaupt für sachliche Abwägungen von Nutzen und Risiko empfänglich?

Röttgen: Für ihn ist das nur noch mittelbar eine Kategorie. Aber wenn sich die wirtschaftliche Lage in Russland unter dem Druck der Sanktionen weiter verschlechtert, wenn die Bevölkerung spürt, dass sie für diesen Wahnsinn bezahlen muss, dann werden die Menschen in Russland irgendwann sagen: Es ist jetzt genug, Wladimir Putin. Das ist zumindest die Hoffnung, die wir haben.

Was halten Sie davon, dass wir nun eben mit anderen Autokratien wie Katar Energiegeschäfte machen, statt mit Russland?

Lesen Sie dazu auch

Röttgen: Wir können uns nicht aussuchen, wo die Lagerstätten für Gas oder Öl sind, das wir nun mal brauchen, solange unsere Wirtschaft noch davon abhängig ist. Man darf nur nicht den Fehler machen, sich in die Abhängigkeit von einem einzigen Autokraten zu begeben. Das war der große strategische Fehler, den Deutschland bei Russland gemacht hat. Wir müssen nun auf mehrere Energielieferanten setzen. Dann ist eine solche Politik übergangsweise auch richtig und vertretbar. Begleitet werden muss das natürlich von dem massiv beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien und dem Ausstieg aus der fossilen Abhängigkeit.

Putin scheint sich immer stärker zu isolieren. Selbst enge Vertraute wie Verteidigungsminister Sergej Schoigu sieht man nicht mehr an seiner Seite. Lebt der Kreml-Chef in einer eigenen Welt?

Röttgen: Das ist von außen schwer zu beurteilen. Aber ganz sicher hat sich Putin in der Pandemie noch weiter isoliert und ist so abgeschottet wie noch nie.

Im Norden und in der Hauptstadt Kiew scheint die Ukraine die russischen Truppen erst einmal abgewehrt zu haben. Ist das ein Zeichen dafür, dass die Ukraine der russischen Armee doch nicht so hoffnungslos unterlegen ist, wie wir befürchtet hatten?

Röttgen: Daran gibt es inzwischen keinerlei Zweifel mehr. Wladimir Putin ist vier großen Irrtümern erlegen. Er hat die Stärke der eigenen russischen Truppen überschätzt und die militärischen Fähigkeiten der Ukraine erheblich unterschätzt. Hinzu kommt: Putin hat seinem eigenen Narrativ geglaubt, dass die russischen Soldaten in weiten Teilen des Landes als Befreier empfangen und bejubelt würden. Stattdessen stellen sich die Ukrainer geschlossen gegen diesen Angriff. Putin hat damit die ukrainische Nation – von der er behauptet, es gäbe sie gar nicht – geeint. Sie ist stärker als je zuvor. Und sein vierter Irrtum war, dass er nicht mit der Einigkeit des Westens und der Nato gerechnet hatte.

Die Kämpfe konzentrieren sich aktuell wieder stärker auf den Südosten. Besinnt sich Putin auf das ursprüngliche Ziel, eine Verbindung zur Krim und zum Schwarzen Meer zu erobern?

Röttgen: Es ist aus meiner Sicht leider nicht realistisch, dass sich dieser Krieg nun tatsächlich auf den Süden und Osten des Landes beschränken wird. Die Kämpfe gehen ja auch in anderen Teilen der Ukraine weiter.

Kriege sind entweder sehr schnell vorbei oder sie können Jahre dauern. Was erwarten Sie in der Ukraine und für die weltpolitische Lage?

Röttgen: Dieser Krieg wird sicher noch Monate dauern. Wie es militärisch ausgeht, ist noch offen, aber politisch hat Wladimir Putin schon jetzt umfassend verloren. Wer glaubt ihm noch mal ein einziges Wort? Wie soll mit Putin noch jemals eine verlässliche Vereinbarung getroffen werden? Wer würde ihm noch abnehmen, dass er sein Ziel aufgibt, die Ukraine zu erobern und imperiale Macht anzustreben? Den Frieden hat Putin bereits verloren.

Wie groß ist die Gefahr, dass Putin, wenn er sich in die Enge gedrängt fühlt, diesen Krieg weiter eskaliert und zu Massenvernichtungswaffen greift?

Röttgen: Ich glaube, noch ist das Teil seiner Einschüchterungstaktik. Was er tut, wenn er militärisch und wirtschaftlich noch stärker unter Druck gerät, ist aber nicht mehr berechenbar. Das muss man auch ehrlich sagen. Der Westen und die Nato müssen daraus schließen, dass wir uns auf alle Möglichkeiten vorbereiten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

27.03.2022

Hier glauben welche, mit deutschen Defensivwaffen hätte dieser Krieg verhindert werden können. Das ist naiv. Dieser Krieg hätte vermutlich verhindert werden können, wenn die EU früher auf die Sicherheitsbedenken der Russen reagiert und gleichzeitig ein starkes europäisches Sicherheitsbündnis ohne die USA aufgebaut hätte. Macron hat das schon vor Jahren gefordert. Er hatte leider absolut recht. Aber vielleicht ist es noch nicht zu spät.

Permalink
28.03.2022

>> Dieser Krieg hätte vermutlich verhindert werden können, wenn die EU früher auf die Sicherheitsbedenken der Russen reagiert ... <<

Sie meinen die EU sollte weniger Demokratie und Meinungsfreiheit wagen? Damit der autokratische Alleinherrscher weniger Angst vor dem Reiz dieser Dinge für seine Bürger haben muss? Vielleicht machen wir ja auch noch die Sache mit der gleichgeschlechtlichen Ehe rückgängig um Putins Weltanschauung weniger zu belasten?

Die durch Putin und seine stramm linken Jünger in Deutschland gerne genannten "Sicherheitsbedenken" sind vorgeschoben - niemand würde ein Russland mit Atomwaffen angreifen.

Herr L. wenn Sie in der EU bleiben und etwas mehr Putin wollen, sind Sie vielleicht in Ungarn gut aufgehoben?

Permalink
28.03.2022

Wir dürfen den Fehler mit der gemeinsamen europäischen Währung nicht wiederholen: Auch für gemeinsame europäische Streitkräfte ist die Schaffung eines europäischen Bundesstaates Voraussetzung. Leider fehlen dieser Tage die überzeugten Europäer: Boris Johnson vergleicht den ukrainischen Freiheitskampf mit dem Brexit und dass Frankreich Staatsprotektionismus betreibt, also für französische Politiker die Interessen der Grande Nation mindestens an erster, zweiter und dritter Stelle stehen, dürfte keinem aufmerksamen Beobachter entgangen sein. (Nur zur Erinnerung: Die Europäische Verfassung wurde beim Referendum 2005 in Frankreich mit 54,67 % abgelehnt, in den Niederlanden gar mit 61,5 %.)

Permalink
27.03.2022

Die wirksamste Möglichkeit, den Krieg zu beenden, besteht darin, die Ukraine mit Waffen auszustatten und vor allem eine Flugverbotszone einzurichten. Der ununterbrochen lügende Putin versteht leider nur die Sprache der Gewalt.

Permalink
27.03.2022

Die wirksamste Möglichkeit, einen dritten Weltkrieg einzuläuten besteht darin,
die Ukraine mit immer mehr Waffen zu beliefern und eine Flugverbotszone
einzurichten.
Und wenn man immer nur auf Putin rumhackt und die Geschichte davor nicht im
Auge hat, dann kann man schön schreiben aber mehr als Buchstaben im Internet
ist es dann leider nicht.

Permalink
27.03.2022

Waffenlieferungen ja, Flugverbotszone nein. Das könnte zu einer direkten Konfrontation zwischen NATO und russischen Streitkräftenfühten. Wobei wenn die Ukraine die NATO "einlädt" wäre es völkerrechtlich eigentlich in Ordnung. Syrien hat es doch auch so gemacht. War doch auch davor. Oder hat die Ukraine weniger Rechte und Souveränität wie Syrien?

Permalink
27.03.2022

RAIMUND KAMM, 27.03.2022, 13:03 Uhr: „Ich persönlich halte es jetzt auch für sinnvoll, ein europäisches Sicherheits- und Verteidigungssystem eventuell als Alternative zur NATO, die zu sehr von den USA abhängig ist, aufzubauen.“

Herr Kamm, warum ist das in Ihren Augen erst jetzt sinnvoll? Hätten wir die Vereinigten Staaten von Europa errichtet, was eigentlich mal das Ziel der Mehrheit der Deutschen war und wofür wir auch unsere Deutsche Mark aufgegeben haben, hätten wir das längst. Der Name Helmut Kohl ist für mich untrennbar mit diesem Ziel verbunden.

