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Ist Albanien noch ein Geheimtipp? Mit dem Camper unterwegs in einem spannenden Land

Albanien

Mit dem Wohnmobil durch Albanien: Gibt es noch Geheimtipps? Was erfahrene Urlauber raten

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    Platz wird an der albanischen Küste nicht verschenkt. Immer häufiger steht an schönen Plätzen eine Sonnenliege eng an der nächsten.
    Platz wird an der albanischen Küste nicht verschenkt. Immer häufiger steht an schönen Plätzen eine Sonnenliege eng an der nächsten. Foto: Andreas Kornes

    Eines der letzten Abenteuer Europas soll es sein, mit dem Camper durch Albanien zu reisen. Steht im Internet. Ein Bekannter fragt, wie wir wieder heimkommen wollen, wenn unser VW-Bus gestohlen wurde. Drei Wochen später steht da aber die Erkenntnis, dass man nicht alles glauben sollte, was geschrieben oder gesagt wird. Albanien ist so viel mehr als nur wild oder gar gefährlich. Es ist ein Land der Gegensätze. Traumhaft schön und vermüllt, schroff und freundlich, unkompliziert und chaotisch, immer wieder überraschend, spannend und meist auch gar nicht abenteuerlich. Doch (noch) reicht es, sich ein paar Meter von den Touristenströmen zu entfernen, um zumindest ein kleines Abenteuer zu finden - sei es nur eine staubige Gebirgsstraße voller Schlaglöcher, auf der hinter jeder Kurve ein Esel, ein paar Schafe oder Ziegen lauern könnten.

    Der Massentourismus sei in Albanien angekommen

    Helga und Günter kommen aus Österreich und fahren mit ihrem kleinen Wohnmobil seit über vielen Jahren regelmäßig auf dem Landweg nach Albanien. Früher, sagt Helga sinngemäß, war alles besser. Denn da gab es noch keine anderen Helgas und Günters in Albanien. Da war es einsam und ursprünglich. Doch inzwischen habe der Massentourismus auch das Land zwischen Montenegro und Griechenland erreicht, inklusive all seiner Begleiterscheinungen, sagt Helga. Günter nickt und zieht sich einen Stützstrumpf übers malade Knie. An manchen Küstenorten fühlt sich das dann an, als sei man in Riccione gelandet. Eine Strandliege reiht sich an die nächste, Musik dröhnt aus mannshohen Boxen, dahinter drängeln sich Hotels, Pools, Bars, Eisdielen und Ramschläden.

    Manchmal werden durch albanische Campingplätze Ziegen geschickt.
    Manchmal werden durch albanische Campingplätze Ziegen geschickt. Foto: Andreas Kornes

    Wer das vermeiden will, reist meist mit der Fähre an. Von Ancona nach Durrës ist eine der beliebtesten Verbindungen. Rund 16 Stunden dauert die Überfahrt. In den kleinen Kabinen lässt sich gut nächtigen, die restliche Zeit ve rgeht zügig an Deck vorbei, inklusive erstem Sonnenbrand. Kaum in der wimmeligen Hafenstadt angekommen, spuckt das Schiff dutzende Wohnmobile, VW-Busse und sonstige Gefährte mit eingebauter Übernachtungsmöglichkeit in den Straßenverkehr.

    Lange war Albanien abgeschottet vom Rest der Welt

    Lange war Albanien abgeschottet vom Rest der Welt. Enver Hoxha hatte 1946 die Sozialistische Volksrepublik Albanien ausgerufen und war bis 1985 Staats- und Parteichef. Nach und nach wandte er sich in dieser Zeit von Jugoslawien, der Sowjetunion und China ab. Stattdessen igelte er sein Land ein. Aus Angst vor einer Invasion ließ er rund 200.000 Betonbunker bauen. Noch heute prägen diese Bauwerke die Landschaft. Gleichzeitig bröckelten die Straßen. Autos waren den Reichen und Privilegierten vorbehalten. Bis heute, so heißt es, seien die Albaner deshalb schlechte Autofahrer. Dieses Vorurteil ist schnell entkräftet, der Verkehr fließt entspannt und einigermaßen gesittet. Nur die allgegenwärtigen Kreisverkehre können anfangs herausfordernd sein. Augenscheinlich richtig ist, dass Albaner und auch Albanerinnen einen Hang zu großen deutschen Luxuskarossen haben. Wer was auf sich hält, fährt die Marke mit dem Stern.

