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Selenskyj stellt Landsleute auf harten Winter ein
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Reisereportage
03.11.2022

Unterwegs mit dem Wackelzug auf Korsika

Gut 130 Jahre alt ist die Schmalspurbahn auf Korsika.
Foto: Stephan Brünjes

Wer Korsika wirklich erfahren möchte, muss mit dem „Zitternden“ reisen – einer Schmalspurbahn, die quer über die Insel über Viadukte schaukelt.

Kann ein Eisenbahn-Triebwagen einen Infarkt bekommen? Ja, der X 97050 bestimmt, da waren sich die Fahrgäste sicher. Sein Diesel-Herz ächzte und quietschte, stöhnte und schnaufte den steilen Schienenstrang über Korsikas zentralen Gebirgsrücken hoch, ließ alle Waggons dabei von links nach rechts und wieder zurückschaukeln, jedes Mal haarscharf an den braunen Felswänden der Schlucht vorbei, durch die sich der silberne Zug gerade quälte. „U Trinighellu“ nennen die Korsen daher ihren Schmalspurzug – „der Zitternde“. Auch heute noch, obwohl Triebwagen X 97050 nur noch ab und zu auf Nebenstrecken rattert und fast überall durch moderne Loks ersetzt ist, mit komfortablen, klimatisierten Waggons dahinter – Polstermöbel-Komfort statt Holzklasse.

Gut 20 Minuten nach dem Start wackelt dieser S-Bahn-ähnliche Lindwurm nun schon Richtung Norden. Immer wieder springen Mitreisende von ihren Sitzen auf, stoßen verzückte „Ahs“ und „Ohs“ aus, sei es, weil der Zug durch ein Waldstück fährt, das wie ein grüner Tunnel anmutet, sei es, weil eines dieser atemberaubenden korsischen Gebirgspanoramen auftaucht. Faszinierend für den weit gereisten amerikanischen Globetrotter und die deutsche Familie, ebenso wie für das junge spanische Liebespaar, das alle paar Minuten statt tief in braune Augen lieber ins tief zerklüftete rot-braune Tal des Gravona-Flusses blickt.

Mehrmals pro Tag kämpft sich der Zug durch Korsika

Mehrmals pro Tag kämpft sich diese außergewöhnliche Bahn über die Insel, von der Hauptstadt Ajaccio an der Westküste nach Bastia an der Ostküste und umgekehrt, pro Strecke sind es 232 Kilometer. 1888 ging´s los – mit dem Bau der ersten Teilstücke. Ein paar Jahre später scheint – abseits der Bahn – stellenweise die Zeit stehengeblieben zu sein, bis heute. Im Geisterbahnhof Ucciani etwa. „Ja, wir halten hier, sagt Pendler Jean, aber eingestiegen ist hier schon lange keiner mehr.“

Dabei führen von hier aus abenteuerliche Wanderwege in die Macchia, den bis zu sechs Meter hohen korsischen Dschungel aus dornigem Gestrüpp, Farnen, textmarker-gelbem Ginster und knorrigen Steineichen. Ein bisschen Weihrauch, ein wenig Fichtennadelschaumbad, Minze und Rosmarin – dieses Duftgemisch steigt aus der Macchia auf.

Die Macchia war eine Heimat der Banditen

Sie war früher Heimat von allerlei zwielichtigen Gestalten: „Hat jemand einen Menschen getötet, so gehe er in die Macchia und er wird mit einer guten Flinte, Pulver und Kugeln in Sicherheit leben“ – so beginnt die Novelle über den korsischen Banditen Mateo Falcone. Verbrecher und korsische Unabhängigkeitskämpfer tauchten tatsächlich in diesem Urwald unter und gelegentlich für kurze Zeit als bewunderte Ehrenmänner in Bergdörfern wieder auf.

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Heute streunt vor allem eine andere, gefährliche Gangster-Gattung durch die korsische Macchia: Brandstifter. Um Weideland zu gewinnen oder Land leichter verkaufen zu können, fackeln sie im Sommer schon mal ganze Bergrücken ab.

Plötzlich, hinter dem Ort Ucciani, wird der „Zitternde“ zum Sprinter, läuft bergab mit 60 Stundenkilometern zu Hochform auf, saust durch kurvige Schluchten schnurstracks zum nächsten Bahnhof Bocognano. Wo der Zug offenbar dringend eine Verschnaufpause braucht: Minutenlang geht´s nicht weiter. Denn Bocognano ist einer von wenigen Haltepunkten, an denen sich zwei Inselbahnen begegnen können. Also warten, bis die Zitterbahn aus Bastia durch ist. Und das kann dauern. Die Passagiere vertreten sich derweil ihre Beine auf dem Bahnsteig und bestaunen einen verrosteten, meterhohen XXL-Wasserhahn zwischen den Gleisen – ein Relikt aus alten Dampflok-Zeiten.

Bocognano ist das Ziel vieler Wanderer

Eine Gruppe Rucksacktouristen verabschiedet sich in Bocognano, macht sich auf den Weg zu den nahe gelegenen „Brautschleierwasserfällen“, mitten in einem Naturpark gelegen. Das 150 Meter hohe, beeindruckende Schauspiel muss man sich allerdings erarbeiten: auf Wanderwegen, die teilweise durch fast verlassene Dörfer führen.

Villanova zum Beispiel, das nur einmal alle paar Tage aus dem Tiefschlaf erwacht – immer, wenn Pierre mit seiner „Rollenden Metzgerei“ kommt – Essen auf Rädern sozusagen. Einen Fleischerladen gibt es in dem Örtchen schon lange nicht mehr, deshalb strömen die Dorfbewohner, überwiegend ältere Frauen in Kittelschürzen, auch heute zu dem weißen, verbeulten Kleinlaster, sind froh, mit Pierre ein kleines Schwätzchen halten zu können und decken sich dabei mit typisch korsischen Figatelli-Schweineleber-Würsten ein.