Leider hat die EU über viele Jahre hinweg ständig an Attraktivität verloren. Jedes EU-Mitglied wählt als Nationalstaat bei vielen europäischen Projekt selbst aus, ob es daran teilnehmen will. Und dann gibt es auch noch konkurrierende Projekte wie z. B. beim europäischen Kampfjet. Ich empfinde es zudem als unehrlich, wenn man um Aufnahme in eine Familie bittet und gleichzeitig sehr große Vorbehalte gegen einzelne Familienmitglieder hat: Z. B. seit Annalena Baerbocks Antrittsbesuch in Polen bin ich der Überzeugung, die Polen würden lieber der 51. Bundesstaat der USA sein als Bundesstaat in einem Vereinigten Europa zu werden.

Permalink
27.03.2022

@ Von Nikolaus Stampfer 27.03.2022

Schlechte Analysen führen meistens zu schlechten Konzepten. Putin hat doch den Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht aus "Sicherheitsinteressen" begonnen. Das war das Narrativ von Rechtfertigern des Putinkriegs.

Meine Frage, ob denn die Ukraine und die baltischen Staaten sowie Polen und auch Deutschland des Friedens willen kapitulieren soll, blieb unbeantwortet.

Grundsätzlich.

Deutschland ist nur eines von vielen Ländern in der UNO und in der NATO. Und das von Putin beherrsch-te Russland ist momentan auch durch unsere Fehler in der Vergangenheit nur noch schwer zu beeinflus-sen.

Vermutlich haben wir keine Friedenschancen, wenn wir nicht auf Völkerrecht und die Internationale Frie-densordnung pochen. Dass unsere Regierung in der Vergangenheit wie auch große Teile der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land einschließlich mancher Friedensgruppen sehr leise war, als das russische Militär in Tschetschenien, in Syrien, in Georgien und auf der Krim und in der Ostukraine sowohl Menschen massakriert wie auch durch Missachtung von Landesgrenzen das Völkerrecht elementar gebrochen hat, rächt sich.

Und der Sicherheitsrat der UNO ist durch die Vetorechte der fünf alten Atommächte bei Konflikten und Verbrechen, an denen diese alten Atommächte beteiligt sind, nicht handlungsfähig. Sonst müssten längst UNO-Friedenstruppen mit einem UNO-Mandat in die Ukraine geschickt worden sein. Angesichts des rus-sischen Angriffs auf die Ukraine war allerdings die Verurteilung mit großer Mehrheit durch die Vollver-sammlung zumindest ein starkes politisches Zeichen.

Deutschland ist vergleichsweise nur ein schwaches Land. Doch wir haben durch den Kauf russischen Erd-öls und Erdgases und atomaren Spaltstoffes („WAU-Brennelemente“) wie auch russischer Steinkohle Russland finanziell sehr genutzt. Laut Zeitungsartikeln (offizielle Statistiken hierzu habe ich nicht gefun-den), zahlt Deutschland täglich rund 400 Millionen Euro für Energierohstoffe an Russland. Die Hälfte hier-von allein Bayern!!

Das müssen wir endlich, wie wir beispielsweise von unserer BI seit Jahren gefordert haben, radikal verrin-gern. Auch aus Klimaschutzgründen. Für vorläufig die nächsten drei Monate sollten wir mit einem Tempo 100 auf Autobahnen und Tempo 80 auf Landstraßen unseren Ölverbrauch verringern, so dass wir auf rus-sisches Erdöl schnell verzichten könnten. Mit einem konsequenten Ausbau von Photovoltaik und Windkraft sollten wir endlich Ernst machen, so dass wie viel weniger Erdgas und Steinkohle verstromen. All dies wä-re auch gegenüber Russland ein Signal.

Auch sollten wir unsere Grundwerte wie Menschenrechte, Freiheit und Frieden sowie Solidarität mit den Schwachen beleben und verteidigen. In den 1980er Jahren haben wir die SOZIALE VERTEIDIGUNG https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Verteidigung als Alternative zur Rüstungsspirale und atomaren Ab-schreckung diskutiert und vertreten. Dies könnten neue Friedensgruppen wieder aufgreifen und weiterent-wickeln.

