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Newsticker
Verteidigungsministerin Lambrecht erstmals seit Kriegsbeginn in der Ukraine
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Fernreise
20.09.2022

Sri Lanka, kann man da hinfahren?

Kaum Touristen bei den größten Sehenswürdigkeiten von Sri Lanka, wie dem beeindruckenden Buddha von Dambulla.
Foto: Oliver Helmstädter

Wer nach Sri Lanka reist, trifft auf leere Sehenswürdigkeiten und Menschen, die ihren Optimismus nicht verloren haben. Eine Bayerin hat sich trotzdem ihren Start ins neue Leben anders vorgestellt.

Der „Crocodile Rock“, Krokodil-Felsen, macht seinem Namen an diesem Abend im August keine Ehre. Aber das macht gar nichts. Der zwei Kilometer lange Marsch an den Strand von Arugam Bay zu dem gewaltigen Monolithen lohnt sich auch so. Als die Sonne langsam untergeht, wechseln das knallige Grün des Dschungels sowie das Azurblau des Himmels in verschiedene Erd- und Braun- und Rottöne. Das ist dann die goldfarbene Bühne der Elefanten, die sich in sicherem Abstand aus dem Dickicht wagen.

„Stay Golden“ – frei übersetzt „Golden bleiben“ heißt passenderweise die so ziemlich nächste Unterkunft zum „Crocodile Rock“. Ein paradiesischer Ort, von Krisen geplagt. So wie ganz Sri Lanka. Schlimmer hätte Angelika Hofmeier den Start ins neue Leben auf Sri Lanka kaum erwischen können: Im Juni 2019 öffnete die Regensburgerin zusammen mit ihrem Mann Rhian das kleine Sieben-Zimmer-Hotel in Arugam Bay. Das war schon eine schwierige Zeit auf der Insel. Denn an Ostern 2019 töteten radikalislamische Attentäter an mehreren Orten im Land 253 Menschen. Touristinnen und Touristen blieben erst mal aus. Kaum hatte sich das Land von diesem Schock erholt, kam 2020 die Corona-Pandemie. Erst seit Frühjahr 2022 ist die Einreise in das südasiatische Land wieder ohne Probleme möglich. Nun kam die Staatspleite. Der Inselstaat im Indischen Ozean erlebt die schwerste Wirtschaftskrise seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1948. Und wieder bleiben die Reisenden dem Land fern.

Die Regensburgerin Angelika Hofmeier eröffnete zusammen mit ihrem Mann Rhian das kleine Sieben-Zimmer-Hotel in Arugam Bay.
Foto: Oliver Helmstädter

„Es ging gut los, wir waren so voller Hoffnung“, sagt Hofmeier. Dann fluteten auch in diesem Jahr Stornierungen ihr Postfach. Eine Krise nach der anderen. Aber ans Aufgeben denkt die 35-Jährige nicht. Zu wohl fühlt sich die frühere Unternehmensberaterin in Arugam Bay. Einen Ort an der tamilischen Ostküste des Landes, der einen Ruf als Paradies für Surfer hat. Eine berufliche Auszeit führte die junge Mutter nach Sri Lanka, wo sie dann ihren heutigen Mann Rhian kennenlernte. Ein Zurück ins „normale Leben“ kam dann nicht mehr infrage. Und so machten die zwei das „Stay Golden“ auf.

Reisen innnerhalb Sri Lankas kann Herausforderung sein

„Natürlich ist auch hier nicht alles prickelnd.“ Aber hier in Arugam Bay habe sie die perfekte Mischung gefunden: eine Mischung aus „Input von außen“, der von den Gästen aus aller Welt komme, und der kleinen, selbst geschaffenen Familien-Oase am langen Sandstrand. Abgesehen davon, dass die Preise auf den Speisekarten in US-Dollar angegeben sind, ist die Krise in der Arugam Bay nicht spürbar. Die singhalesische Währung, die Rupie, schwankt so stark, dass der Dollar zu einer Art parallelen Währung geworden ist.

Reisen durch Sri Lanka in Zeiten der Krise kann eine Herausforderung sein. Aufgrund der schwierigen Versorgungslage wird vom Auswärtigen Amt von nicht notwendigen Reisen nach Sri Lanka derzeit abgeraten. Wir reisen trotzdem. Und bereuen es nicht. Im Vorfeld suchen wir den Kontakt zu „Locals“ – wie Angelika Hofmeier, um uns über die Lage im Land zu informieren. Außerdem kennen wir das Land, ein Land das bislang als so etwas wie das einfacher zu bereisende Gegenstück zum nördlichen Indien galt.

