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Mendrisiotto
19.09.2022

Unterwegs im Mendrisiotto: Wo der Wein, das Tal nicht verlässt

Der Weg durchs Muggiotal ist auch im Sommer angenehm schattig.
Foto: Angelika Stalla

Im sonnenverwöhnten Mendrisiotto im Tessin lässt sich Wandern mit Genuss bestens verbinden – mit netten Pausen auf kleinen Weingütern. Buchhaltern, Architekten und Bahnangestellten, die besondere Weine machen.

Die blauen Augen von Grazia Cavallini strahlen, ihre Hände unterstreichen die Worte die sie spricht. Sie beginnt auf Deutsch, der Sprache der Gäste in ihrem Garten, irgendwann wechselt sie ins Italienische, das im Tessin gesprochen wird. Aber sie bemerkt es nicht. Wanderführer Antonio Borra springt ein und übersetzt. Sie erzählt vom Wein im Mendrisiotto, der südlichsten Region des Tessins, ja der ganzen Schweiz. Sie erzählt vom Merlot, der dort angebaut wird, von den Problemen, die der Klimawandel bringt, und sie erzählt von Projekten, Plänen und neuen Ideen, die im Weingut von Grazia und Luciano Cavallini in Cabbio ausprobiert werden.

Wer von Bruzella aus durch Kastanienwälder ins Muggio-Tal wandert, in das südlichste Tal der Schweiz zwischen Comer See und Luganer See, kommt nicht nur an aus Stein gefertigten Kühlhäuschen und der 700 Jahre alten Mühle vorbei, in der immer noch Mehl für Polenta gemahlen wird. Der Weg führt auch durch Cabbio, eines der winzigen Dörfer im Tal. Und dort wartet der Weinkeller der Cavallinis. In der Weinlaube der Familie darf probiert werden. Drei Hektar bewirtschaftet die Familie, an teilweise extrem steilen Hängen. Kann man davon leben? „Nur die halbe Familie“, sagt Grazia lachend. Sie arbeitet außerdem in einer Bücherei, ihr Mann kümmert sich um die Weinberge. Und jetzt auch die Tochter, die sich im Studium mit Weinbau beschäftigt und viele Ideen und vor allem während der Ernte auch die helfenden Hände von Studienkollegen und -kolleginnen mitbringt.

Der Klimawandel macht den Cavallinis im sonnenverwöhnten Tessin zu schaffen. Zum einen schafft er neue Möglichkeiten: Cabernet Sauvignon könne mittlerweile problemlos angebaut werden, erläutert Grazia. Das Fehlen des Regens sorge allerdings für große Probleme. Zum ersten Mal mussten die Cavallinis in diesem Sommer 4000 Rebstöcke wässern. Zwei ganze Wochen Arbeit habe das verschlungen, berichtet sie. Per Hand wurden an jeden einzelne Rebstock sechs Liter Wasser vergossen, das vorher noch zum Hang geschafft werden musste.

Dennoch: Grazias Augen strahlen. Sie spricht vom ungefilterten Naturwein, der produziert wird und den Wanderführer Antonio, der eigentlich Architekt ist, den „Wein seiner Jugend“ nennt. Neben der Produktion von klassischen Weinen experimentieren sie mit Bio-Weinen, auch mit einer veganen Variante, bei der selbst der Kompost vegan ist. Bei der traditionellen Weinherstellung werden zur Klärung tierische Eiweiße eingesetzt. Im Bio-Anbau dürfen im Winter Hühner die Schädlinge vom Boden picken - neue Ideen im Familienunternehmen. Zum Wein in der Weinlaube im Garten reicht Grazia selbst gemachten Zincarlin, den gepfefferten Käse aus dem Muggiotal, der während der Produktion täglich mit Weißwein eingerieben wird.

Grazia Cavallini liebt ihre Region und berichtet über den Weinbau vor Ort.
Foto: Angelika Stalla

Die Cavallinis sind im Mendrisiotto nicht das einzige Familienunternehmen in Sachen Wein. Wer sich auf die „Bike and Wine“ Tour mit Weinhändelr Carlo Crivelli begibt, probiert nicht nur zahlreiche Weine des Mendrisiottos sowie Schinken, Salami und Käse der Region. Er erfährt auch die Geschichten, die hinter dem Wein aus den kleinen Weingütern stehen, lernt die Produzenten kennen. Tour-Guide Carlo Crivelli brennt für seine Region, die so nahe an der Autobahn in Richtung Süden liegt, dass sie gerne vergessen wird. Er scheint jeden zu kennen und stellt Bezüge zur lokalen Geschichte her, in der es oft um Wein, aber auch um Kaffee, Architektur und den ehemaligen Zementabbau in der Region geht.

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Piermarco Soldini und Pierwalter Trapletti etwa trifft man in Cladrerio. Im Jahr 2017 haben die beiden Hobbywinzer einen echten Coup gelandet. Mit den Händen in den Hosentaschen stehen sie da und können sich das Grinsen nicht verkneifen. Wie viele andere aus der Gegend haben sie bei der Bahn beziehungsweise auf dem Rangierbahnhof in Chiasso gearbeitet, in Schichtarbeit, oft nachts. Das ließ ihnen tagsüber Zeit, um einen Weinberg zu bewirtschaften und einen eigenen Wein zu produzieren. Einen ihrer Weine haben sie 2017 dann eingereicht, um ein Urteil zu bekommen. Und das schlug ein. Ihr „Merlot Barrique Ticino Doc 2012“ wurde 2012 zum weltbesten Merlot gekürt, siegte beim Wettbewerb „Mondial du Merlot“. Die Urkunde – und die Urkunde für weitere Preise - hängt jetzt im Weinkeller der „Piccola Vigna“ in Caldrerio, in der die beiden Männer, die nicht nur befreundet, sondern auch verschwägert sind, ihre Weine zum Probieren anbieten, Hände in den Hosentaschen. Was weiter passierte? „Dann haben sie so gefeiert, dass wohl keiner den Pokal eingepackt hat“, sagt Weinhändler Carlo Crivelli. Denn der kam nie in Caldrerio an. „Vielleicht wurde er auf der Zugfahrt gestohlen“, mutmaßen die Hobbywinzer. Wissen tut das keiner mehr. Eines ist sicher: Auf dem beschaulichen Gut ging es erstmal dann richtig rund, die Nachfrage nach dem Wein stieg rasant. Darin erinnern sich wieder alle.