Eine Lehre für uns muss auch sein: Durch Austausch entscheidender Führungspersonen vom Verteidi-gungsministerium über das Bundeswehrbeschaffungsamt bis zur Truppe die Verschwendung von Steuer-milliarden bei gleichzeitiger Schwächung der Verteidigungskraft zu beenden.

Leider haben wir im Mai 2021, als Robert Habeck die Lieferung von Defensivwaffen an die Ukraine ins Gespräch gebracht hat, dies nicht unterstützt. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/habeck-waffen-ukraine-103.html

Fazit: Wir können politisch den russischen Angriff nicht stoppen. Wir können jedoch unsere finanzielle Förderung von Putin, seinen Milliardären und seinem Militär zügig beenden. Wir müssen auf eine Stärkung der internationalen Friedensordnung drängen. Auch unsere Grundwerte beleben und gegen die Demokra-tieverächter und Faschisten in unserem Land offensiv vertreten. Ich persönlich halte es jetzt auch für sinn-voll, ein europäisches Sicherheits- und Verteidigungssystem eventuell als Alternative zur NATO, die zu sehr von den USA abhängig ist, aufzubauen.

Raimund Kamm

Permalink
27.03.2022

Lieber Herr Kamm,

man kann die Kommentare von anderen Nutzern der Kommentarfunktion
immer als falsch und alls Narrativ bezeichnen. Nur hat das nichts mit Wahrheit
zu tun. Das ist halt ihre Meinung. Die sei ihnen vergönnt. Ob sie auch richtig ist,
daran habe ich meine Zweifel.

Permalink
27.03.2022

wenn alles so stimmt hat aber Herr Röttgen Herrn Putin bei seinen Zahlreichen Besuchen Falsch beraten ! Und auf das Britische Urgestein Churchill Hätte schon lange seinen Spezialtruppen den Befehl gegeben Kill de Putin . der Geisteskranke wird so schnell keinen Atomkrieg anfangen denn dann ist er selber über den Jordan und seine vielen Kinder auch , außerdem werden in dem Fall einige seiner Gefolgsleute schon gemerkt haben das sie auch den nicht gewinnen können .

Permalink
26.03.2022

Der Westen und die Nato müssen daraus schließen, dass wir uns auf alle Möglichkeiten vorbereiten.
------------------------
Aber auch alles tun, um gewisse Moeglichkeiten zu verhindern. Selbst wenn wir die gesamte ukrainische Bevoelkerung in Europa unterbringen muessten ist das kein Vergleich zu einem Atomkrieg ( der ja unter "alle Moeglichkeiten" fallen wuerde ).

Permalink
26.03.2022

Nikolaus Stampfer >>Am Ende wird nicht entscheidend sein, wer recht hatte, sondern wer den Krieg verhindert hat.<<

Und was heißt das? Sollen wir die Ukraine auffordern, "des lieben Friedens willen" zu kapitulieren? Sollen wir Polen und die baltischen Staaten aus dem Schutzbündnis NATO schmeißen, um den Krieg mit Russland zu verhindern?
Sollen wir Russland schreiben, wenn Sie Deutschland haben wollen, kommen Sie her. Wir wollen, koste es was es wolle, einen Krieg verhindern?

Raimund Kamm

Permalink
27.03.2022

Raimund Kamm >>Wir wollen, koste es was es wolle, einen Krieg verhindern?<<

Es muss eine Deeskalationsstrategie entwickelt werden, die die Sicherheitsinteressen aller Beteiligten berücksichtigt und die verhindert, dass es zu einem Weltkrieg kommt. Jetzt wird noch die Eskalation mit weiteren Sanktionen und Drohungen fortgesetzt. Der Druck der Ukraine zu einer Kriegsbeteiligung der Nato (Flugverbotszone, schwere Waffenlieferungen, etc.) wird immer stärker, auch in dem Bewusstsein, dass dies den Dritten Weltkrieg bedeutet. Rote Linien, wie ein Chemiewaffeneinsatz, sind schnell überschritten.
Ja. es muss alles unternommen werden, den Dritten Weltkrieg zu verhindern, solange die Möglichkeiten noch bestehen. Die gegenseitigen Beleidigungen lassen das noch offene Fenster der Diplomatie leider immer kleiner werden. Irgendwann ist es geschlossen.
Wie sieht denn Ihre Exit-Strategie aus dem Konfrontationskurs aus?

