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Porträt
02.07.2022

Claus Ruhe Madsen macht in Schleswig-Holstein Karriere als Ein-Mann-Partei

Der parteilose Claus Ruhe Madsen gibt das Amt als Oberbürgermeister von Rostock auf, um künfitg Ministerin Schleswig-Holstein zu sein.
Foto: Marcus Brandt, dpa

Als unkonventioneller Oberbürgermeister von Rostock hat Claus Ruhe Madsen Furore gemacht. Nun wird der Däne in Kiel zum ersten Landesminister ohne deutschen Pass.

Als Soldat hätte er nicht nur Probleme wegen seines auffälligen Barts bekommen. Noch viel weniger tauglich für unflexible Großorganisationen wie Armeen – oder Parteien – ist Claus Ruhe Madsen, der sich nach der Schulzeit kurze Zeit einmal der königlichen Leibwache anschließen wollte, wegen seines offensichtlichen Mangels an Respekt vor festen Hierarchien und Regeln. Madsen will es lieber selbst schaffen – oder mit Menschen, die er sich selbst ausgewählt hat.

Dass er dabei erfolgreich ist – und sich zur Not auch als Einzelkämpfer durchbeißen kann –, hat der 1972 in Kopenhagen geborene Madsen nicht zuletzt mit seiner Wahl zum parteilosen Bürgermeister der Großstadt Rostock im Juni 2019 bewiesen.

Dass er trotzdem keinen deutschen Pass wollte und keine Probleme darin sah, sich weiter zu „100 Prozent“ als Däne zu fühlen, empfanden die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt offenbar als erfrischend authentisch. Als Bürgermeister wollte er die Stadt mehr wie eines der Unternehmen führen, die er vor seiner Politikkarriere gegründet hat.

Zuletzt ist auch Claus Ruhe Madsen gescheitert

Nach dem Abitur als Jahrgangsbester zieht er mit 800 D-Mark als 20-Jähriger nach Deutschland und jobbt erst mal in einem skandinavischen Möbelhaus in Essen. Madsen macht eine Ausbildung, wird Verkaufsleiter – und siedelt 1997 nach Rostock, um von dort mit Partnern selbst eine kleine Kette mit skandinavischen Möbeln aufzuziehen. Später wird er dann noch zum Softeis-Verkäufer und Wohnmobil-Vermieter. Madsen macht einfach – und baut sich nebenbei so ein Netzwerk auf, dass er von der IHK Rostock zum Präsidenten gewählt wird.

Nach drei Jahren, in denen er als Oberbürgermeister bundesweite Bekanntheit erlangt – aber zuletzt mit der Absage der Bundesgartenschau auch eine bittere Niederlage erlitten hat –, zieht Madsen nun weiter. Als Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein soll der mit einer Finnin verheiratete Vater einer Tochter der Regierung von Daniel Günther (CDU) Schwung verleihen. In dessen erstem Kabinett gab es schon mal einen unkonventionellen Minister, der zur Gesichtsbehaarung ein entspanntes Verhältnis pflegt: Robert Habeck. Anders als Madsen hat der aber früh auf eine Partei als Aufstiegshilfe gesetzt.

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