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Natur- und Geopark
21.10.2022

Die Maare in der Vulkaneifel sind das tiefgründige Erbe der Hölle

Der Laacher See in der Vulkaneifel ist das berühmteste der Maare.
Foto: Moritz Löw/Adobe Stock

Bei einer Exkursion in die Erdgeschichte kommt man in der Vulkaneifel Geheimnissen der Kraterseen auf die Spur und entdeckt noch mehr Landschaftsphänomene.

Sie haben Dichter und Maler inspiriert und ziehen bis heute Naturliebhaber in ihren Bann: die Eifel-Maare. „Die Augen der Eifel“ nannte die Dichterin Clara Viebig die meist kreisrunden Maar-Seen, die so malerisch ins Grün der Wälder und Felder eingebettet sind. In diesen Tagen leuchten viele Bäume herbstlich bunt, die Wiesen sind gemäht. Und doch finden Ziegen und Esel auf den grünen Höhen um die Dauner Maare noch genügend würzige Kräutlein.

Spaziert man durch diese Landschaft kann man kaum glauben, dass hier einmal die Hölle los war. Damals, als die Maare entstanden sind und es zum Kampf der Elemente Feuer und Wasser kam. Geopark-Gästeführerin Irene Sartorius – schmal, kurze graue Haare, Brille – könnte darüber Referate halten. Zur Unterstützung hat sie Bilder und Grafiken im Rucksack. Denn was sie erzählt, ist nicht leicht zu verstehen.

Vulkaneifel: Der Weinfelder See ist das berühmteste der Maare

Auch ein Maar, lernen wir, ist ein Vulkan, ein nach innen gestülpter. 75 Maare gibt es in der Vulkaneifel, nur zehn enthalten einen See. Entstanden ist sie so: Aufsteigende Magma traf auf wasserführende Schichten. Das Wasser verdampfte, es kam zu Wasserdampfexplosionen. Das umgebende Gestein wurde aufgebrochen, nach oben geschleudert und ausgeworfen. So bildete sich ein Trichter, umgeben von einem ringförmigen Wall aus dem Urgestein Tuff. Füllt er sich mit Grund- oder Regenwasser, entsteht ein Maarsee – wie die Dauner Maare. Weniger faszinierend sind die Trockenmaare, die man auch nicht so leicht erkennen kann. Neben dem Schalkenmehrener Maar etwa liegt nicht nur ein Trockenmaar, sondern auch ein Flachmoor, das ebenfalls auf eine Vulkaneruption zurückgeht. Nach dieser Exkursion in die Erdgeschichte sehen wir die Landschaft mit anderen Augen, die begrünten Schlackenkegel, das ockerfarbene Flachmoor, die blauen Maarseen. Mit 51 Metern ist der Weinfelder See der tiefste der drei Dauner Maare – und wahrscheinlich der meist fotografierte.

Auch der Landschaftsmaler Fritz von Wille, der als Eifelmaler bekannt wurde, hat sich immer wieder von diesem kreisrunden, tiefblauen Maar mit der kleinen Kapelle am Kraterrand inspirieren lassen. Das Kirchlein ist bis heute Ziel frommer Pilger. Wer mag, kann die Glocke im Vorraum läuten, der Klang weht weit übers Land und erinnert die Menschen vielleicht an Zeiten, in denen sie noch auf göttliche Hilfe hofften. Zu Pestzeiten etwa. Das Dorf Weinfeld gibt es seither nicht mehr. Die meisten Bewohner starben an der Pest, andere flohen nach Schalkenmehren. Übrig blieben nur das Kirchlein – und der Friedhof. Womöglich heißt das Weinfelder Maar auch deshalb Totenmaar.

Der Name könnte allerdings auch auf eine alte Sage zurückgehen, die Irene Sartorius noch lieber erzählt: Wo heute Wasser ist, stand vor langer Zeit ein Schloss, in dem eine böse Schlossherrin mit ihrem guten Mann lebte. Er wusste nicht, dass seine Frau eine Hexe war. Doch er sah wohl, dass sie übrig gebliebenes Essen lieber den Tieren gab als den armen Menschen. Als der Schlossherr eines Tages ausritt, fiel ihm ein, dass er einen Handschuh verloren hatte. Er schickte seinen Knecht zurück und der fand statt des Schlosses nur Wasser – und einen Weidenkorb mit seinem kleinen Sohn darin.

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Eine schöne Geschichte mit optimistischem Ausblick auf die Zukunft. 2015 hat der Natur- und Geopark die Anerkennung als Unesco Global Geopark erhalten. Feuer und Wasser haben hier nicht nur Maare hinterlassen, sondern auch Quellen mit mineralhaltigem Wasser, Dreese genannt – aus dem Keltischen für „sprudelnde Quelle“. So eine ganz besondere Quelle will Irene Sartorius uns zeigen. Sie liegt versteckt im Wald. Tuffsteine rahmen das sprudelnde Wasser ein. Es ist eisenhaltig und wirkt im Grün ringsum fast goldfarben. Der Geschmack ist metallisch, aber auch erfrischend. Es gibt viele solcher Dreese in der Vulkaneifel – und sogar einen Kaltwasser-Geysir, den Wallenden Born in Wallenborn. Da kommen wir heute nicht mehr hin auf unserer Tour entlang der Dauner Maare. Dafür besteigen wir den elf Meter hohen Dronketurm, von dem aus wir einen weiten Blick übers Land haben. Wir wandern auf schmalen Pfaden, mal über die Höhen, mal am Maar entlang. Es ist ein angenehmes Auf und Ab durch die sanft geschwungene Landschaft.

Wir gönnen uns eine Einkehr Waldcafé Kulimaarik und entschließen uns frisch gestärkt zum Gipfelsturm. Über dem Schalkenmehrener Doppelmaar steht auf der Anhöhe ein Gipfelkreuz. Von da oben schaut man hinunter auf die blaue Wasserfläche des Schalkenmehrener Maars und die weißen Häuserwürfel des Örtchens. Irene Sartorius deutet auf ein goldbraunes Rund neben der Wasserfläche, das Trockenmaar. Ja, jetzt sehen wir’s auch. Die Wanderung mit der Geopark-Führerin hat uns die Augen geöffnet.

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