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Warum immer nach Barcelona? Das kann man in Valencia außer dem großen Strand entdecken

Spanien

Diesen Fehler würden die Einwohner von Valencia bei einer Paella niemals machen

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    Riesig: Der niederländische Aussteiger Arie Blok ist auch nach 30 Jahren noch begeistert von den Dimensionen des Strandes in Valencia.
    Riesig: Der niederländische Aussteiger Arie Blok ist auch nach 30 Jahren noch begeistert von den Dimensionen des Strandes in Valencia. Foto: Markus Bär

    Für Arie ist die Sache klar: „Geht es nach mir, würde ich Valencia Barcelona immer vorziehen“, sagt der 59-Jährige mit seinem sanften holländischen Akzent in einem ansonsten fehlerfreien Deutsch und tritt in die Fahrradpedale. Das Klischee ist schon fast zu perfekt. Wohin sollte ein Holländer sonst treten als in Fahrradpedale? Dabei ist Arie Blok ein ziemlich spanischer Niederländer. „Hola José, qué tal?“, ruft er einem Bekannten zu, der Arie – ebenfalls auf dem Rad – entgegenkommt. Und im Vorbeiradeln entspinnt sich ein kurzer spanischer Dialog zwischen den beiden.

    Traditionell: Die klassische Paella Valencias beinhaltet keine Meeresfrüchte, sondern nur Huhn und Kaninchen.
    Traditionell: Die klassische Paella Valencias beinhaltet keine Meeresfrüchte, sondern nur Huhn und Kaninchen. Foto: Markus Bär

    „Ich bin schon 30 Jahre hier, ich war Ende 20, als ich herkam“, erzählt Arie kurz darauf. „Ich schaute mir das Leben hier an und beschloss sofort, nie wieder wegzugehen.“ Seit dieser Zeit ist er nur im Urlaub, mal zu Besuch in den Niederlanden. Ansonsten lebt er in einem Nachbarort, arbeitet dort als Gärtner und ab und zu als Fremdenführer in Valencia. Er kommt schnell wieder auf den Vergleich der beiden Städte zurück. „Klar, Barcelona ist attraktiv, deshalb zieht es ja auch wahnsinnig viele Menschen an. Dazu kommt der Strand, der direkt in der Stadt liegt. Aber es ist auch hektisch, voll und inzwischen fast nicht mehr bezahlbar“, sagt er. „Valencia ist viel ruhiger, obwohl hier auch immerhin 850.000 Menschen leben. Es ist deutlich billiger und einen Strand hat die Stadt auch.“ Und was für einen. Arie steigt vom Fahrrad und zeigt aufs Meer. Der Sandstreifen, der direkt an der Promenade beginnt, hat eine Breite von bestimmt 200 Metern und zieht sich hin bis zum Horizont. An der Promenade reiht sich ein Lokal neben dem anderen.

    Valencia besticht durch eine schöne Innenstadt

    Attraktiv: Das Treiben in der Markthalle von Valencia zieht Tausende von Besuchern an.
    Attraktiv: Das Treiben in der Markthalle von Valencia zieht Tausende von Besuchern an. Foto: Markus Bär

    Tatsächlich könnte Valencia wegen zahlreicher weiterer Facetten eine spannende Alternative zur Metropole Barcelona sein, die mit ihren 1,7 Millionen Einwohnern doppelt so groß ist. Was die Schönheit der Häuserfassaden angeht, kann Valencia problemlos mit der katalanischen Hauptstadt mithalten. Zwar wurde Valencia im spanischen Bürgerkrieg 442-mal von Francos Flugzeugen bombardiert. Aber die Altstadt ist dennoch ein Hochfest des ab Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzenden architektonischen Modernismus, mit vielen Jugendstil-Anleihen und Art Deco – gut zu besichtigen etwa am Nordbahnhof Estación del Norte oder rundum des Rathausplatzes, der übrigens seit 2020 sehr stark vom Durchgangsverkehr befreit wurde und nun in erster Linie ein Ort für Fußgänger ist.

    Paradiesisch: In Valencia wachsen die Orangen mitten in der Stadt. Im Hintergrund ist die altehrwürdige Seidenbörse zu sehen.
    Paradiesisch: In Valencia wachsen die Orangen mitten in der Stadt. Im Hintergrund ist die altehrwürdige Seidenbörse zu sehen. Foto: Markus Bär

    Was Besuchern sofort ins Auge fällt: Die Stadt ist jung. Rund 85.000 Studierende tummeln sich in der Metropole, deren Universitäten und Hochschulen zu den begehrtesten nicht nur in Spanien, sondern über das Erasmusprogramm in ganz Europa zählen. Café reiht sich an Café, alle meist voll besetzt, schöne junge Menschen flanieren allerorten. Man hört alle möglichen Sprachen, vor allem aber amerikanisches Englisch, Holländisch und Italienisch.

