Viele Menschen in Deutschland träumen davon, ins Ausland auszuwandern. Bei einigen davon bleibt es vorerst bei einer Wunschvorstellung, andere wagen den Schritt tatsächlich und verlegen ihren Wohnsitz für eine Weile ins Ausland oder werden dort sogar langfristig sesshaft. Obwohl der Auswanderungsprozess mit einigem organisatorischem Aufwand und gewissen Kosten verbunden ist, spielen derzeit immer mehr Deutsche mit dem Gedanken, wie aktuelle Umfragen zeigen. Welche Motivationen dem zugrunde liegen und in welchen Bevölkerungsgruppen der Wunsch am häufigsten auftritt, erfahren Sie hier.
Immer mehr Menschen wollen aus Deutschland auswandern – wer denkt am häufigsten darüber nach?
Der Wunsch, aus Deutschland auszuwandern, ist in der Bevölkerung weitverbreitet, wie eine repräsentative Umfrage des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) aufzeigt. Für die Studie wurden 2933 Personen im Zeitraum zwischen Sommer 2024 und Sommer 2025 wiederholt zu ihren potenziellen Auswanderungsabsichten befragt. 21 Prozent der Befragten gaben demnach an, dass sie mit dem Gedanken spielen, Deutschland zu verlassen und ins Ausland zu ziehen.
Im Vergleich zu vergangenen Umfrageauswertungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Grundlage des sozio-ökonomischen Panels von 2019 stellen die Studienautorinnen und -autoren hier einen merklichen Anstieg fest. Damals überlegten nur rund 13 Prozent der Bevölkerung, aus Deutschland auszuwandern.
Dabei sind die Auswanderungsabsichten nicht unter allen Bevölkerungsgruppen gleich stark vertreten. So kommt die DeZIM-Studie zu dem Schluss, dass Menschen mit Migrationsgeschichte deutlich häufiger darüber nachdenken, Deutschland zu verlassen als diejenigen ohne Migrationshintergrund. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch bei Personen, deren Eltern aus dem Ausland nach Deutschland eingewandert sind: unter ihnen ziehen 37 Prozent eine Auswanderung in Betracht. Bei Menschen, die selbst zugewandert sind, liegt der Wert mit 34 Prozent leicht darunter. Am stärksten sind die Auswanderungserwägungen mit 39 Prozent unter Personen mit familiären Bezügen zur Türkei und der MENA-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika). Deutsche ohne Einwanderungsgeschichte überlegen hingegen deutlich seltener, auszuwandern – hier beträgt der Anteil nur 17 Prozent.
Auch unter jungen Menschen in der Altersgruppe 14 bis 29 ist der Gedanke, aus Deutschland auszuwandern, keine Seltenheit. Das geht aus der jüngsten Befragung der Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ hervor. „Mit 21 Prozent plant jede fünfte junge Person konkret, Deutschland zu verlassen, um im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden“, fasst Co-Autor Kilian Hampel von der Universität Konstanz in einer Pressemitteilung zusammen. Ein noch deutlicheres Bild zeige sich bei den abstrakten Auswanderungsüberlegungen: 41 Prozent könnten sich demnach grundsätzlich vorstellen, auszuwandern.
Gründe für den Auswanderungswunsch: Warum überlegen viele Deutsche, das Land zu verlassen?
Unabhängig davon, wie konkret oder vage die Auswanderungsabsichten sind und wie häufig sie tatsächlich in die Realität umgesetzt werden, sagt ihre Zunahme laut den Autorinnen und Autoren der DeZIM-Studie doch viel über das aktuelle Wohlbefinden der Menschen in Deutschland aus. In dem Wunsch, den Lebensmittelpunkt ins Ausland zu verlegen, spiegele sich oft eine gewisse Unzufriedenheit mit den Gegebenheiten vor Ort wider.
In der Umfrage des DeZIM war der am häufigsten genannte Beweggrund hinter der Erwägung, Deutschland zu verlassen, die Hoffnung auf eine erhöhte Lebensqualität im Ausland. Über alle Bevölkerungsgruppen hinweg gaben 51 Prozent der Befragten an, dass sie aus diesem Grund darüber nachdenken, auszuwandern. Zudem spielen insbesondere bei Menschen mit Migrationshintergrund Diskriminierungserfahrungen eine Rolle. So erklärte ein Viertel der Studienteilnehmer mit Einwanderungsgeschichte aus der Türkei und MENA-Region, dass sie ins Ausland gehen möchten, weil sie in Deutschland „schlechter behandelt werden als andere“. Für Personen mit Migrationshintergrund aus der ehemaligen Sowjetunion stehen mit 48 Prozent hingegen eher finanzielle Motive im Vordergrund. Doch auch unter Menschen ohne Migrationsgeschichte wird diese Begründung mit 30 Prozent häufig genannt.
Junge Menschen in Deutschland würden sich im Ausland vor allem einen besseren Lebensstandard und verlässlichere Zukunftsperspektiven ausmalen, schildert Jugendstudienautor Kilian Hampel im Tagesspiegel. Viele Befragte würden pessimistisch auf die künftigen Aussichten in Deutschland blicken. Laut dem Sozialforscher ist das der treibende Beweggrund hinter ihren Auswanderungsabsichten. Ein erheblicher Teil der 14- bis 29-Jährigen gehe davon aus, dass sich hierzulande in Bereichen wie der wirtschaftlichen Entwicklung, den politischen Verhältnissen und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in den kommenden Jahren keine Besserung einstellen wird.
Übrigens: In Zeiten globaler Krisen und Konflikte ist die Sehnsucht nach einem sicheren Rückzugsort im Ausland groß – dabei bieten einige Länder Auswanderern ein besonders hohes Maß an Sicherheit.
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