Permalink
26.03.2022

Der US-Präsident Joe Biden ist einem Erziehungsberechtigten gleich in Brüssel eigeschwebt, um den einzelnen EU-Mitgliederstaaten mitzuteilen wie die Politik gegen Russland auszusehen hat. Solange aber Europa nicht als eine Stimme sondern wie ein Fleckerlteppich auftritt und die Interessen nicht gebündelt vorträgt, bestehende berechtigte Zweifel, dass optimale Lösungen erzielt werden können. Zweifelsohne ist Russland geographisch gesehen ein Teil von Europa und wäre wirtschaftlich gesehen wohl auch die perfekte Ergänzung dazu, es passt jedoch nicht ins politische West-Konzept. Darüber hinaus bestehen große Bedenken, dass eine enge wirtschaftlicher Bindung zwischen Europa und Russland die USA isoliert dastehen lassen würden. Aus diesem Grund sind wohl auch die Friedenstauben nach der Globalisierung mittlerweile verflogen und ließen Glasnost und Perestroika als unerfüllten Wunsch zurück. Wir sollten jedoch die einseitige Politik der letzten beiden Jahrzehnte überdenken, denn diese starre Haltung birgt die Gefahr einer Allianz zwischen Russland und China. Dies wiederum hätte nicht nur fatale Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und Energieversorgung sondern wäre eine bedrohliche Gefahr für den Weltfrieden.

Das Schlimme bei der ganzen Angelegenheit sind Politiker wie Norbert Röttgen, die keine Macher sind sondern immer nur den Schmarrn von Mächtigen nachkauen, nachdem die Schlacht geschlagen scheint.

Permalink
26.03.2022

„Wie groß ist die Gefahr, dass Putin, wenn er sich in die Enge gedrängt fühlt, diesen Krieg weiter eskaliert und zu Massenvernichtungswaffen greift?
Röttgen: Ich glaube, noch ist das Teil seiner Einschüchterungstaktik. Was er tut, wenn er militärisch und wirtschaftlich noch stärker unter Druck gerät, ist aber nicht mehr berechenbar. Das muss man auch ehrlich sagen. Der Westen und die Nato müssen daraus schließen, dass wir uns auf alle Möglichkeiten vorbereiten.“

In einer ausweglosen Situation versagt die atomare Abschreckung. Wenn Putin in diese Situation gebracht wird, dann ist ein Atomkrieg nicht mehr auszuschließen. Herr Röttgen sollte jetzt auch sagen, wie die Nato auf einen atomaren Schlag Russlands vorbereitet ist. Mit einem Gegenschlag? In jedem Fall werden wir, und im schlimmsten Fall die Menschheit, nicht überleben. Übereinstimmende Simulationen belegen, dass selbst ein regional begrenzter Atomkrieg Millionen Menschen tötet und durch den in die Atmosphäre gepusteten Staub die Sonne verdunkeln lässt und es über viele Jahre weltweit keine Ernten mehr gibt. Wer durch die Atombomben nicht direkt getötet wurde, verhungert, weltweit.
Statt weiter zu eskalieren muss jetzt auf eine Deeskalation umgeschaltet werden, solange dies noch möglich ist. Es geht um unser aller Überleben.

Permalink
26.03.2022

Wieso auswegslose Situation? Klopfen ukrainische oder NATO Truppen am Kreml an.

Putin hat immer noch die Möglichkeit die Kriegshandlungen in der Ukraine einzustellen. Es hat keiner vor in Russland einzumarschieren.
Putin hat nach Clausewitz gehandelt. Die Poltik mit dem Mittel Krieg fortgesetzt. Er hat immer noch die Möglichkeit den Krieg mit Politik fortzusetzen.

Permalink
26.03.2022

Auch der Wirtschaftskrieg kann zu der aussichtslosen Situation führen. Und Putin ist alles zuzutrauen.
Am Ende wird nicht entscheidend sein, wer recht hatte, sondern wer den Krieg verhindert hat.

Permalink
26.03.2022

@ Klaus Stampfer
>>Statt weiter zu eskalieren muss jetzt auf eine Deeskalation umgeschaltet werden, solange dies noch möglich ist. Es geht um unser aller Überleben.<<

Wer hat bisher eskaliert und wer muss und kann jetzt auf Deeskalation umschalten?