    Ein paar Tage später treffen wir einen Münchner, der mit seinem Fahrzeug auch die Zombie-Apokalypse aussitzen könnte. Solarzellen, Wasseraufbereitung, mobile Toilette, Allradantrieb, hoher Radstand, Unmengen an Pferdestärken, Ersatzreifen und was man sonst so alles braucht. Er wolle weiter nach Georgien, sagt der laut Selbstbeschreibung erfolgreiche Geschäftsmann im Vorruhestand. Dort gehe es noch richtig wild zu, da müsse man auf alles vorbereitet sein.

    Ein Lagerfeuer im Flussbett: So haben wir uns Albanien vorgestellt

    Wir sitzen im weitgehend ausgetrockneten Flussbett des Osum im Süden des Landes, das Lagerfeuer knistert, als der Münchner erzählt. Es ist in diesem Moment genau so, wie wir uns Albanien vorgestellt haben, denn dort ist es (noch) erlaubt, sich mit seinem Camper einfach irgendwo hinzustellen und zu übernachten. Die Anfahrt in den Canyon mit seinen dramatischen Steilwänden war mühsam, die gewundene Gebirgsstraße eng und löchrig. Ende August herrscht in Albanien tagsüber brütende Hitze. Unser VW-Bus (ohne erhöhten Radstand und sonstige Besonderheiten) stößt fast an seine Grenzen, als es eine steile Böschung hinunter ins flache Flussbett geht. Dann aber stehen wir irgendwo im Nirgendwo. Ausstelldach hoch, Sonnensegel und Campingstühle raus. Fertig. Der Bach plätschert freundlich und als die Sonne untergeht, entfaltet sich über unseren Köpfen ein spektakulärer Sternenhimmel. Zwei streunende Hunde liegen knapp außerhalb des Flammenscheins und dösen. Irgendwo heulen Goldschakale. In den weiter entfernt liegenden, unberührten Bergregionen treiben sich auch Wölfe und Braunbären herum. Der Münchner reicht solarstromgekühltes Bier.

    Immer wieder bietet die Küste von Albanien traumhafte Ausblicke.
    Immer wieder bietet die Küste von Albanien traumhafte Ausblicke. Foto: Andreas Kornes

    Plätze wie diese seien selten geworden, wird Helga später mit tiefem Bedauern in der Stimme sagen. Wir treffen sie erst gegen Ende unserer dreiwöchigen Reise. An die meisten Geheimtipps haben geschäftstüchtige Einheimische längst Imbissbuden gebaut - so auch im Osum-Canyon. Nur, wer sich mit geländegängigen Fahrzeugen tief ins Hinterland wagt, werde noch mit echter Einsamkeit belohnt. Günter nickt.

    Die Strände sind größtenteils steinig in Albanien

    Seine strahlende Schönheit zeigt Albanien an der Küste. Im Südwesten des Landes schwappt das ionische Meer an die größtenteils steinigen Strände. Aus dem dunklen Blau weiter draußen wird zum Ufer hin ein traumhaftes Türkis. Viele Campingplätze liegen entweder direkt am Strand oder nur einen kurzen Fußmarsch entfernt. Von der leicht versetzt verlaufenden Küstenstraße führen immer wieder kleine Stichstraßen zum Meer hinunter. Nicht immer ist sicher, dass diese auch tatsächlich zum Ziel führen. Anfang September ist die Urlaubssaison weitestgehend vorbei, auf den meisten Plätzen stehen nur noch vereinzelte Wohnmobile. Eine perfekte Zeit, um auch in die lange Geschichte Albaniens einzutauchen. Das Land ist reich an Zeugnissen der Antike. Am bekanntesten: die Ruinenstadt Butrinit, wohin jeden Tag zahllose Touristenbusse fahren.