    Valencia hat sehr viel Grün in der Innenstadt

    „Insbesondere die Italiener lieben unsere Stadt“, weiß auch Laura Llopis (50) zu berichten, die seit Jahrzehnten bei VisitValencia, dem Tourismusbüro Valencias, arbeitet. Sie hat auf dem deutschen Gymnasium in Valencia ihr Abitur gemacht. „Deutsche Besucher sind hier vergleichsweise unterrepräsentiert“, sagt sie. Womöglich liegt das tatsächlich daran, dass den Deutschen bei einem Metropolenbesuch an der spanischen Mittelmeerküste nach wie vor eher Barcelona in den Sinn kommt.

    Futuristisch: Die Wissenschaftsstadt in Valencia ist ein architektonisches Meisterwerk.
    Futuristisch: Die Wissenschaftsstadt in Valencia ist ein architektonisches Meisterwerk. Foto: Markus Bär

    Nun will sich Valencia verändern, sich sanft weiterentwickeln. Wie der Rathausplatz werden weitere Bereiche der Stadt zusehends verkehrsberuhigt. Es gibt ein dichtes Netz des öffentlichen Nahverkehrs, bestehend aus U-Bahn und Bussen, das sehr günstig ist. Eine Zehn-Fahrten-Karte für Bus und Metro kostet nur 5,40 Euro plus einmalig 2,20 Euro für die physische Karte beim ersten Kauf. Die Fahrt zum Flughafen schlägt mit 4,80 Euro zu Buche. Für etwa zehn Euro am Tag kann man sich unkompliziert ein Fahrrad mieten und auf inzwischen 230 Kilometern Radwegen die Stadt erkunden.

    Eindrucksvoll: In der Altstadt Valencias findet sich viel beeindruckende Architektur - wie etwa der Nordbahnhof. Im Hintergrund ist zudem die Stierkampfarena zu sehen.
    Eindrucksvoll: In der Altstadt Valencias findet sich viel beeindruckende Architektur - wie etwa der Nordbahnhof. Im Hintergrund ist zudem die Stierkampfarena zu sehen. Foto: Markus Bär

    Insgesamt wirkt Valencia im direkten Vergleich mit Barcelona deutlich grüner. Die von den Römern gegründete Stadt war 2024 „Grüne Hauptstadt Europas“. Das liegt unter anderem am „Flussbett“, wie die Einwohner den gigantischen Turia-Garten immer noch nennen, der sich über neun Kilometer von einem Ende der Stadt bis zum Hafen hinzieht. Es handelt sich tatsächlich um das Bett des Flusses Turia, der 1957 besonders verheerend über die Ufer trat. Da hatten die Valencianer die Nase voll und leiteten ihn kurzerhand an der Stadt vorbei. Aus dem Flussbett wurde ein riesiger Park, ein Paradies für Sportler aller Art, ein Ausflugsziel für Familien mit Kindern, mit herrlichen mittelalterlichen Brücken, die sich nun über Rasenflächen spannen. Zudem befindet sich die atemberaubende Ciudad de las Artes y las Sciencias – die Stadt der Künste und Wissenschaften – in dem Park. Ein Ensemble futuristischer Architektur, das man in Deutschland in dieser Art vergeblich suchen würde. Die Wissenschaftsstadt enthält unter anderem ein 3-D-Kino mit Planetarium, mehrere Museen, dazu Diskotheken, einen Opern- und Musikpalast und das mit 110.000 Quadratmetern größte Aquarium Europas.

    Die Paella wurde in Valencia erfunden

    Unterdessen peitscht ein böiger Nachmittagssturm die Reisfelder in der Albufera-Lagune. Der Albufera-See ist nur durch eine dünne Landzunge vom Mittelmeer getrennt, durch Kultivierungsmaßnahmen wurde schon im 17. Jahrhundert das Salzwasser durch Süßwasser ersetzt, was umfangreichen Reisanbau zehn Kilometer südlich von Valencia ermöglichte und der Welt ein kulinarisches Geschenk bescherte: die Paella. Wobei Paella nicht der Name des in Valencia entstandenen Gerichtes ist. Paella ist einfach nur der Name der entsprechenden Pfanne, die nun auf dem Tisch des noblen Restaurants Nou Racó steht und deren attraktiver dampfender Inhalt erklärungsbedürftig ist. „Eine klassische valencianische Paella enthält Huhn und Kaninchen“, erläutert Laura Llopis. „Niemals würden sich darin dann gleichzeitig Meeresfrüchte oder Fisch finden. Es gibt nur entweder oder“, sagt sie. Dass man das alles zusammenwerfe, wie es in Deutschland oft getan werde, sei in Valencia ein absolutes kulinarisches Vergehen. „Und Paella wird – weil sie ja recht mächtig ist – grundsätzlich nur mittags gegessen.“