Bisher hat "der Westen" lange nicht scharf auf das Brechen internationaler Regeln und der internationalen Friedensordnung durch Putins Russland reagiert. Die Regierenden im Westen haben auf das Bombardieren syrischer Städte, auf den Chemiewaffeneinsatz in Syrien, auf den kriegerischen Einfall in Georgien, auf die Besetzung der Krim und auf die Besetzung der Ostukraine nicht scharf reagiert. Auch die Friedensgruppen haben dazu geschwiegen. In den Aufrufen zu Ostermärschen habe ich keine deutliche Verurteilung der durch Putins Hilfe ermöglichten Massaker in Aleppo gelesen. Oder habe ich da etwas übersehen?

An den Stellen hätten wir zumindest in der Vergangenheit eskalieren müssen! Putin hat offenbar annehmen können, dass die Regierenden im Westen und die Zivilgesellschaft so etwas achselzuckend hinnehmen. Vielleicht hätte sonst Putin nicht die Ukraine angegriffen.

Raimund Kamm

Permalink
26.03.2022

@Harald V.: auch everbody's darling hat die Möglichkeit die Kriegshandlungen einzustellen. Gilt der vermeintlich Klügere gibt nach nicht mehr. WS opfert Menschenleben zugunsten seiner Staatsraison. Man kann auch anders agieren.

Permalink
26.03.2022

@Wolfgang B.
Churchill hätte auch aufgeben können.
Putin hat angegriffen. Um die Ukrainer unter seiner totalitären Herrschaft zu bringen. Der Ukraine geht es ums Überleben. Um ihre Freiheit. Hier in Deutschland kann man ganz entspannt schreiben, dass der klüger doch nachgeben soll. In Russland werden Kritiker verhaftet. Teilweise umgebracht. Und den Ukrainern wird es auch so gehen. Hier kann man die Regierung öffentlich kritisieren. In Russland darf man nicht mal Krieg sagen.
Im Donbass wurden übrigens von Putins Schergen tausende ermordet oder gefoltert. Hunderttausende vertrieben.

Permalink
27.03.2022

@Harald V.: ich benutze das Wort "alternativlos" bewusst nie, denn es gibt IMMER mindestens 2 Alternativen gibt. In diesem Falle: Menschenleben "sparen", dafür ein Stück Freiheit opfern oder das Gegenteil (wobei in diesem Falle das Gegenteil auch verschiedene Alternativen beinhalten kann).

Permalink
27.03.2022

@Wolfgang B.
Die Ukrainer müssten nicht nur ein Stück Freiheit Opfern sondern ihre ganze Freiheit. Und Menschenleben würde es immer noch kosten. Vielleicht weniger. Aber wenn sowas Schule macht sind weitere Kriege die Folge. Wenn man sich erpressbar macht, hat das nur Nachahmer zur Folge. Oder motiviert den Täter zum Weitermachen.
Wieso sollte die VR China zurückschrecken Taiwan anzugreifen?
Oder Russland Moldawien? Eventuell auch die Balten.
Hat sich Hitler mit Österreich, dem Sudetengebiet oder der Tschechei begnügt?
Die einzige Möglichkeit den Krieg zu beenden ist ein Sturz Putins. Auch zum Wohle Russlands.

Wären sie bereit unter Putins Herrschaft zu leben?



Permalink
27.03.2022

Liebe Frau Kamm,

was bringt es, darauf zu verweisen, dass die Eskalation von Putin ausgegangen ist wenn dann alles in Schutt und Asche liegt. Da kommen sie mir vor wie ein Fußgänger, der ohne zu schauen über einen Zebrastreifen läuft und dann von einem Auto totgefahren wird. Richtig, der Autofahrer hätte halten müssen. Der Fußgänger ist trotzdem tot.
Ich hoffe, dass sie verstehen was ich meine.

Permalink
26.03.2022

@Herbert S.: „Röttgen war z.B. immer schon ein Gegner von Nordstream 2.“

Die Welt schrieb am 08.04.2013 unter der Überschrift „Transitländer müssen um Gebühren fürchten“: „Gazprom könnte mit einem dritten und vierten Strang die Gasströme noch flexibler lenken.“ (https://www.welt.de/wirtschaft/energie/article115110833/Nord-Stream-will-weitere-Roehren-fuer-Ostseepipeline.html)

Eine Meinungsäußerung von Norbert Röttgen zu diesem Thema finde ich unter dem Datum 06.09.2020: „Nach Vergiftung Nawalnys: Röttgen für Aus von Nord Stream 2“.
Hielt Herr Röttgen sieben Jahre mit seiner Meinung hinterm Berg oder verschweigt mir die Google-Suche ein älteres Dokument?

Permalink
26.03.2022

Hier 2018

https://ostexperte.de/streit-nord-stream-2/

>> Norbert Röttgen: Nord Stream 2 stabilisiert das Putin-Regime

Dr. Norbert Röttgen, CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, wendet sich gegen höhere Erdgaslieferungen aus Russland. Er meint laut Financial Times, mit dem Bau von Nord Stream würden die deutschen Erdgasbezüge aus Russland so stark steigen, dass Deutschland in energiepolitischer und auch in außenpolitischer Hinsicht in eine „Gefahrenzone“ gerate. Deutschland werde weniger unabhängig. <<

Permalink
26.03.2022

Danke, Herr Peter P.!
Mittlerweile habe ich auch noch eine Meldung aus 2016 gefunden. Aber schon damals stand im Leserkommentar #2 von „Vollzitat“: „im Prinzip hat der Mann recht. Aber das Projekt läuft ja schon länger und diese Überlegungen (geostrategisch) hätten am Beginn des Projektes stehen sollen – oder?“ (https://www.zeit.de/politik/2016-10/nord-stream-2-gaspipeline-norbert-roettgen-fordert-stopp-russland)

Permalink
26.03.2022

NICOLA L., 08:04 Uhr: „Wenn man eine Gesellschaft verändern will, dann von innen mit den Annehmlichkeiten des Westens.“

Was ist mit Annehmlichkeiten des Westens konkret gemeint?
Meinen Sie damit die hohen Gesundheitskosten in den USA, wo ein einfacher Arztbesuch 150 und ein Tag auf der Intensivstation bis zu 10.000 US-Dollar kosten.
(Gut, bei uns hat immerhin 2018 ein Sozialgericht – vgl. https://taz.de/Kasse-muss-Operation-in-den-USA-zahlen/!5558597/ – entschieden, dass bei herzkranken Kindern die Krankenkassen die Operationskosten zu übernehmen haben. Ein solches Urteil 60 Jahre früher, meine vier Geschwister und ich hätten sicherlich eine leichtere Kindheit gehabt.)
Oder meinen Sie damit, dass auch Schwerarbeiter bei uns bald bis 70 „buckeln“ müssen, um dann total abgearbeitet in Rente gehen zu können?
Oder meinen Sie damit das Höfesterben bei uns, wo es mitunter fürs Überleben des Hofes nicht ausreicht, wenn selbst Kinder im Grundschulalter mitarbeiten?
Oder meinen Sie, es ist ausreichend, wenn der Westen – wie z. B. beim Kaufhaus des Westens geschehen – seine Annehmlichkeiten nur zur Schau stellt. (Ich kann mir schon vorstellen, welche Ernüchterung nach der Wiedervereinigung bei den Besuchern aus dem Osten eingetreten ist, als sie auf der dortigen "Feinschmeckeretage“ die Preise gesehen haben.)
Wenn Sie aber alle an den „Annehmlichkeiten des Westens“ ehrlich teilhaben lassen wollen, dann denken Sie bitte auch an die hohe Bevölkerungszahl z. B. in Indien, denn nur in einer global gerechten Welt lassen sich Sanktionen gegen Schurken wirksam durchsetzen. – vgl. Dumpingangebot von Russland unter https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/indien-russland-energie-deal-101.html. (Ganz abgesehen davon, habe ich nach wie vor Zweifel, ob die Sanktionen das Kriegsgeschehen beeinflussen; von dem großen Schaden für die deutsche Volkswirtschaft bin ich dagegen überzeugt.)

Permalink
26.03.2022

Den größten Schaden hat jedenfalls Deutschland (die USA sind die Gewinner) auch bei Nordstream 2 hat die BRD 100 Milliarden Bürgschaft gegeben, die sind dann fällig. die USA verdienen auch mit ihrem dreckigen Gas und von dem umweltschädlichen Transport mit den Schiffen ganz zu schweigen, da geht die grüne Politik den Bach runter.

