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Nationalpark Eifel
20.04.2022

Willkommen in Monschau, der Heimat der „Eifelpraxis“

Fachwerkhäuser – eines schöner als das andere – reihen sich in dem Eifelstädtchen entlang des Flüsschens Rur, das mitten durch Monschau plätschert.
Foto: Lilo Solcher

Vielen ist die hübsche Fachwerkstadt aus der Fernsehserie ein Begriff. Der Ort hat eine spannende Geschichte – und die Bürger geben zu allem gerne ihren Senf dazu.

Ganz im Westen Deutschlands liegt ein Städtchen wie aus einer Filmkulisse. Fachwerk- und Schieferhäuser reihen sich in Monschau entlang der Hauptstraße, und – wie es sich gehört – steht eine mächtige Kirche mitten im Ort, den die Burg Monschau krönt. Die engen Gassen mit dem alten Kopfsteinpflaster sind für den Durchgangsverkehr gesperrt. Doch, auch wenn hier 300 Häuser unter Denkmalschutz stehen, ist Monschau, das bis 1918 Montjoie hieß, kein Freiluftmuseum, sondern ein höchst lebendiges Städtchen.

Auch von oben wie eine Filmkulisse. Tatsächlich war Monschau das auch unter anderem für den „Tatort“, die Krimiserie „Schimanski“ oder auch den TV-Zweiteiler „Die Stadt im Tal“. Und literarisch hat der Autor Steffen Kopetzky erst im vergangenen Jahr den Ort und seine Geschichte im Bestseller „Monschau“ (Rowohlt, 352. Seiten, 22 Euro) verarbeitet. Eine Verfilmung steht an …
Foto: Jonas Güttler

An diesem Tag ist eine Filmcrew unterwegs, die wohl für die ARD-Serie „Die Eifelpraxis“ wieder mal Monschauer Atmosphäre einfängt. Und dazu gehören auch die Flüsschen Laufenbach und Rur. Einst waren sie Treiber des Monschauer Wohlstands, trieben Mühlen an und sorgten für die nötige Energie.

Textilien brachten Monschau einst Reichtum und Ansehen ein

Weltberühmt waren die feinen Tuche aus Monschau, die im Orient ebenso Furore machten wie im Zarenreich. Johann Heinrich Scheibler hieß der Textilfabrikant, der mit seinem Unternehmergeist dem Städtchen nicht nur Weltruhm und den Monschauern Arbeit verschaffte, sondern sich selbst mit einem luxuriösen Wohn- und Geschäftshaus ein architektonisches Denkmal setzte. Heute ist das Rote Haus mit seiner frei tragenden Wendeltreppe aus Eichenholz Museum.

Scheiblers Neffe Mathias Peter Wolfgang Troistorff, ebenfalls Tuch-Fabrikant, wollte da nicht nachstehen und ließ sich nach dem Vorbild der Stadthäuser des Adels ein prunkvolles Wohnhaus mit repräsentativer Freitreppe errichten. Das „Tapetenzimmer“ im Haus Troistorff ist heute beliebte Kulisse für Trauungen – und am Hochzeitsbaum vor der Freitreppe können sich frisch verheiratete Paare ein Glasblatt sichern.

In Monschau wird Genuss groß geschrieben

Schon seit langer Zeit freilich spannen keine Tuchmacher mehr ihre Tuche auf dem Rahmenberg, beschmutzen keine Färber mehr das Flusswasser, und die Bäche treiben auch keine Mühlen mehr an. Monschau hat sich neu erfunden – für die Touristen. Und die kommen in Scharen in den beschaulichen Luftkurort am Rand des Hohen Venn. Zum Wandern auf dem Eifelsteig oder zwischen den sechs Dörfern, die 1972 eingemeindet wurden. Zu Stadtspaziergängen auf den Spuren der Tuchmacher aber auch zum Schauen und Genießen. Denn Genuss wird hier groß geschrieben.

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Durch die Altstadtgassen zieht der Duft von Schokolade und frischem Kaffee. In der historischen „Caffee-Rösterei Maaßen“ werden die Bohnen „geröstet wie früher“. Der Ururenkel des Firmengründers legt Wert darauf, dass alles noch in Handarbeit geschieht, sagt Kirstin Pflegin, die seit 17 Jahren im Laden steht. Die Arabica-Bohnen kommen aus Mexiko, Brasilien und Uganda, denn „jedes Land schmeckt anders“. Für den „handverlesenen“ Kaffee gab es eine Auszeichnung vom Feinschmecker. Und für Schleckermäuler ist das Lädchen auch eine Anlaufstelle. Sie können den „Weißen Elefant“ naschen, eine Kaffeebohne im Schokoladenmantel, oder den Kaffeelikör nach einem alten Familienrezept.

Ruth Breuer ist studierte Soziologin – und Senfmüllerin aus Tradition und Leidenschaft. Die Palette an verfügbaren Senfprodukten unterschiedlicher Hersteller ist ziemlich bunt.
Foto: Lilo Solcher

Man sieht, die Monschauer sind ebenso traditionsbewusst wie einfallsreich, wenn es um das Thema Genuss geht. Der berühmteste „Genussbotschafter“ ist aber kein Monschauer Bürger, sondern der „Moutarde de Montjoie“. „Den Senf dazu geben“, das hat bei Ruth Breuer eine ganz wörtliche Bedeutung. Die 58-Jährige ist seit neun Jahren Geschäftsführerin der traditionsreichen Monschauer Senfmühle und Genussbotschafterin der Region Eifel. Und Senf gehört ihrer Meinung nach zu jedem Genuss dazu. 30 Kilogramm Senf isst ihre Familie im Jahr – zu dritt. Echte Gesundheitsvorsorge ist das laut der Senfmüllerin, schließlich hätten „alle Familienmitglieder ein hohes Alter erreicht“. Womöglich auch dank der Salben und Badeöle mit Senf, die der Urgroßvater hergestellt hat.

