Newsticker
Russland bejubelt Rücktritt von Premier Boris Johnson
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Was macht eigentlich Donald Trump?

Ehemaliger US-Präsident
12.06.2022

Mehr als ein Jahr nach der Wahl: Was macht eigentlich Donald Trump?

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump ist weiter in der Öffentlichkeit präsent
Foto: Hyosub Shin, dpa (Archivbild)

Seit anderthalb Jahren ist Donald Trump nun nicht mehr US-Präsident. Leise ist er aber nicht geworden. Vieles deutet sogar auf eine Kandidatur zur US-Wahl 2024 hin.

Es gab wohl keinen amerikanischen Präsidenten, der mit einem derartigen Paukenschlag aus seinem Amt geschieden ist. Mehr als ein Jahr ist es nun her, dass Donald Trump nach einer Amtszeit als US-Präsident im November 2020 abgewählt wurde und Joe Biden das Amt übernahm. Doch untätig ist Trump seitdem nicht - und still geworden ist es auch nicht so wirklich um ihn.

Trump hält Geschichte der manipulierten US-Wahl 2020 aufrecht

Der Sturm auf das Kapitol hatte die Vereinigten Staaten in ihren Grundfesten erschüttert. Die Demokratie schien in Gefahr, denn Trump hatte seinen Anhängern immer wieder von einer gefälschten und manipulierten Wahl erzählt. Das hatte diese dann dazu bewegt, am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington zu stürmen. Ein Putschversuch sagen die einen, eine Demonstration die anderen rund um Trump.

Anhänger des damaligen US-Präsident Trump stürmen am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington.
Foto: John Minchillo, dpa (Archivbild)

Die Geschichte der gestohlenen Wahl 2020 verbreitet Trump noch immer so gut er kann. Seine Theorie wurde mittlerweile mehrfach widerlegt, die Behauptung des Betrugs ist falsch. Das Narrativ bleibt aber und die USA versucht seit dem Sturm auf das Kapitol juristisch wie auch politisch aufzuarbeiten, was da überhaupt passiert ist. Trump macht hingegen Stimmung gegen Biden und die aktuelle Regierung. Außerdem hält er sein Narrativ aufrecht und facht seine Mitstreiter weiter an. Doch dabei muss er auf seine wichtigsten Kommunikationskanäle verzichten.

Trumpt gründete "Truth Social" - bei Twitter und Facebook ist er gesperrt

Nach dem Sturm auf das Kapitol wurde Trump auf Twitter und Facebook gespert. Die beiden Social-Media-Plattformen waren zwei seiner wichtigsten Kommunikationskanäle. In der Öffentlichkeit ist er aber weiter präsent - ob mit Interviews, wie dem, bei welchem er Russlands Präsidenten Wladimir Putin als besonders "schlau" bezeichnete, oder Auftritten. Um den Verlust seiner Reichweite zu kompensieren hat Trump sogar eine eigene Social-Media-Plattform gegründet: "Truth Social". 

Video: dpa Exklusiv

Die Plattform ähnelt Trumps früheren Lieblings-Kanal Twitter. Es werden aber nicht Tweets geteilt, sondern "Truths" - also Wahrheiten. Dass es sich bei den Inhalten allerdings tatsächlich um Wahrheiten handelt, darf in vielen Fällen bezweifelt werden. Immer wieder werden Falschnachrichten und Verschwöhrungstheorien in dem Netzwerk geteilt. Aktuell verstärkt rund um den Krieg in der Ukraine.

Truth Social starte mit einer riesigen Nachfrage, die App landete direkt auf Platz 1 des amerikanischen App-Stores. Wegen technischer Probleme befinden sich derzeit aber noch über eine Million Nutzer auf einer Warteliste. Trump will demnächst auch einen eigenen Streaming-Dienst anbieten - mit eigenen Nachrichten und einem Unterhaltungsprogramm.

Lesen Sie dazu auch

Spannend ist, dass derzeit Elon Musk versucht, Twitter zu erwerben. Der reichste Mensch der Welt kündigte bereits an, dass er Trump dann wieder freischalten würde. Das könnte den Ton rund um den Ex-Präsidenten wieder ändern.

Wird Trump 2024 nochmal als US-Präsident antreten?

Eine wichtige Rolle nimmt auch sein Newsletter ein, den er per Mail oder auch SMS an seine Abonnenten versendet. In diesen wird auch auf Veranstaltungen eingeladen und um Spenden gebeten - und zwar äußerst effektiv.

Nach Informationen der Washington Post hat der 75-Jährige in den Monaten nach seiner Wahl rund eine Million US-Dollar in der Woche eingesammelt. Manchmal sollen es sogar zwei Millionen gewesen sein. Geld. dass er für Geschäftsreisen, politische Aktionen und Veranstaltungen, sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsetzen kann. Trumps Netzwerk ist weiterhin gut und seine Fanbase groß. Falls er 2024 noch einmal zur Wahl des US-Präsidenten antreten sollte, dann dürfte er erneut eine lange Liste an Spendern haben.

Dass er es 2024 noch einmal als Präsident versuchen will, dass deutet der Unternehmer immer wieder an. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es noch etwas hin, doch aktuelle Umfragen dürften dem Ex-Präsidenten Mut machen. Laut dem Harvard Center for American Studies würden aktuell 47 Prozent Trump wählen, wenn die Präsidentschaftswahlen 2024 jetzt stattfinden würden - und nur 41 Prozent Biden. 12 Prozent der Wähler wären unentschlossen. In einem hypothetischen Duell mit der Vizekanzlerin Kamala Harris liegt Trump sogar mit 49 Prozent gegen 38 Prozent vorn.

Trump hat auch in der Partei noch viel Einflass. Bei den Republikanern gilt er noch immer als "Königsmacher". Seine Gefolgsleute sind zahlreich, alleine für die Kongresswahlen im November hat er mehr als 120 Kandidatinnen und Kandidaten unterstützt. Viele Republikaner gehen weiter davon aus, dass sie ohne Trump im Rücken wenig erreichen können. Für seine Unterstützung müssen sie aber behaupten, dass der Ex-Präsident die Wahl 2020 gewonnen hat.

Video: dpa

Ermittlungen gegen Trump

Derzeit muss sich Trump aber zunächst einmal juristisch verteidigen. Wegen seiner wirtschaftlichen Tätigkeiten laufen Ermittlungen gegen ihn. Dabei geht es in erster Linie um Immobiliengeschäfte seiner "Trump Organization".

Deutlich schwerwiegender wären Ermittlungen rund um den Sturm auf das Kapitol. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss versucht herauszufinden, ob sich Trump in diesem Zusammenhang einer Straftat schuldig gemacht hat. Ein Abschlussbericht wird vor den Kongresswahlen im November erwartet. Es wurden bereits rund 800 Zeugen angehört - darunter auch Jared Kushner, der Ehemann von Trumps Tochter Ivanka. Der Ausgang dieses Untersuchungsausschusses könnte durchaus Einfluss darauf haben, ob Trump 2024 noch einmal als US-Präsident kandidieren wird.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.