Permalink
27.03.2022

PETER G., 26.03.2022: "Den größten Schaden hat jedenfalls Deutschland"

Ich teile diese Ansicht. Allerdings ist mir die deutsche Bürgschaftssumme bei Nord Stream 2 nicht bekannt. Da die Investitionssumme wohl bei rund 10 Mrd. Euro gelegen hat, würde ich eher den deutschen Gesamtschaden bei der von Ihnen genannten Schadenssumme ansetzen, wovon die Bürgschaftsleistungen sicherlich nicht den größten Anteil haben.

Permalink
26.03.2022

Das ist frei erfunden.

Röttgen war z.B. immer schon ein Gegner von Nordstream 2.

Permalink
26.03.2022

Bezieht sich auf den Kommentar von Friedrich Behrendt

Permalink
26.03.2022

Wer glaubt, ein Embargo wird den Krieg beenden, unterliegt einem völligen Trugschluss. Das hat noch nie zu einem Ende geführt und wird unvorstellbare Auswirkungen auf Deutschland haben. 50% der Energie fehlen, wie soll das gehen? Nur so als Gedankenspiel: jeder bekommt nur 50% an Gas, Öl, Diesel, Benzin - das funktioniert nicht. Ganz im Gegenteil, das wird einen Verdrängungswettkampf und eine Zerstörung bei uns auslösen, die sich niemand auch nur annähernd vorstellen kann. In aller Härte gesagt: für einen korrupten Staat, der weder in der Nato ist, noch in der EU, soll Deutschland an die Wand gefahren werden? Die Menschen in der Ukraine haben unsere volle Unterstützung verdient, aber nicht mit Mitteln, die uns selbst zerstören.

Permalink
26.03.2022

haben sie angst sie könnten Frieren ? Empfehlung jetzt im beginnenden Sommer bei Kühlen Temperaturen ein bisschen wärmer anziehen so wie früher Oma und Opa auch ! in der EU und Nato konnte die Ukraine leider nicht sein weil vor allem die Deutschen mit Ex Kanzler Schröder und EX Kanzlerin Merkel dagegen Wahren

Permalink
26.03.2022

oha Röttgen ist doch auch einer von dehnen der nachdem er bei Merkel in Ungnade gefallen ist immer nach Moskau gepilgert ist um sich wieder in Erinnerung zu Bringen .

Permalink
26.03.2022

"Es ist jetzt genug, Wladimir Putin. Das ist zumindest die Hoffnung, die wir haben."

Das ist aber eine sehr unrealistische Sichtweise. Hat noch nie funktioniert. Siehe Nordkorea, Iran und Venezuela.
Das Gegenteil ist der Fall. Diese Staaten werden nach innen durch Sanktionen gestärkt. Actio= Reactio!
Wenn man eine Gesellschaft verändern will, dann von innen mit den Annehmlichkeiten des Westens. Freies Internet und Wohlstand durch Handel. Gut, hat jetzt bei Russland nur bedingt geholfen. Es hat sich glaub ich nur einer an die McDonald's Filiale gekettet.

Bei solchen "Führern" wie Putin hilft nur Stärke. Die ganze Appeasement Politik der letzten Jahre war ein Fehler. Vor allem ein Fehler der Deutschen und Putin Versteher, die immer einen verklärten Blick auf "Väterchen Russland" gehabt haben. Viel zu spät wird die faschistische Fratze Russlands wahrgenommen. Jetzt muss das Gleiche gelten wie im kalten Krieg und der Nazizeit. Militärische STÄRKE zeigen und Handel nur noch mit Wandel!

Permalink
26.03.2022

Das war kein "verklärter Blick" sondern der Versuch durch wirtschaftlichen Austausch einen Frieden zu sichern. Aber Sie haben Recht, dass hat nichts gebracht. Putin hat vielen, die so wie ich, daran geglaubt haben, ins Gesicht gespuckt. Daher hat die Forderung nach neuer militärischer Stärke nun ein breite Unterstützung.
Der Hass und die Verachtung für Putin ist grenzenlos. Irgendwie kommt er mir bald vor wie Hitler. Er hat so viel nachhaltig zerstört.

Permalink