    Draußen pfeift weiter der Wind durch den kleinen Stadtteil El Palmar. Dieser hat nur 763 Einwohner, aber rund 30 Restaurants, in denen sich Paella und so manche weitere Gaumenfreude genießen lässt. Auch abseits davon ist Valencia ein Dorado für Feinschmecker. Der Guide Michelin 2026 hat in der Metropole insgesamt zehn Sterne vergeben: Sechs Restaurants mit einem Stern und zwei mit je zwei Sternen. Eine stattliche Anzahl. Aber an dieser Stelle kann Valencia mit Barcelona nicht mithalten: Barcelona hat 42, mehr noch als Madrid.

    Schutzbedürftig: Belugas aus dem urkainischen Charkiw sind im Aquarium Valencias nun sicher vor russischen Angriffen.
    Schutzbedürftig: Belugas aus dem urkainischen Charkiw sind im Aquarium Valencias nun sicher vor russischen Angriffen. Foto: Markus Bär

    In Valencia gibt es das größte Aquarium Europas

    Dennoch sollte man das Oceanogràfic, das – wie schon erwähnt – größte Aquarium Europas, nicht verpassen. An dieser Stelle liegt Valencia nun wieder vor Barcelona, das ebenfalls über ein - eben kleineres - Aquarium verfügt. Durch bis zu 70 Meter lange komplett verglaste Gänge schreitet der Besucher unter Wasser. Man fühlt sich wie auf dem Grund des Ozeans. Plötzlich schwimmt ein Hai direkt über den Köpfen hinweg. „Sie werden nach einem ausgeklügelten Plan gefüttert, damit sie nicht vor den Augen der Besucher die anderen Fische im Becken auffressen“, sagt Laura Llopis augenzwinkernd. Und dann kommt die besondere Schau: vier Belugas, große Weißwale, leben ebenfalls im Oceanogràfic. Zwei von ihnen, Plombir und Miranda, sind Gäste aus dem fernen Charkiw. Es sind Flüchtlinge des Ukrainekrieges, die 2024 zu ihrem Schutz vor russischen Angriffen hergebracht wurden. Geschmeidig ziehen sie ihre Bahnen durch die Becken. Ihnen scheint es in Valencia ausgesprochen gut zu gefallen.

    Der Autor recherchierte auf Einladung von VisitValencia.

    Reisetipps für Valencia

    Anreise: Es gibt Direktflüge von den Flughäfen München, Memmingen und Nürnberg nach Valencia.

    Unterkunft: Das traditionsreiche Hotel Reina Victoria in der Carrer de les Barques, in dem schon Ernest Hemingway und Frederico Garcia Lorca gastierten.

    Lokalempfehlung: Paella mit Meeresfrüchten im Restaurant El Coso an der Strandpromenade. Traditionelle Paella im Restaurant Nou Racó in El Palmar am Albufera-See. Michelin-Empfehlung: Restaurant Xanglot. Schnelle Tapas in der Bar Barecito in einer Seitengasse direkt am Rathausplatz. Restaurant Portolito, ebenfalls nahe des Rathausplatzes.

    Tipp: Absolutes Highlight ist das Centro de Arte de Hortensia Herrero (CAHH), ein Museum für moderne Kunst, das die valencianische Milliardärsgattin Hortensia Herrero bauen ließ. Sie will, dass Valencia ein Kulturzentrum von Weltrang wird. Vom 28. April bis zum 31, Oktober ist eine Sonderausstellung mit Werken von Anselm Kiefer, einem der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart, vorgesehen.

    Sparen: Besonders attraktiv ist für Reisende die Valencia Tourist Card mit kostenlosen Fahrten mit Bus und U-Bahn inklusive Flughafen und freiem Eintritt in viele Museen und Sehenswürdigkeiten. Sie kostet für 24 Stunden 17 Euro, für 48 Stunden 24 Euro und für 72 Stunden 30 Euro.

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