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Ukraine-Krieg
23.02.2023

Russland ist keine Heimat für Gegner des Angriffskrieges

"Rich Putin – poor Russia" (Reicher Putin, armes Russland). Während es international viele Proteste gegen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gibt, ist Widerstand in Russland sehr gefährlich.
Foto: Frank Rumpenhorst, dpa (Archivbild)

Als ihr Land am 24. Februar die Ukraine überfällt, stürzt auch die Welt vieler Russen ein. Die einen verlassen das Land, die anderen bleiben trotz Repressionen.

Das Haus ist weg. Und mit ihm auch die Nachbarn, die Bäckerei nebenan, die täglichen Rituale. Im Grunde genommen ihr gewohntes Leben. Ihr Land. Obwohl es noch da ist, immer in ihren Gedanken, in ihren Träumen, in den Nachrichten sowieso. Russland, das die Ukraine bombardiert und es triumphierend verkündet, Russland, das tausenden Menschen ihr Leben genommen hat und es noch nehmen wird, Russland, das sich und andere zerstört.

"Es ist die Hölle", sagt Mascha Karnowitsch-Walua. Eine Hölle, durch die sie täglich gehe, auch in Slowenien, wo sie mittlerweile lebt, weil sie in ihrem geliebten Moskau nicht mehr habe atmen können. Darüber erzählt sie jede Woche in ihrem Podcast "Es gibt kein 'Richtig'". Mit ihrer Mitmoderatorin Xenia Krassilnikowa – auch sie lebt nicht mehr in Russland, sondern in Georgien – informiert sie seit Jahren über psychische Gesundheit, Elternschaft und Frauenrechte. Seit einem Jahr geht es dabei nur noch um Russlands Vernichtungskrieg in der Ukraine, der letztlich auch in ihrem Namen geschieht. 

Russischen Umfragen zufolge sind 20 Prozent gegen das Putin-Regime

Umfragen zufolge – auch wenn Umfragen in einem totalitären Land schwer zu interpretieren sind – sprechen sich etwa 20 Prozent der Befragten gegen das Putin-Regime aus. Das wären immerhin Millionen von Menschen. Es ist ein schweigender Widerstand, weil viele im Land, das sich gegen die Aufklärung seiner Vergangenheit sträubt, in Anpassung geübt sind. 

"Russland ist auch mein Haus, nicht nur Putins", sagt der politische Beobachter Andrej Kolesnikow vom Carnegie-Zentrum. Die Moskauer Filiale ist längst dicht, Kolesnikow muss sich seit Dezember vor den Behörden "ausländischer Agent" nennen und allerlei schikanierende Abrechnungen ans Justizministerium abliefern, wo jeder einsehen kann, woher seine Einnahmen kommen und wofür er Geld ausgibt. Selbst jeder Kaffee muss darin erscheinen. Er hätte weggehen können, seine Expertise ist auch im Ausland gefragt. Die Kolesnikows entschieden sich fürs Bleiben. Die Teenager-Tochter, die Enkel. "Die Umstände", nennt es der 57-Jährige in der Sendung "Hier" des Youtube-Ablegers der unabhängigen kremlkritischen Zeitung Nowaja Gaseta. Die Nowaja darf keine Zeitung mehr sein, ein Moskauer Gericht hat die Medienregistrierung kassiert. Die Journalisten, die sich nun "Blogger" nennen, arbeiten dennoch weiter. "Der Staat sagt uns, wie wir zu sterben haben, aber erlaubt uns nicht, das zu lesen, was wir lesen wollen", sagte der Chefredakteur und Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow nach der Gerichtsentscheidung. Auch Muratow ist in Russland geblieben. 

Dmitri Muratow, Chefredakteur der Moskauer Zeitung Nowaja Gaseta und Friedensnobelpreisträger 2021, mit der letzten Printausgabe seiner Zeitung vom 28. März 2022.
Foto: Salvatore Di Nolfi, dpa (Archivbild)

Andrej Kolesnikow sagt: "Man gewöhnt sich, irgendwie. Irgendwie geht es doch aufzutreten, zu sprechen. Nicht zu sprechen ist unmöglich. Hier spüre ich die Atmosphäre, auch wenn diese Atmosphäre, die Luft, die ich zusammen mit Putin atme, schlecht ist. Ich spüre die schwierigen Prozesse, die in den Köpfen der Menschen vorgehen." Ablenkung sei unmöglich. Kino ist unmöglich, Theater ist unmöglich. 

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"Einfach unpassend", nennt auch der Pädagoge Dima Zicer solche "Zerstreuungen". "Alles, was mich umgibt, was ich tue, hat 100-prozentig mit dem Krieg zu tun", sagt der 56-Jährige im Gespräch. Zicer hat sich der "nicht-formellen Bildung" verschrieben. Doch seine quer durch Russland bekannte Sendung im staatlichen Radio – bei der er Ratschläge für ein besseres Leben zwischen Eltern, Kindern, Lehrern gab – gab er auf. Sein Format "Lieben, nicht erziehen" führt er nun bei einem privaten Podcast-Studio weiter.

Die Gäste fragen nun kaum mehr nach Pädagogik. Sie rufen aus der ganzen Welt an, es sind geflohene Ukrainerinnen, es sind heranwachsende Russen, es sind Menschen, die nicht weiterwissen in einer Welt, die vor ihren Augen zusammengebrochen ist. Zicer fängt jede Sendung mit einem Antikriegs-Auftritt an, er zählt die Kriegstage, er prangert das militaristische Regime an und wendet sich seinen Anrufern zu. Manche weinen, andere wollen wissen, wie es funktionieren könne, dass man trotz so unterschiedlichen Einstellungen miteinander auskommt. "Wen sollen sie auch anrufen?" 

Ein Leben im Schatten des Krieges gegen die Ukraine

Wie sich das Leben im Schatten des Krieges gestaltet, erlebt der 20-jährige Michail Domratschew täglich. Seine Mutter glaubt der staatlichen Propaganda, ihr Lebenspartner schlug den Studenten für seine Positionen zusammen. Der Großvater hat ihn als Verräter aus dem Haus gejagt – und mit der Ausrufung der Mobilisierung wieder zu sich gerufen. Er solle einfach einen großen Bogen um den Krieg machen, sagen ihm die Verwandten. Doch Domratschew denkt nicht daran. "Ich habe zwar teilweise den Glauben an die Menschen verloren, aber ich gebe meine politische Haltung nicht auf. Vor Strafen fürchte ich mich nicht, Gefängnis aber macht mir natürlich Angst." In manchen Momenten fühle er sich verloren, sagt er. "Es schmerzt." 

Wie es wohl auch Mascha Karnowitsch-Walua schmerzt, Andrej Kolesnikow, Dima Zicer und auch so viele, die in der Öffentlichkeit schweigen. Vordergründig lebt ihr Land das Leben weiter wie bisher. Der Krieg zerfrisst es von innen. Auf Jahrzehnte hinaus. 

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