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USA
02.01.2022

New York stemmt sich gegen Omikron

Seit Silvester im Amt: New Yorks neuer Bürgermeister, der ehemalige Polizist Eric Adams.
Foto: Seth Wenig, dpa

Wie Amerikas pulsierende Metropole trotz hoher Infektionszahlen und unzähliger Krankheitsausfälle versucht, Normalität zu bewahren.

Vielen Besuchern schwante nichts Gutes, als Peter Gelb, der Direktor der New Yorker Metropolitan Opera, am Silvesterabend vor den noch geschlossenen Bühnenvorhang trat. Seit Tagen ist die Millionenmetropole erneut zum Epizentrum der Corona-Pandemie geworden. Mehrere Broadway-Theater mussten wegen der Erkrankung von Künstlern ihre Shows absagen. Auch ob Verdis „Rigoletto“ an der Met tatsächlich Premiere feiern könnte, war länger unsicher.

New York will sich nicht unterkriegen lassen

Doch Gelb konnte das Publikum beruhigen: „Wir haben keine Ausfälle.“ Da brach lauter Applaus auf den voll besetzten Rängen aus. Nur im teuren Parkett waren bei der Galavorstellung einige wenige Plätze frei geblieben. Jeder Besucher musste bei Eintritt einen Impfnachweis vorweisen und drinnen Maske tragen, was tatsächlich befolgt wurde. Anders als Rigoletto, der am Ende der Oper als gebrochener Mann von der Bühne geht, will sich New York nicht unterkriegen lassen.

„Dies ist eine unglaubliche Stadt“, schwärmte wenige Stunden später Eric Adams. Der neue schwarze Bürgermeister legte kurz nach dem Jahreswechsel um Mitternacht rund 20 Straßenblocks südlich von der Met, am berühmten Times Square, seinen Amtseid ab. Zur dortigen – grundsätzlich böllerfreien – Silvesterparty waren 15.000 statt der üblichen mehr als 50.000 Zuschauer zugelassen. „Wir werden dem ganzen Land zeigen, wie wir zurückkommen“, verkündete Adams trotzig. Wie sein Vorgänger Bill de Blasio will er einen neuerlichen Lockdown, der viele Selbstständige ihre Existenz kosten könnte, um jeden Preis vermeiden.

35.000 Neuinfektionen an einem Tag

Zum Beginn des neuen Jahres ist die Stimmung in New York von eigenartigen Widersprüchen geprägt. Einerseits meldet die Stadt täglich neue Rekord-Infektionszahlen, die sich in den vergangenen zwei Wochen auf zuletzt 35.000 an einem Tag versiebenfacht haben. Nicht nur Broadway-Theater müssen aus Personalmangel Aufführungen absagen. Auch Restaurants müssen schließen und die U-Bahn kann viele Strecken nur noch unregelmäßig bedienen. Doch gleichzeitig demonstriert die Stadt eine Entschlossenheit zur Normalität und zu dem Willen, sich von einem Virus nicht das Leben diktieren zu lassen.

 

Mehr als 500.000 neue Covid-Fälle werden in den USA inzwischen täglich gemeldet. Wissenschaftler der Columbia-Universität haben in einem Modell errechnet, dass die Zahl bis Mitte Januar auf 2,5 Millionen hochschießen könnte. In New York kennt praktisch jeder einen Freund oder Kollegen, der an Omikron erkrankt ist. Jeder sechste Feuerwehrmann und jeder dritte Rettungssanitäter ist infiziert. Laut einer Umfrage der Handelskammer von Brooklyn fehlen bei 60 Prozent aller Unternehmen Beschäftigte wegen einer Covid-Infektion.

Impfpflicht für alle Arbeitnehmer in New York

Auf der anderen Seite sind 73 Prozent der New Yorker immunisiert. Zwar steigt die Bettenbelegung in den Kliniken, sie liegt aber bislang nur halb so hoch wie auf dem Höhepunkt der Pandemie im Frühjahr 2020. Mit 80 Toten an einem Tag ist die Zahl im Bundesstaat New York extrem niedriger als damals, als an manchen Tagen mehr als 1000 Menschen das Leben verloren.

Inzwischen gilt für alle städtischen und privaten Beschäftigten eine Impfpflicht. Wer ein Restaurant oder Konzert besuchen will, muss ab Mitte Januar zusätzlich eine Booster-Spritze nachweisen. Die Restaurants haben sich schon bei der ersten Corona-Welle auf die Lage eingestellt und auf den breiten Straßen vielfach hölzerne Verschläge fürs Freiluft-Essen errichtet. An einem kalten Winterabend an der Second Avenue sitzen überall Gäste unter wärmenden Heizstrahlern draußen. Doch viele wählen einen Platz drinnen im Gastraum. Bei der Heimfahrt muss man länger als üblich auf die U-Bahn warten. „Wir schicken so viel Züge auf die Gleise, wie es mit dem Personal geht, das verfügbar ist“, steht auf der Anzeigetafel. Immerhin kann man sich während der Wartezeit in vielen Metro-Stationen testen lassen.

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