Wissen Sie eigentlich, wo der nächste Bunker ist? In dem Sie und Ihre Lieben Schutz finden würden, falls es etwa zu Angriffen mit Drohnen oder Raketen käme? Wer das nicht weiß, sollte jetzt keinesfalls in Panik verfallen. Doch der Frage mal nachzugehen, wäre auch kein Fehler. Hoffe auf das Beste, aber bereite Dich auf das Schlimmste vor – so lässt sich eine uralte Lebensphilosophie zusammenfassen, die es erlaubt, optimistisch zu bleiben und dennoch seine Risiken zu begrenzen. Auch für die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik sowie den Zivilschutz von Staaten lassen sich daraus viele Lehren ziehen. Doch die deutsche Politik hat dieses Prinzip in den vergangenen gut dreieinhalb Jahrzehnten komplett ignoriert.
Auf Euphorie folgte Weltuntergangsstimmung
In der Euphorie unmittelbar nach dem Kalten Krieg mit seiner Atomkriegs-Panik rechneten fast alle nur noch mit dem Besten, mit ewigem Frieden mit allen Nachbarn und einer immerwährenden Freundschaft zu Russland. So wie die Bundeswehr wurde auch die Infrastruktur, die die Bevölkerung in Krisenzeiten schützt, kaputtgespart und vernachlässigt. Wer das kritisierte, wurde als Schwarzseher abgetan. Nach dem Schock des russischen Überfalls auf die Ukraine setzte dann eine derart lähmende Weltuntergangsstimmung ein, dass erst recht nichts passierte.
Erst langsam kommt Deutschland aus der Apathie wieder ins Tun. Während Verteidigungsminister Boris Pistorius die überfällige Generalsanierung der Bundeswehr angeht, macht sich Innenminister Alexander Dobrindt daran, den Zivilschutz wieder flott zu bekommen. Mit einem Sofortprogramm will er Bunker ertüchtigen, zusätzliche Feldbetten und Zivilschutz-Spezialfahrzeuge anschaffen. Doch die dafür vorgesehenen zehn Milliarden Euro können nur der Anfang sein, Experten beziffern die nötigen Investitionen deutlich höher. Auch die Stärkung des Technischen Hilfswerks und der Zusammenarbeit zwischen zivilen Strukturen und dem Militär ist überfällig und muss mit allem Nachdruck vorangetrieben werden.
Noch keine Bunkerliste – wie bitte?
Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt aber ein Vorhaben, das der Dobrindt-Plan jetzt formuliert: Zufluchtsräume für die Bevölkerung wie Bunker, Tiefgaragen und Tunnel sollen in einem Kataster erfasst und in die Bundes-Warn-App NINA integriert werden. Unfassbar, dass das nicht längst passiert ist. Schon vor Jahren hätten die deutschen Verantwortlichen aufwachen müssen. Aber wahrscheinlich ist es zu allen Zeiten töricht, sich nicht auf das Schlimmste vorzubereiten. Das Beste hoffen und alles für den Frieden tun sollten wir trotzdem.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren