Newsticker
USA kündigen weitere Rüstungslieferungen für die Ukraine an
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Schlangeninsel der Ukraine: Welche Bedeutung hat sie? Rückzug von Russland

Krieg in der Ukraine
01.07.2022

Russland kündigt Rückzug an: Was ist die Schlangeninsel und warum ist sie so wichtig?

Rauch auf der Schlangeninsel: Das Eiland im Schwarzen Meer wird derzeit umkämpft.
Foto: Planet Labs PBC, dpa

Um ein kleines, karges Eiland im Schwarzen Meer kämpfen Russen und Ukrainer unerbittlich. Nun kündigt Russland einen Rückzug an. Warum ist die Schlangeninsel von so großer strategischer Bedeutung?

Um ein kleines, karges Eiland im Schwarzen Meer kämpften Russen und Ukrainer seit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine unerbittlich. Nun gibt es eine große Wende. Doch warum ist die Schlangeninsel von großer strategischer Bedeutung?

Schlangeninsel im Schwarzen Meer wird zum Inbegriff des Widerstandes der Ukraine

Ein karges, felsiges Eiland ist die Schlangeninsel, nur rund 600 mal 600 Meter groß, mitten im Schwarzen Meer. Ein Leuchtturm steht seit 200 Jahren hier, Menschen leben offiziell erst seit 15 Jahren auf der Insel – dafür verweilt angeblich schon seit sehr langer Zeit ein berühmter Halbgott dort: Achilles soll der griechischen Sage zufolge auf dieser kleinen Insel begraben sein. Und woher die Insel ihren Namen hat, ist unbekannt. Schlangen gibt es dort jedenfalls keine.

Doch der abgeschiedene Ort, der zur Ukraine gehört, ist seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs plötzlich im Zentrum eines Machtkampfs: Russland nimmt die Insel ein und verwüstet Bile, die einzige Siedlung auf dem Eiland. Die ukrainischen Grenzschützer werden zu Gefangenen. Der Funkspruch, mit dem einer der Soldaten die russischen Invasoren empfing – "Russisches Kriegsschiff, f... dich!" – wurde zum Synonym für den ukrainischen Kämpfergeist. Zum Inbegriff des ukrainischen Widerstandes. Er ziert seit April sogar eine eigene Briefmarke der Ukraine.

Video: AFP

Schlangeninsel: Von Russland und Ukraine heftig umkämpft

Seitdem wird die Insel heftig umkämpft. Denn die Schlangeninsel ist militärstrategisch ein bedeutender Ort. Zum einen gibt es im Schwarzen Meer insgesamt nur wenige Inseln. Viele Alternativen, um militärische Stützpunkte einzurichten, gibt es also nicht. Das ist nicht neu. Die Insel war bereits zu Sowjetzeiten zu einem derartigen Stützpunkt ausgebaut worden. Auf dem Eiland befindet sich eine Hubschrauberplattform sowie zwei Anlegestellen, an denen auch große Kriegsschiffe mit einem Tiefgang von bis zu acht Metern anlanden können; zudem soll es hier noch aus Sowjetzeiten Munitions- und Treibstofflager, Radaranlagen sowie Raketenstellungen geben.

Zum anderen lässt sich über die Schlangeninsel, rund 200 Kilometer südlich von Odessa gelegen, der gesamte Seeverkehr im Umfeld der größten ukrainischen Hafenstadt kontrollieren. Aus dem ukrainischen Verteidigungsministerium hieß es, die Insel ermögliche die Kontrolle über die Lufthoheit in der Südukraine, außerdem könne man die Bewegung ziviler Schiffe im Süden der Ukraine jederzeit blockieren.

Expertinnen und Experten gehen deshalb davon aus, Putin könnte eine solche Blockade im Sinn haben. Russland versucht deshalb zunehmend, schwere Waffen auf der Schlangeninsel zu stationieren. Doch seit der Erstürmung der Insel musste die russische Seite zahlreiche Verluste verzeichnen. Ukrainische Drohnen haben zum Beispiel kürzlich zwei russische Schiffe ausgemacht und angegriffen. Dabei soll es sich um Versorgungsschiffe der Klasse Serna gehandelt haben. Die ukrainische Verteidigung konnte eines der Schiffe versenken. Kiew kündigte an, so lange wie nötig um die Insel kämpfen zu wollen.

Lesen Sie dazu auch

Schwarzes Meer: Russland kündigt Rückzug von Schlangeninsel an

Am 30. Juni kündigte Russland an, sich von der besetzten Schlangeninsel zurückzuziehen. Eine überraschende Wende beim Kampf um die strategisch so wichtige Insel. Moskau sprach dabei von einer "Geste des guten Willens". Der Abzug soll der Ukraine ermöglichen, die Ausfuhr von Getreide wieder zu tätigen. Zuvor hatte die ukrainische Armee bekanntgegeben, erneut die Schlangeninsel angegriffen zu haben.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.