Es sind unruhige Zeiten, in denen der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff nach Augsburg gekommen ist. Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, dazu eine deutsche Wirtschaft, die stagniert. Dennoch wirbt Wulff im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Augsburger Allgemeine Live“ für mehr Zuversicht. Er sieht Deutschland nach wie vor als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, auch wenn das Land sein Potenzial derzeit nicht abrufe.
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Für die aktuelle wirtschaftliche Lage wählt der CDU-Politiker ein drastisches Bild. Deutschland liege am Boden wie bei „Gullivers Reisen“, so Wulff: „Der große Riese gefesselt von Bürokratie und Reglementierung. Keiner weiß so richtig, ob er noch darf, ob er noch kann, ob er noch will.“ Die Lösung sieht Wulff allerdings nicht in der „Kettensäge“, wie sie etwa der argentinische Präsident Javier Milei propagiert. Wulff plädiert stattdessen für die „Rosenschere“. Es gehe darum, Ebenen und Instanzen zurückzuschneiden und Verantwortung wieder stärker vor Ort zu verorten. Die Bürgerinnen und Bürger warteten auf schnellere und mutigere Entscheidungen.
Christian Wulff mahnt: Parteien sollen AfD-Themen nicht übernehmen
Im Gespräch mit der Chefredaktion der Augsburger Allgemeinen, Peter Müller und Andrea Kümpfbeck, spricht Wulff auch über die politische Kultur. Mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen und den Umgang mit der AfD zieht der Altbundespräsident eine scharfe Trennlinie. Eine Zusammenarbeit, auch auf lokaler Ebene, schließt er kategorisch aus. Die Brandmauer müsse stehen, so Wulff: „Es kann keine gemeinsamen Initiativen, keine gemeinsamen Absprachen, keine Bündnisse, keine Formen von Zusammenarbeit geben, weil diese Partei eben gegen Minderheiten hetzt, Hass verbreitet und Unfrieden in unser Land bringt.“
Wulff warnt davor, Themen der AfD zu übernehmen, um die Partei klein zu halten. Wer behaupte, Migration sei die „Mutter aller Probleme“, stärke nur das Original. Man müsse die wirklichen Probleme lösen, statt Ressentiments zu bedienen.
Christian Wulff hofft auf erste Bundespräsidentin bei nächster Wahl
Ein Thema, das Wulffs Präsidentschaft wie kaum ein anderes prägte, ist sein Satz von 2010: „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Auch Jahre später und trotz veränderter gesellschaftlicher Stimmung steht Wulff zu dieser Aussage. Er betont, dass Millionen Muslime im Land lebten und man sie nicht ausgrenzen dürfe. „Wenn man sagt, das gehört hier nicht dazu, das wollen wir hier nicht, das passt hier nicht, dann muss man sich nicht wundern, wenn es eine Parallelgesellschaft gibt“, mahnt Wulff. Integration funktioniere nur durch Teilhabe, etwa durch islamischen Religionsunterricht und in Deutschland ausgebildete Imame.
Zum Abschluss des Abends blickt Wulff noch einmal nach vorn – auf das höchste Amt im Staat. Nach zwölf männlichen Bundespräsidenten in der Geschichte der Bundesrepublik sei es an der Zeit für einen Wechsel. Er hoffe, dass sich die Parteien bei der nächsten Wahl auf eine Frau verständigen könnten. Namen nannte er nicht, aber eine „tolle Bayerin“ sei auch darunter.
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