Der Zug dient der auch vielen Wanderern als Zubringer zum Ausgangspunkt ihrer Tour.
Foto: AdobeStock

Der Inselzug hat endlich grünes Licht in Bocognano, zuckelt weiter und wird zum „Lärmenden“, klingelt vor jeder Kurve und hupt vor jedem der insgesamt 29 Tunnel. Vier Kilometer misst der Längste. Der Tunnel durchschneidet das Massiv des 2389 Meter hohen Monte d‘Oro und war bei der Eröffnung 1892 längster Eisenbahntunnel Europas. Plötzlich, das Licht am Ende ist schon zu sehen, schimpft Marc, der bis dato coole Zugführer, und hupt wie ein Besessener. Fahrgäste springen auf und sehen gerade noch, wie zwei Rinder vor dem herannahenden silbernen Ungetüm aus dem schattigen Tunnel hoch auf die Böschung kraxeln, gerade noch so eben der tödlichen „Kuh-lision“ entkommen.

Eben noch in felsigen Riesen-Rinnen unterwegs, ist der Zug nun inzwischen auf 900 Meter Höhe hochgeklettert und rollt durch den schattigen Bergwald bei Vizzavona. Hierher, in die Sommerfrische der Berge, zogen sich betuchte Bürger von Ajaccio zurück, wenn der heiße Scirocco-Wind von Afrika kommend die Insel in einen Backofen verwandelt.

Vizzavona war Rückzugsort der Betuchten aus Ajaccio

Vom Belle Epoque-Luxus zeugen noch die Ruine des Grand Hotels de la Foret und über hundertjährige, elegante Waldvillen am Wegesrand. Ein paar Schritte weiter ein Holzschild: GR 20 steht drauf. Grand Randonnée, Korsikas bekanntester Fernwanderweg kreuzt hier, er durchzieht die Insel von Nord nach Süd und streift auf seinen mehr als 200 Kilometern viele Zweitausender. Nichts für Ausflügler, nur für Profis, die sich Proviant eingepackt haben und trittsicher sind.

Noch mal hoch hinaus wagt sich nun auch der „Zitternde“: Hinter dem Örtchen Venaco wartet die Ponte Vecchiu, entworfen von Gustave Eiffel, dem Eiffelturm-Erbauer. Das Viadukt spannt sich in gut 100 Metern Höhe wie ein Schwebebalken über eine Schlucht. Vielleicht ist es besser, dass die Reisenden ihren Zug nicht aus der Ferne auf dieser Hochbrücke sehen können. Die Bahn balanciert förmlich über die Brücke hinweg und sieht dabei aus wie eine Spielzeugbahn in einer Mini-Eisenbahnlandschaft.

Corte ist die heimliche Hauptstadt Korsikas. Das Örtchen ist ebenfalls eine Station auf der Route des „Zitternden“.
Foto: Adobe Stock

Nach zwei Stunden im „Zitternden“ ist das Herz der Insel ganz nah. Nirgendwo ist Korsika korsischer als in Corte. Von hier aus regierte Pasquale Paoli die Insel während der kurzen Unabhängigkeit von 1755 bis 1769. Heimliche Hauptstadt ist Corte bis heute geblieben: Korsisches Radio schallt aus den Bars der zentralen Flaniermeile Cours Paoli, korsisches Kunsthandwerk in den Läden und pikante einheimische Gerichte auf den Speisekarten – etwa der leckere Salat mit Brocciu, einem herzhaften Ziegenkäse, den es nur auf Korsika gibt. Dazu „Pietra“, korsisches Bier mit Macchia-Aroma. Den wahrscheinlich leckersten Kastanienhonig gibt´s in der Rue Vieux Marche 9 bei Jean Marie Chionga. Sein bis unter die Decke prall gefüllter Laden sei das älteste Lebensmittelgeschäft der Welt, behauptet er – eröffnet im Jahre 1800.

Chionga taxiert seine nach Souvenirs stöbernden Kunden und vermutet, sie seien doch bestimmt mit dem „TGV Corse“ gekommen. Das sei der neue Spitzname für den „Zitternden“: Nein, TGV stehe nicht für Hochgeschwindigkeitszug wie in Festland-Frankreich, sondern für „Train à Grande Vibration“: der Wackelzug.

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05.11.2022

"Der Zitternde" mag es heute sein, ich würde den meiner Erfahrung aus den 70ern nach eher als der "Hüpfende und Wackelnde" bezeichnen.
Während der Fahrt sich auf die Toilette zu setzen und auch sitzen bleiben zu können war schlicht nicht möglich, zumindest nicht zwischen Bastia und Corte.
Der Rest ging dann zu Fuß über den Lac de Melo und die Berge nach Ajaccio, ein wirklich phantastische Landschaft mit den verwildernden Hausschweinen und ihren einzelnen dunklen Büscheln am Körper wie die ihrer Verwandten den Schwarzkitteln.
Man tat allerdings gut daran bestimmte Ortschaften als Deutscher zu umgehen, da sie dort als "Kanonenfutter" im WKII immer noch nicht gut zu sprechen waren.
Es waren durchaus ernst zu nehmende Warnungen anderer Einheimischer man könne dort für immer verschwinden.
Ob das heute alles noch so ist kann ich leider nicht mehr beurteilen, vermutlich hat man sich mittlerweile auf Tourismus anders eingestellt.