Die Hobbywinzer Piermarco Soldini und Pierwalter Trapletti haben einen Coup gelandet und den Preis für den weltbesten Merlot bekommen.
Foto: Angelika Stalla

Die meisten der Weine, die von den kleinen Weingütern im Mendrisiotto produziert werden, verlassen die Schweiz nicht. Sie werden an Freunde verkauft, an Restaurants oder auch Touristen aus der Schweiz, die im Tal Halt machen. So ist das auch bei Mauro Ortelli, der ja eigentlich Buchhalter ist, jedoch bald andere Vorstellungen vom Leben hatte. Er wechselte auf eine Fachschule für Weinbau und gründete in Corteglia den Betrieb „I Trii Pin“, den er zunächst im Nebenerwerb bewirtschaftete. Mittlerweile haben die Söhne die Bewirtschaftung der fünf Hektar Reben übernommen und Mauro Ortelli präsentiert die Weine, im korrekten Karohemd und detailverliebt. In diesem Jahr hat die Ernte bereits begonnen, früher als sonst. So heiß sei es auch noch nie gewesen, erläutert er. Außerdem habe es zu viel wenig geregnet.

Mauro Ortelli, der ehemalige Buchhalter, informiert detailverliebt über seine Weine.
Foto: Angelika Stalla

Für das südliche Tessin brennen jedoch nicht nur die Weinbauern. Ganz am Ende des Muggiotales, auf 900 Metern Höhe, soll ein ganzes Dorf „gerettet“ werden. Nur mehr 15 permanente Einwohner zähle Scudellate derzeit. Ein „Albergo Diffuso“, ein „verstreutes Hotel“ soll hier entstehen und den Ort, der ganztägig von der Sonne bestrahlt wird, am Leben halten. Den Anstoß gab Oscar Piffaretti, dessen Eltern 52 Jahre lang das Dorfrestaurant Manciana führten, das seiner Familie „seit immer“ gehört, wie er sagt. Die Osteria Manciana dient bereits jetzt als Rezeption für die „Albergo Diffuso“, Speisesaal und Mini-Hotel mit zwei Gästezimmern. Gegenüber liegt das ehemalige Schulhaus Dorfes, das später als Jugendherberge diente und mittlerweile umgebaut und als Teil der „Albergo Diffuso“ Gruppen und Familien Unterkunft bietet. Das Haus nebenan wird zum „Bed & Breakfast“ umgebaut, Claudio Zanini, gleichzeitig Präsident des Stiftung für den Schutz des oberen Muggiotal, führt stolz durch seine Baustelle und malt die Erschließung des Ortes durch elektrisch betriebene Shuttles, die Anlage eines Gartens und natürlich auch Weinberges aus. Er selbst ist überzeugter Tesla-Fahrer. Im Moment kommen vor allem Rennradfahrer im Ort an – und die müssen dieselbe Strecke zurück, da die Straße endet. Die Kehren vor dem Dorf sind so eng, dass der Minibusfahrer zurücksetzen musste. Von hier oben geht es nur zu Fuß weiter, Richtung Monte Generoso, dem höchsten Gipfel der Region, oder Richtung Italien. Von dem Weg nach Italien erzählt Claudio Zanini aus den alten Zeiten, als der Schmuggel von Zigaretten, aber auch Reis, eine wichtige Einnahmequelle im Dorf war. Wenn im alten Zollhaus die Lichter ausgingen, dann starteten die Männer zur nahen italienischen Grenze, die Schuhe eingehüllt in eigens gefertigte Jute-Überzüge. Die Bilder hängen noch immer im alten Schulhaus. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

In Scudellate im Muggiotal auf 900 Metern Höhe entsteht ein „Albergo Diffuso“. Die letzten Kehren zum Dort sind eng.
Foto: Angelika Stalla

Kurz informiert

Anreise Mit der Bahn über Zürich durch den Gotthardtunnel nach Chiasso.

Übernachten Das Conca Bella Boutique Hotel & Wine Experience in Vacallo offeriert 17 Zimmer, alle unter dem Leitmotiv Wein. Der zum Hotel gehörende Weinkeller mit mehr als 4000 Etiketten ist eine Fundgrube für Weinkenner.

Freizeit Mendrisiotto Terroir (Balerna) bietet Bike & Wine-Touren an. Die Tour beinhaltet Verkostungen bei unterschiedlichen kleinen Weinbauern. Im Museo Etnografico della Valle di Muggio in Cabbio erfährt man vieles, unter anderem über alte Kühlhäuschen und die Vogelfängertürme in der Region.

Nahverkehr Wer im Hotel oder auf dem Campingplatz übernachtet, erhält das Ticino Ticket, mit dem der gesamte öffentliche Nahverkehr im Tessin frei genutzt werden kann.

Allgemeine Informationen www.MySwitzerland.com oder www.ticino.ch

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