Die Karriere ist der energischen Monschauerin quasi in die Wiege gelegt worden. Der Ururgroßvater Clemens August hat den Familienbetrieb im beschaulichen Städtchen gegründet. Die Ururgroßmutter Mathilde mörserte das Senfmehl, er zog mit Handwagen und im Winter mit dem Hundeschlitten zum Verkauf. Später leistete man sich ein Pferd. Bei Urgroßvater Emil war es dann schon ein Horch-Lastwagen mit Fahrer. An der Ahr konnte er zu seiner Zeit Wein gegen Senf tauschen. Ruth Breuer erzählt gern aus der Geschichte der Senfmühle und ihrer Familie. Denn beides blieb immer zusammen – auch in Kriegszeiten. Wie zu Urgroßvaters Zeiten zermahlen auch heute 400 Kilogramm schwere Mühlsteine aus Eifler Basalt die Maische aus Senfmehl, Wasser, Essig und Gewürzen – im klassischen Kaltmahlverfahren. „Für uns muss Senf nach Senf schmecken“, sagt Ruth Breuer. Beim industriellen Verfahren mit Metallplatten gingen ätherische Öle verloren und müssten nachgewürzt werden. Industriesenf eben.

Touristen schwärmen vom Senf aus Monschau

Als ihr Vater Guido die Senfmühle 1981 übernahm, schien die Konkurrenz der Großproduzenten übermächtig. Doch der kleine Familienbetrieb ließ sich nicht unterkriegen. Guido Breuer experimentierte mit ausgefallenen Mischungen wie dem Ingwer-Ananas-Senf „mit einem Hauch von Banane“. Mehr als zwanzig Senfsorten hat er entwickelt. Nicht alle waren erfolgreich, aber Ruth Breuer hat seine Experimentierfreude geerbt und wagt sich auch an Außergewöhnliches wie „Backen mit Senf“. Es mache ihr Spaß „sich auszutoben“, gesteht sie lachend. Immerhin gibt es inzwischen 50 Kuchenrezepte, darunter eine Tarte au Citron mit Limonensenf. Und so manche Idee bringt die Senfmüllerin auch aus dem Urlaub nach Hause. Sie schwärmt von der spanischen Mojo oder der französischen Aioli wie Touristen in Monschau von ihrem Senf schwärmen.

Im kleinen Laden gibt es auch „Senfella, unsere Antwort auf Nutella“, eine Schokocreme mit Chili-Senf, und Senf-Gin. Die Ideen scheinen der umtriebigen Chefin nicht auszugehen. „Man muss es mit dem Herzen machen“, sagt sie. Auch wenn die Senfmühle nicht mehr am alten Standort produziert, da, wo das alte Wasserrad die Mühle antrieb, ist am neuen Standort im Laufental doch alles noch so wie zu Ururgroßvaters Zeiten. Denn der war schon 1896 zur Dampffabrikation übergegangen. „Das Motorchen“ von ehedem funktioniert noch heute. Und die Ururenkelin ist stolz darauf – aber auch besorgt. „Hier darf eigentlich nichts kaputt gehen“, erklärt sie, „weil es keinen Ersatz gibt“. Als einer der schweren Mahlsteine zerbrach, fanden die Breuers mit Mühe einen neuen. Nur deshalb können sie ihren Senf nach alter Tradition produzieren.

Monschau, ein Städtchen wie aus einer Filmkulisse

Wie alles funktioniert, erfahren Besucher direkt vor Ort, denn die Senfmühle ist ein „produzierendes Museum“. Und Kindern erklärt die Senfmaus Emil, wie sie am besten ihren Senf dazugeben. Da ist die studierte Soziologin ganz in ihrem Element. Doch noch ist nicht alles wieder so, wie es sich Ruth Breuer wünschen würde. Weil im Hochwasser-Sommer die Flutwelle des nur scheinbar so harmlosen Laufenbachs auch die Senfmühle getroffen hat, zog der kleine Spezialitäten-Laden in die Räume des Restaurants. Das „Schnabuleum“ werde wohl erst im Sommer wieder öffnen können, fürchtet die Unternehmerin.

Sonst hielten sich die Hochwasserschäden in der Monschauer Altstadt in Grenzen, auch wenn einige Keller vollgelaufen waren und der Bach das Kopfsteinpflaster der Laufenbachstraße zerstört hatte. Das meiste wurde zügig repariert. Und so wirkt Monschau in diesem Frühjahr wieder wie ein Städtchen aus einer Filmkulisse.

Kurz informiert

Anreise Monschau ist nahe der belgischen Grenze. Mit dem Auto kommt man am besten über die Autobahn A 44, Abfahrt Lichtenbusch, dann links auf die L 233 Richtung Monschau. Der nächste Bahnhof ist in Aachen.

Achtung: Die Innenstadt ist weitgehend autofrei, geparkt wird auf ausgewiesenen Parkplätzen.

Übernachten Es gibt reichlich Übernachtungsmöglichkeiten, schön kuschelig ist das Hotel Alt Montjoie im Herzen der Stadt: https://www.alt-montjoie.de

Rotes Haus Das Museum in der Laufenstraße 10 ist bis 1. April geschlossen: www.rotes-haus-monschau.lvr.de/

Senfmühle Laufenstr. 118, Tel. 02472/2245, E-Mail: info@senfmuehle.de, www.senfmuehle.de

Informieren Monschau Touristik GmbH, Stadtstraße 16, Tel. 02472/80480, Internet: www.monschau.de

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