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UNO: Warum die Guterres-Nachfolge noch lange nicht feststeht

UNO

Vereinte Nationen: Wer macht künftig den „unmöglichsten Job der Welt“?

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    Michelle Bachelet wäre die erste Frau, die die UN leitet.
    Michelle Bachelet wäre die erste Frau, die die UN leitet. Foto: Valentin Flauraud, KEYSTONE/dpa (Archivfoto)

    Die Welt kennt den Generalsekretär der Vereinten Nationen: António Guterres (76) ist das Gesicht und die Stimme des Staatenbundes. Er gilt als UN-Chefdiplomat. Schon bald muss sich die Welt an ein neues Gesicht und eine andere Stimme gewöhnen: Denn die zehnjährige Amtszeit des neunten Generalsekretärs endet im Dezember. Schon jetzt aber geht das Rennen um seine Nachfolge in die heiße Phase.

    Wer wird den Portugiesen beerben? Erstmals könnte ab Januar 2027 eine Frau in die Chefetage des UN-Hauptquartiers in New York einziehen. Innerhalb und außerhalb der Vereinten Nationen sind die Rufe nach einem Ende der Männerherrschaft am East River deutlich zu vernehmen: Die Nummer Zehn soll eine Generalsekretärin sein. Die Vorsitzende der UN-Vollversammlung ist noch bis September Annalena Baerbock (45). Sie betont: Die Entscheidung über die Guterres-Nachfolge „wird auch zeigen, ob diese Organisation und ihre Mitgliedstaaten wirklich der gesamten Menschheit dienen, die zur Hälfte aus Frauen und Mädchen besteht“.

    Vier Kandidaten wollen sich in New York präsentieren

    Am Dienstag und Mittwoch müssen sich die vier Kandidatinnen und Kandidaten den kritischen Fragen von Vertretern der 193 UN-Mitgliedsländer stellen. Als Bewerber angetreten sind bislang: die Chilenin Michelle Bachelet (74), der Argentinier Rafael Grossi (65) sowie Macky Sall (64) aus dem Senegal und Rebeca Grynspan (70) aus Costa Rica. Noch hat sich kein Favorit herausgeschält. Ohnehin können weitere Kandidaten in den Wettbewerb einsteigen. Guterres hatte wohl auch den Auswahlprozess im Blick, als er unlängst sagte: 2026 erweise sich als „Jahr mit immer neuen Überraschungen und des Chaos“.

    Bald UN-Generalsekretär? Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation Rafael Grossi.
    Bald UN-Generalsekretär? Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation Rafael Grossi. Foto: Heinz-Peter Bader, AP/dpa

    Die Suche nach einem neuen Generalsekretär fällt in eine geopolitische Ära, in der das Recht des Stärkeren dominiert: Großmächte wie Russland und die USA setzen auf militärische Gewalt sowie apokalyptische Drohungen und drücken damit die UN und die regelbasierte Ordnung ins Abseits – tatsächlich spielen die UN bei der Lösung der vielen Kriege und Konflikte kaum eine Rolle. Zudem drehen die USA und andere Geber der Weltorganisation den Geldhahn zu und provozieren damit eine Liquiditätskrise. Angesichts des Powerplays der Großmächte warnt die Vorsitzende Baerbock: Das multilaterale System und damit die UN stünden „nicht nur unter Druck, sondern werden attackiert“.

    Der nächste Generalsekretär muss die UN also energisch verteidigen. Ohnehin hat der Generalsekretär eine Aufgabe zu meistern, die der Erste von ihnen, Trygve Lie, als „den unmöglichsten Job der Welt“ bezeichnete: Er soll das Amt strikt neutral ausfüllen und darf keine Großmacht verprellen.

    Immerhin haben die vier Kandidaten Erfahrungen in hohen Positionen gesammelt, auch bei den Vereinten Nationen: Bachelet führte Chile gleich zweimal als Präsidentin, sie war UN-Hochkommissarin für Menschenrechte und Chefin der Frauenorganisation UN Women. Grossi lenkt als Generaldirektor die Internationale Atomenergie-Organisation, Grynspan ist Generalsekretärin der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung und war Vizepräsidentin Costa Ricas. Der einzige Afrikaner unter den Kandidaten, Sall, schaffte es einst in das Präsidentenamt des Senegal.

    Macky Sall war Präsident des Senegal und will nun an die Spitze der UN.
    Macky Sall war Präsident des Senegal und will nun an die Spitze der UN. Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa (Archivfoto)

    Die Aspiranten müssen vor allem bei den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates gut ankommen – denn das mächtigste UN-Gremium bestimmt die Personalie. Im Rat geben die fünf Vetomächte den Ton an: Diese sogenannten P5 bestehen aus den USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien. Zumal die Administration des US-Präsidenten Donald Trump auf einem fügsamen Generalsekretär besteht, der ihrer Politik des „America First“ nicht in die Quere kommt. „Die USA und andere Vetomächte haben den übrigen UN-Mitgliedern unmissverständlich klargemacht, dass sie ihre Position im Sicherheitsrat nutzen werden, um den Auswahlprozess zu dominieren“, betont der UN-Direktor der International Crisis Group, Richard Gowan. „Das ist ein Bereich, in dem sich alle fünf Mächte trotz ihrer vielen anderen Meinungsverschiedenheiten einig sind.“

    Rebeca Grynspan war früher Vizepräsidentin von Costa Rica – und will nun Guterres beerben.
    Rebeca Grynspan war früher Vizepräsidentin von Costa Rica – und will nun Guterres beerben. Foto: Salvatore Di Nolfi, KEYSTONE/dpa

    Allerdings dürften die Rivalitäten der Vetomächte einer schnellen Einigung im Wege stehen. Diplomaten befürchten sogar, dass sich der Auswahlprozess quälend lange hinzieht. Experte Gowan will nicht ausschließen, dass sich der oder die Neue heute noch gar nicht im Rennen um den Job des Generalsekretärs befindet: „Wenn sich die P5 und andere Mitglieder letztendlich auf einen Kandidaten einigen, könnte es sich durchaus um einen eher unbekannten UN-Beamten oder einen beliebten Botschafter in New York handeln, der keine Gefahr für die Kerninteressen der Vetomächte darstellt.“  

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