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Wie Sri Lanka unter der Treibstoff-Knappheit leidet

Die größte Schwierigkeit für Reisende im krisengeschüttelten Sri Lanka: die Treibstoff-Knappheit. Diese wird gleich bei der Ankunft in Colombo offenbar. Gefühlt über Kilometer ziehen sich in der Hauptstadt die Warteschlangen vor den Tankstellen. Tuk-Tuk an Tuk-Tuk, Laster an Laster. Bootsfahrten durch die Mangroven von Negombo etwa können aufgrund von Treibstoffmangel nicht mehr stattfinden. Auch Busse und Züge fahren zeitweise nicht, doch Ende August hat sich die Lage im Land gebessert. Den Kindern wollen wir die meist überfüllten Busse ohnehin nicht antun. Wie schon bei unseren vier vergangenen Sri-Lanka-Reisen heißt es also: Taxi fahren.

Aufgrund des Treibstoffmangels gibt es in Sri Lanka teilweise kilometerlange Schlangen an den Tankstellen.
Foto: Oliver Helmstädter

In Vorkrisen-Zeiten trug der Tourismus fast 13 Prozent zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung bei. Deswegen versucht der Staat auch in Krisenzeiten diese Quelle nicht gänzlich versiegen zu lassen. Als systemrelevant eingestuft, dürfen so Taxis mit (westlichen) Touristen an Bord an speziellen, eigentlich staatlichen Bussen vorbehaltenen Tankstellen tanken. Mit Naupher, unserem Fahrer, fahren wir so an der Warteschlange vorbei, durch den staubigen Busbahnhof von Kurunegala in die hinterste Ecke. Und tanken. Teuer sind solche Überlandfahrten allerdings geworden: 100 Euro kostet eine dreistündige Fahrt schnell, vor der Krise waren es um die 50.

Auch wenn es in Anbetracht der Notlage zynisch klingen mag: Aus Touristensicht hat die Krise durchaus angenehme Seiten. An Plätzen, an denen sich Besuchende aus aller Welt früher auf die Füße traten, ist es beinah menschenleer. Die bis zu 2000 Jahre alten Höhlentempel von Dambulla entfachen so ihren mystischen Zauber, der schlicht flöten geht, wenn sich die Massen durch die Gänge schlängeln. Den Verkäufern hoffnungslos gewellter und vergilbter Postkarten allerdings ist die Verzweiflung ins zerfurchte Gesicht geschrieben.

Sri Lanka: Die Touristen bleiben aus

Gleiches Bild am wenige Kilometer entfernten Löwenfelsen, einem spektakulären, 200 Meter in die Höhe ragenden Monolithen. Der gehört genauso wie die Höhlentempel zum Welterbe. An diesem Tag im August laufen wir fast alleine die windigen Treppen hinauf. Begleitet von einer Affenbande, die es normalerweise auf die Snacks der Touristen abgesehen hat, heute aber leer ausgeht. Am Fuße des Felsen hat nur die Hälfte der um die 20 Souvenirstände auf. Einsam sitzt der Mann in seinem Karo-Hemd und einem gestreiften Sarong auf dem Sandboden und döst. In seinem Korb hat er eine Kobra, die er gegen Geld „tanzen“ lässt. Zu tun hat er nichts. Die verbliebenen Touristen aus dem nahen Indien scheren sich nicht um Giftschlangen. Die Kokosnuss für einen Dollar findet ab und an Abnehmer. Steinfiguren, Decken und Holzreliefs tragen die Händler den wenigen Reisenden bis zum Parkplatz nach. Ware gibt es viel, Kundschaft kaum.

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Die Ruhe hat den Elefanten Sri Lankas gut getan

Erst Corona, dann Staatspleite: Ihre Ruhe vor Touristen haben seit Jahren auch die vielen Elefanten von Sri Lanka. In den trockenen Monaten Mai bis Oktober versammeln sich bis zu 300 frei lebende Elefanten in den Nationalparks Minneriya und Kaudulla. Das soll die größte Zusammenkunft der Dickhäuter außerhalb von Afrika sein. Hier in den Stauseen, die vor mehr als 1700 Jahren der singhalesische König Mahasena anlegen ließ, finden die Tiere Wasser. Das ist spektakulär. Derzeit seien es außergewöhnlich viele Jungtiere, sagt Samaha. Das Fernbleiben der Touristen sei der Fortpflanzung förderlich. Vor dem Ganzen kutschierte der junge Mann zwei Mal am Tag Urlauberinnen und Urlauber mit seinem indischen Mahindra-Jeep durch die Landschaft, die in ihrer Weite an afrikanische Steppen im Frühling erinnert. Jetzt seien es maximal zwei Safaris pro Woche.

