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Reisen
13.07.2022

Auf Madeira kann man der Natur ganz nahe sein

Die Insel Madeira ist grün und bergig, über 20 Prozent sind von Wald bedeckt.
Foto: Nicole Prestle

Der uralte „Laurisilva“ bedeckt über 20 Prozent der Fläche Madeiras. Immer mehr Touristen reisen nachhaltiger und naturnah. Die Branche stellt sich darauf ein.

Der Sturm, der den Baumkoloss zu Fall brachte, hat sich längst gelegt. Die Rinde verwittert, die Wurzeln zerfasert, von Farn und Moos überwuchert, liegt die Kiefer seit Jahren, vielleicht auch Jahrzehnten quer über dem schmalen Waldweg. Ein Hindernis? Stefanie Nolden würde das so nie sagen. Zu negativ, und mit schlechter Energie hat sich die 60-Jährige lange genug herumschlagen müssen. Das aber ist eine Geschichte, die in einem anderen Leben spielt. In Stefanies Leben vor Madeira.

Seit wir in den Jeep eingestiegen sind, der uns von der Küste hochbringt in die Berge um Camacha, hat die 60-Jährige nicht aufgehört zu lächeln. Vor gut eineinhalb Jahren ist sie von Deutschland ausgewandert auf die portugiesische Insel, sie nennt sie ihr „Paradies“. Wir, ihre Wandergruppe für diesen Tag, kennen Stefanie erst seit wenigen Minuten, und doch spüren wir: Diese Frau ist ganz bei uns und doch vollkommen bei sich. Das, was sie mit uns vorhat, klingt aus ihrem Mund auch gar nicht mehr spleenig: Wir gehen Waldbaden. Klar! Noch Fragen?

Waldbaden ist auch auf Madeira populär

Oh ja, doch die müssen wir erst einmal für uns behalten. Waldbaden und Quatschen passen so wenig zusammen wie Madeira und ihr Ruf als Rentnerinsel. Dieses und andere Vorurteile lassen wir hinter uns, als wir vor dem gefallenen Baumkoloss stehen, ihn übersteigen und eintreten in eine mystische Welt hoch über der Küste.

Madeira, Holz. Das Material, das der Insel ihren Namen gab, ist hier oben, auf gut 1000 Metern über dem Meeresspiegel, üppig vorhanden. Laurisilva, Lorbeerwald – das klingt nach Geheimnis und "Herr der Ringe". Der Nebel hängt an diesem Tag zwischen den Bäumen wie ein Baldachin, doch bald schon verschwindet er, lässt zarte Sonnenstrahlen herein, während die Feuchtigkeit bleibt. „Schließt die Augen und atmet tief ein und aus.“ Waldbaden, sagt Stefanie, ist nicht einfach nur Spazierengehen zwischen Bäumen. Es bedeutet, achtsam zu sein und den Wald mit allen Sinnen in sich aufzunehmen.

Wanderführerin Stefanie Nolden erklärt, dass Waldbaden mehr ist als ein bloßer Spaziergang zwischen Bäumen.
Foto: Nicole Prestle

Unten, an der hotelgespickten Südküste, ist mehr Trubel. Auf Madeira gibt es praktisch keine Hochsaison. Ruhe, sagt Hotelier Eric Schumann, kehrt allenfalls zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige ein. Nur während Corona, da war es natürlich anders – wie überall: „Da hatten die Madeirenser ihre Insel für sich. Ein ungewohntes Gefühl.“ Dennoch fühlt man sich als Urlauber hier nicht als Teil einer Horde. „Madeira ist nur ein Fünftel so groß wie Mallorca“, sagt Eric Schumann. „Es hat aber zehn Mal so viel zu bieten.“ Zum Beispiel das Wasser. Und das ist auf Madeira irgendwie überall, man muss nur rankommen…

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Madeira ist keine Badeinsel im klassischen Sinn

Madeira ist keine Badeinsel, zumindest nicht im klassischen Sinn. Die Strände sind steinig und steil, die meisten Hotels haben dem Meer mit Treppen und Leitern nur einen kleinen Einstieg abgerungen. Für Stefan Maier ist das gerade der Vorteil: „Wer bei uns ins Wasser geht, ist gleich mitten im Unterwasser-Naturschutzgebiet“, sagt der Inhaber der Tauchschule „Manta Diving“ in Canico de Baixo. Der Golfstrom sorgt mitten im rauen, meist kühlen Atlantik für eine tropische Flora und Fauna: Es gibt Papageienfische, Mantas, handzahme Zackenbarsche.

Immer mehr Gäste wollen sich in diesem Umfeld offenbar so frei wie möglich bewegen: „Free-Diving wird beliebter“, sagt Stefan Maier. Runter mit Anzug, Maske, Flossen und Schnorchel. Kein Sauerstoff, nur der eigene Atem und ein gutes Körpergefühl. „Man kann das sehr gut trainieren“, sagt Maier.

