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Porträt
12.01.2022

Jens Plötner ist der Welterklärer des neuen Bundeskanzlers

Eine erste vertrauliche Scholz-Mission führte Plötner nach Moskau, wo er mit Putins Ukraine-Beauftragtem sprach.
Foto: Grigory Sysoev, Imago Images

Diplomat Jens Plötner gilt als außenpolitischer Einflüsterer von Scholz – und könnte so die deutsche Außenpolitik mehr prägen als Außenministerin Baerbock.

Was für eine Außenpolitik Bundeskanzler Olaf Scholz vorschwebt, ist noch nicht klar erkennbar. Klar gemacht hat der Sozialdemokrat aber, wo die deutsche Außenpolitik gemacht werden soll: im Kanzleramt, keineswegs nur im Auswärtigen Amt.

Damit könnte Jens Plötner mehr Einfluss auf Deutschlands Rolle in der Welt erhalten als Außenministerin Annalena Baerbock. Denn der 54 Jahre alte Beamte dürfte im Kanzleramt als „AL2“ (wie seine Position im Bürokratendeutsch heißt) jene Tradition fortsetzen, die erst Christoph Heusgen und dann Jan Hecker bei Angela Merkel ausfüllten: als außenpolitischer Chefberater so viele Dossiers an sich zu reißen, dass für das Außenamt eher die repräsentativen Aufgaben bleiben.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock bei ihrem besuch in Washington.
Foto: Kay Nietfeld, dpa

Jens Plötner dient schon Frank-Walter Steinmeier im Auswärtigen Amt

Wie sich das stolze Auswärtige Amt austricksen lässt, sollte Plötner genau wissen. Er war nämlich zuvor bereits „AL2“, nur eben im Auswärtigen Amt. Als Politischer Direktor landeten auf seinem Schreibtisch so gut wie alle Dossiers, die die Schlagzeilen und auch die Weltläufte bestimmten: die (schwierige) Abstimmung mit Peking, das Gerangel mit Wladimir Putin, die umstrittene Gaspipeline Nord Stream 2 (um den Atomstreit mit dem Iran nicht zu vergessen). Plötner diente schon Frank-Walter Steinmeier – der, man vergisst es in seiner jetzigen präsidialen Ruhe – ein durchaus engagierter Außenminister war, als Büroleiter.

Mangelnde Durchsetzungskraft hat ihm dabei niemand vorgehalten. Auch die Außendarstellung beherrscht Plötner, er war einst Sprecher des Außenministers. Eine erste vertrauliche Scholz-Mission führte Plötner nach Moskau, wo er mit Putins Ukraine-Beauftragtem sprach. Durchaus absprachebedürftig dürfte auch die außenpolitische Diplomatie in der Ampel-Koalition werden. Schon ist klar, dass die Grünen etwa mit Russland und China härter umgehen wollen als Scholz. Ministerin Baerbock hat mit hochkarätigen weiblichen Neubesetzungen an der Spitze des Amtes zudem deutlich gemacht, dass ihr Schlagwort von der „feministischen Außenpolitik“ nicht nur ein Schlagwort bleiben soll.

Als Student reiste er gerne mit Rucksack durch Griechenland

Plötner, verheiratet, zwei Kinder, studierte Jura in Hamburg, Bordeaux und Paris, er kennt etwa Israel, die Vereinten Nationen, Sri Lanka und Tunesien aus früheren diplomatischen Verwendungen. In Griechenland, wohin er schon als Student gerne mit dem Rucksack reiste, diente er als Botschafter, was in der Eurokrise und deren Nachwehen kein vergnügungssteuerpflichtiger Job war.

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Nun muss Plötner Taktgefühl gegenüber dem eigenen Chef beweisen. Denn Olaf Scholz neigt dazu, Olaf Scholz stets für die kompetenteste Person im Raum zu halten, auch in der Außenpolitik - zumal er aus Hamburg stammt, das sich gerne als Deutschlands Tor zur Welt versteht. Den Kanzler davon zu überzeugen, dass es auf der Weltbühne noch etwas für ihn zu lernen gibt, könnte Plötners erste große Mission sein.

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