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Vom „Lehrer des Monats“ zum Attentäter: Wer war der Schütze bei Correspondents‘ Dinner?

Washington

Vom „Lehrer des Monats“ zum Attentäter: Wer war der Schütze im Weißen Haus?

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    Medienvertreter berichten vom Wohnsitz des Schützen von Washington.
    Medienvertreter berichten vom Wohnsitz des Schützen von Washington. Foto: Damian Dovarganes, dpa/AP

    Er versteht sich als „freundlicher“ Attentäter, der bei seinem Anschlag Unschuldige schonen, den Präsidenten und Vertreter seiner Regierung aber töten wollte. Dafür stellte Cole Tomas Allen (31) „Einsatzregeln“ auf, die er in einem Schreiben an seine Familie ausführte. Dieses schickte er aus einem Zimmer im Washington Hilton ab, in dem er am Vorabend des „White House Correspondents‘ Dinner“ eingecheckt hatte. Wenige Minuten später stürmte er mit gezogener Waffe durch das Hotel Richtung Eingang des großen Ballsaals, in dem Donald Trump, Vizepräsident J.D. Vance, Speaker Mike Johnson und große Teile des Kabinetts versammelt waren.

    Die in dem Schreiben ausgeführten Regeln lesen sich wie der Plan eines Mannes, der seine Gewalt ordnen wollte. Angriffsziele seien Regierungsmitglieder, „priorisiert vom ranghöchsten bis zum rangniedrigsten“, ausgenommen FBI-Direktor Kash Patel. Agenten des Secret Service wollte er nach Möglichkeit nicht töten. „Ich hoffe, sie tragen Schutzausrüstung“, schrieb Allen. Hotelangestellte und Gäste des Korrespondenten-Dinners seien „absolut keine Ziele“. Einschränkend fügte er hinzu, er werde „fast jeden“ aus dem Weg räumen, „um an die Zielpersonen heranzukommen“.

    In letzter Minute stoppten Sicherheitskräfte den Tatverdächtigen

    Der Plan scheiterte. In letzter Minute stoppten am Samstagabend Sicherheitskräfte Allen, der mit zwei Pistolen, einer Schrotflinte und mehreren Messern bewaffnet war. Die Waffen hatte er 2023 und 2025 legal in seiner kalifornischen Heimat Torrance erworben. In den Ballsaal gelangte er nicht. Vor seiner Überwältigung traf er einen Beamten in seiner Schutzweste, die ihm das Leben rettete. Am Montag musste Allen vor den Haftrichter.

    US-Geheimdienstmitarbeiter umringen US-Präsident Donald Trump, als er nach einer Schießerei außerhalb des Ballsaals während des White House Correspondents‘ Dinner von der Bühne gebracht wird.
    US-Geheimdienstmitarbeiter umringen US-Präsident Donald Trump, als er nach einer Schießerei außerhalb des Ballsaals während des White House Correspondents‘ Dinner von der Bühne gebracht wird. Foto: Mark Schiefelbein, AP/dpa

    Bisher kooperiert der 31-Jährige nicht mit den Ermittlern. Doch der Brief an seine Familie zeichnet das Bild eines politisch motivierten Täters. Allen beschreibt sich darin als „halb schwarze, halb weiße Person“, die „nicht länger bereit“ sei, dass ein „Pädophiler, Vergewaltiger und Verräter meine Hände mit seinen Verbrechen befleckt“. Dies sei nun seine „erste echte Gelegenheit“, etwas dagegen zu unternehmen. Er empfinde „Wut“, wenn ich daran denke, „was diese Regierung alles getan hat.“

    Trump reagiert im Interview mit „60 Minutes“ aggressiv auf Brief

    Auf den Text angesprochen, reagierte Trump in einem Interview mit Journalistin Norah O‘Donnell für die Sendung „60 Minutes“ aggressiv. Die Reporterin sei eine „Schande“, er habe darauf gewartet, dass sie daraus zitieren werde, weil Journalisten „schreckliche Menschen sind“. Trump bestätigte dann die Echtheit des Schreibens. „Aber ich bin kein Vergewaltiger.“

    Wer der Mann ist, der diese Worte geschrieben hat, versuchen Ermittler derweil 4.000 Kilometer weiter westlich zu rekonstruieren. Im kalifornischen Torrance belagern seit Sonntag Reporter und Neugierige Allens Elternhaus, in dem FBI-Agenten nach Spuren suchten. Nachbarn beschreiben die Familie als „friedliche Leute“. Er habe stets freundlich gewinkt, wenn er auf seinem Roller vorbeigefahren sei.

    Verdächtiger als „Lehrer des Monats“ ausgezeichnet

    Allen machte 2017 seinen Bachelor in Maschinenbau am renommierten California Institute of Technology. Im Mai 2025 schloss er einen Informatik-Master an der California State University Dominguez Hills ab. Sein Professor Bin Tang erinnert sich an einen „sehr guten Studenten“, der stets in der ersten Reihe gesessen habe, „leise, sehr höflich, ein guter Kerl“.

    Noch als Student entwickelte er den Prototyp einer Notbremse für Rollstühle. Zuletzt arbeitete er als unabhängiger Videospielentwickler. Seinen Zuverdienst bestritt er als Tutor und Lehrer beim Nachhilfeanbieter C2 Education. Das Unternehmen zeichnete ihn im Dezember 2024 als „Lehrer des Monats“ aus.

    In den vergangenen Jahren radikalisierte sich Allen in der linken Szene von Los Angeles. Seine in Maryland lebende Schwester berichtete den Behörden, ihr Bruder sei der Aktivistengruppe „The Wide Awakes“ beigetreten und habe regelmäßig auf einem Schießstand trainiert. Nach Erhalt des Abschiedsbriefs alarmierten sie und ein anderer in Connecticut lebender Bruder die Polizei. Zu spät, um die Tat zu verhindern.

    Schütze machte sich über Sicherheitsvorkehrungen lustig

    Allen selbst machte sich in seinem Brief über die Sicherheitsvorkehrungen lustig. Es sei „wirklich Wahnsinn“, dass „niemand einen Scheiß gemerkt“ habe, als er bewaffnet im Hotel sein Zimmer bezog. Iranische Agenten, spottet er, hätten mühelos weit gefährlichere Waffen in den Saal bringen können.

    Was Allen letztlich zur Tat trieb, bleibt vorerst offen. Klar ist nur, was den „freundlichen Attentäter“ erwartet, sollte er verurteilt werden: bis zu lebenslange Haft. Im letzten Satz seines Briefs hat er einen Rat an mögliche Nachahmer: „Kann ich wirklich nicht weiterempfehlen“, schreibt er. „Geht schön in die Schule, Kinder.“ Am Montagabend unserer Zeit hat in Washington ein Richter nun Anklage gegen Allen erhoben, in drei Punkten: wegen eines bewaffneten Angriffs, wegen der Gewalttat gegen einen Bundesbeamten – und wegen Mordversuchs am US-Präsidenten. 

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