Einatmen. Ausatmen. Oben, im Laurisilva, haben wir es auch geübt. Unsere Atemzüge werden tiefer, unsere Lungen füllen sich mit dem satten Grün des Waldes. Stefanie hat an einer Wasserrinne angehalten, höchstens 20, 30 Zentimeter ist sie breit. Überall auf der Insel gibt es solche kleinen Wasserläufe, die Levadas. Seit Jahrhunderten leiten sie das Wasser aus den Bergen in die landwirtschaftlich genutzten Gebiete im Süden. Das Wasser und das, was wir an diesem Tag loswerden wollen: „Sammelt ein Stück Holz, einen Pinienzapfen, eine Bartflechte, was euch auf dem Weg begegnet“, hat Stefanie uns vorgeschlagen. Jetzt geben wir das Treibgut ins Wasser – und mit ihm einen Gedanken, eine Sorge, die wir abgeben wollen. Die Levada wird sie nach unten tragen, weg von uns, ins Meer und ins Vergessen. Wie einfach das hier oben klingt …

Reisende legen mehr Wert auf Nachhaltigkeit

Madeira, sagen Tourismusexperten wie Eric Schumann, ist am Scheideweg: „Werden wir nachhaltig oder machen wir so weiter, wie bisher?“ Diese Frage, sagt der Hotelmanager, stellen sich auf der Insel gerade viele, ohne die Konsequenzen des zweiten Satzteils laut auszusprechen. Denn Weitermachen würde wohl auch heißen, irgendwann noch das letzte freie Grundstück an Hotelinvestoren zu verlieren. Der Ausverkauf einer Insel, wie es ihn schon auf so vielen anderen gab? Hier scheint man sich dagegen zu wehren. Es gibt bereits Hotels, die komplett mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Dabei wird auf Photovoltaik und Solarzellen gesetzt, die Pools werden mit Meerwasser gefüllt. Immer mehr Urlauber und Urlauberinnen buchen heute aber bewusst nachhaltige Angebote, sagt Schumann. Der Klimawandel ist als Thema im Tourismus angekommen.

Ein Umdenken, Madeira scheint dafür wie gemacht. Überall auf der Insel kann man Bekanntschaft schließen mit Menschen wie Stefanie Nolden. Sie kamen nach Madeira, um ein Leben hinter sich zu lassen und neu durchzustarten. Selim Latrous, Anfang 40, hat das auch getan. Eigentlich müsste man seine Geschichte aufschreiben: Geboren als Sohn einer Schweizerin und eines Tunesiers, gelebt als Reisender in immer anderen Ländern, die Familie hielt es selten länger als fünf Jahre an einem Ort. So mancher würde daran zerbrechen, aus Selim Latrous ist ein Wanderer geworden – und so hat er auch sein Lokal in Funchal genannt.

Die Markthalle von Funchal ist ebenfalls einen Besuch wert.
Foto: Nicole Prestle

Das kulinarische Wunder offenbart sich in einem Einkaufscenter, das schon bessere Tage und mehr Geschäfte gesehen hat. Selim Latrous und sein kleines Team bewirten dort nur sechs Gäste pro Abend, der Gastraum sieht aus wie Latrous’ Wohnküche. Bevor er „The Wanderer“ 2019 eröffnete, hatte Latrous nie in einer Restaurantküche gestanden. „Ich lebte in Südostasien, saß hinter dem Computer und verkaufte Leuten Zeug, das sie nicht brauchen“, erzählt er. Jetzt zaubert er Gerichte, die Kunst sind – optisch und geschmacklich. Madeira? Auch Latrous empfindet diese Insel als Kraftort, erst einmal will er bleiben. Fünf Jahre, vielleicht sieben. Wie das Meer hat offenbar auch dieser Mann seinen Rhythmus.

Der Eukalyptus wächst im Wald von Camacha

Alles auf null. Vielleicht funktioniert das auf dieser Insel auch, weil man dort weit weg von vielem ist. Zwischen dem portugiesischen Festland und der Insel liegen 900 Kilometer, manche nennen Madeira den „schwimmenden Blumentopf im Atlantik“. Dabei stammen die meisten Blumen gar nicht von hier: Rund 84 Prozent der Pflanzen, die heute auf Madeira wachsen, wurden importiert. Händler und Adelige brachten sie von Reisen in alle Welt mit, um sie in englischen Orangerien und Parks anzusiedeln. Madeira war der Zwischenhalt, um sie an das neue Klima anzupassen.

Auch der Eukalyptus, der oben im Wald bei Camacha wächst, ist kein madeirensisches Gewächs. Dennoch fügt er sich problemlos ein in diese besondere Atmosphäre. Manche Bäume hier oben, sagt Stefanie Nolden, sind 500 bis 600 Jahre alt. „Man nennt sie die Mütter der Natur, die uns beschützen, uns Kraft geben.“ Und ja, natürlich umarmen wir an diesem Tag einen davon. Die Rinde fühlt sich warm an und trocken. Schweigen ist plötzlich ganz einfach geworden, Atmen und Spüren auch. Stefanie Nolden wünscht sich, das Madeira irgendwann eine ganzheitliche, nachhaltige Insel wird. Menschen wie sie, die von überall auf der Welt gekommen sind, um neu anzufangen, könnten mit ihren Erfahrungen dazu beitragen, diese Idee zu verwirklichen. An einem Kraftort wie diesem könnte das gelingen, sagt die 60-Jährige – und bittet uns am Ende, uns flach auf den Waldboden zu legen. Wurzeln schlagen? Hier kann man es sich vorstellen.

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