Auch ganz ohne Safari sieht man auf der Fahrt in den Yala Nationalpark immer wieder Elefanten, die die Straße überqueren. Und sogar einen „White Elephant“ – „Weißen Elefanten“. Wie passend. So heißen auf Englisch Investitionsruinen wie der Flughafen Mattala Rajapaksa. Wie aus dem Nichts werden etwa 18 Kilometer nördlich der Hafenstadt Hambantota holprige Landstraßen zu breiten, beinah autofreien Boulevards, bis dann plötzlich ein Flughafen auftaucht, der vielen Singhalesen als Sinnbild für das gilt, was im Land schiefläuft. Viele Millionen hat er gekostet. Volkswirtschaftlichen Nutzen soll er keinen haben. Er wird immer wieder als leerster Flughafen der Welt verspottet.

Sri Lanka Sri Lanka steckt tief in der Krise. Es gibt lange Warteschlangen vor den Tankstellen, dafür sind die kulturellen Sehenswürdigkeiten und die Nationalparks leer. Elefanten und Leoparden sind ungestört.
16 Bilder
Sri Lanka - Bilder aus einem Land in der Krise.
Foto: Oliver Helmstädter


Der Hotelier ist verantwortlich für 3200 Beschäftigte

Durch Zufall kommen wir mit einer großen Nummer im Tourismus des Landes ins Gespräch: Hiran Cooray, der einzige Sohn des Gründers der Jetwing-Hotelkette. Als Chef ist er verantwortlich für 3200 Beschäftige in 32 Beherbergungsbetrieben. „Wir haben keinen Einzigen entlassen“, sagt Cooray, den wir in einem seiner Hotels in Sigirya treffen. Und das, obwohl Corona bereits zu einem kompletten Einbruch des Tourismus geführte hatte. Im Vergleich zu 2018, als 2,3 Millionen Touristen nach Sri Lanka kamen, sei die Zahl der ankommenden Touristen um etwa 80 Prozent eingebrochen.

Cooray betont, dass es „überhaupt keinen Grund“ gebe, das Land zu meiden. „Sri Lanka steht nicht in Flammen.“ Die Bilder von brennenden Häusern sind zwar um die Welt gegangenen. Doch dies sei ein begrenzter Aufstand gegen korrupte Politiker gewesen, von dem Touristen nichts mitbekommen würden. „Das Schlimmste ist vorüber.“ Die Vorratsschränke seiner Hotels seien – so wie die der anderen auch – voll. Dass seine Kette sich bereits vor Jahrzehnten die Schlüsselthemen Energie, Wasser und Abfall, Bewahrung der Biodiversität, soziale Verantwortung sowie nachhaltige Beschaffung und Produktion auf die Fahnen geschrieben habe, sei der richtige Weg gewesen. Fast 100 Prozent der verwendeten Lebensmittel in den Hotels kämen aus Sri Lanka, viel aus eigenem Anbau. „Auch in Zukunft werden wir keinen Lachs aus Norwegen mehr servieren“, sagt Cooray. Er wolle zurück zu den Wurzeln. Im Dschungel-Hotel Vil Uyana bei Sigirya wird das zelebriert: Mit der Möglichkeit, in der hoteleigenen Landwirtschaft die Köchin dabei zu beobachten, wie sie erst erntet und dann aus den Produkten köstliches „Rice and Curry“, das singhalesische Nationalgericht, zaubert.

Lautstarker Protest im Frühjahr 2022 in Colombo gegen die Regierung.
Foto: Eranga Jayawardena, dpa (Archivbild)

Trotzdem bleiben die Menschen in Sri Lanka optimistisch

Nie fühlen wir uns in diesem Land, in diesen Zeiten des Umbruchs, unsicher oder bedrängt. Jeder Wasserverkäufer, jeder Taxifahrer ist sichtlich bemüht, bei Reisenden ein positives Sri-Lanka-Bild zu hinterlassen. „Tell your friends, Sri Lanka is a good place“ – „Sag’ Deinen Freunden, Sri Lanka ist ein guter Ort“ – ist immer wieder zu hören. Trotz Krise haben die Menschen, die wir treffen, den Optimismus bewahrt. Vielleicht, weil es selbst der korruptesten Regierung kaum gelingen wird, den unfassbaren natürlichen und kulturellen Reichtum der Insel zu rauben.

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