    Einsamer geht es in Apollonia zu. Unsere App behauptet, dass es in unmittelbarer Nähe einen Campingplatz geben soll. Vorsichtig tasten wir uns einen Feldweg entlang. Es ist früher Abend, die Zikaden singen ihr endloses Lied. Hinter der nächsten Kurve wartet eine Wiese, säuberlich in Parzellen unterteilt. Auf jeder sind eine Steckdose und ein Wasserhahn montiert. Am hinteren Ende steht ein (überraschend sauberes) Toilettenhäuschen inklusive Dusche und WLAN-Router. Ein junges Paar aus Norddeutschland, mit dem Rad nach Griechenland unterwegs, hat ein Mini-Zelt aufgebaut. Am Abend fährt noch ein riesiger Camping-Truck vor, natürlich auch aus Deutschland. Ansonsten herrscht Einsamkeit. Der Besitzer wolle nachher noch vorbeischauen, sagen die beiden Radfahrer. Eine Stunde später schlendert Vaso zu unserem Bus und bringt Trauben mit. 15 Euro verlangt er für die Übernachtung und hat auch noch einen Tipp parat. Wenn wir zu Fuß nach Apollonia hinaufgehen, kommen wir von hinten über einen Trampelpfad auf das Gelände der antiken Ruinenstätte. Ist ein bisschen schwer zu finden, sagt Vaso. Aber Eintritt kassiert dort keiner. Die Information ist korrekt, wie wir am nächsten Tag feststellen.

    Viele gesichtslose Neubauten entstehen derzeit an der albanischen Küste.
    Viele gesichtslose Neubauten entstehen derzeit an der albanischen Küste. Foto: Andreas Kornes

    An der Küste Albaniens schießen Hotels aus dem Boden

    Albanien verändert sich rasant, sagen nicht nur Helga und Günter. An der Küste schießen Hotels aus dem Boden und ziehen Touristenströme an. Vielen Pauschalreisenden gilt Albanien als günstige Alternative zum benachbarten Griechenland. Doch noch hat sich das Land einen ganz besonderen Charme bewahrt. Das hat viel mit dem beeindruckenden Pragmatismus seiner Menschen zu tun. Kein Problem, das nicht mit einem Lächeln wegorganisiert werden könnte. Kein Geschäft, das zu klein ist, um es nicht zu machen. Da wird die Ziegenherde quer über den Campingplatz, zwischen Zelten, Wohnmobilen und verdutzten Touristen am Frühstückstisch hindurchgetrieben, wenn das Ziel auf der anderen Seite liegt. Wer ein bisschen Platz im Hof übrig hat, bietet diesen gern als Campingplatz für ein paar Euro an, Strom- und Familienanschluss inklusive. Einen guten Kaffee bekommt man überall. Und irgendjemand spricht fast immer Englisch, oft auch Deutsch. Albanien, wir kommen wieder, sagt Helga. Günter nickt.

    Infos für Camper in Albanien

    Anreise: Am entspanntesten ist die Anreise mit eigenem Fahrzeug auf einer Fähre. Diese starten in Italien von Bari, Ancona oder Brindisi. Die längste Fahrtzeit fällt mit rund 16 Stunden auf der Strecke von Ancona nach Durres an. Natürlich ist Albanien auch auf dem Landweg erreichbar. Von Bayern nach Durres beträgt die Strecke rund 1400 Kilometer.

    Übernachten: Camping ist in Albanien sehr unkompliziert. Grundsätzlich ist Wildcampen erlaubt. Es gibt inzwischen aber auch viele Campingplätze, die teilweise direkt am Strand platziert sind. In den Städten vermieten oft auch Privatleute kleine Grundstücke als Stellplatz. Verschiedene Camping-Apps oder auch Google-Maps verraten, wo. Eine Übernachtung kostet durchschnittlich 15 Euro, die Preise können sich aber stark unterscheiden und in der Nebensaison auch günstiger sein.

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