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Gennach

09.07.2018

1599 Pfeifen ausgebaut und durchgeputzt

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2 Bilder
Pater Stefan Kling spielt an der Orgel. Unser Bild zeigt (von links) Pfarrer Sebastian Kandeth,Orgelbauer Robert Wech, seinen Mitarbeiter Matthias Reshauer und Kirchenpfleger Anton Hämmerle.
Bild: Kirche

Die Schwarzbauer-Orgel in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Gennach ist auf Vordermann gebracht worden. Das Instrument ist mehr als 100 Jahre alt.

Die exakt 1599 Pfeifen der Schwarzbauer-Orgel in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Gennach sind alle ordentlich durchgeputzt worden. Auch führte die Orgelbaufirma Wech aus Buchloe weitere Sanierungsarbeiten an dem Instrument durch.

Bei der Orgel handelt es sich um eine pneumatische Kegelladen-Orgel, die von Julius Schwarzbauer aus Mindelheim gebaut wurde. Das Instrument besitzt zwei Manuale und ein Pedal, von denen aus die 1599 Pfeifen gesteuert werden. Die Orgel wurde komplett zerlegt und gesäubert. Es wurden alle Pfeifen ausgebaut, gereinigt und mit einem geeigneten Fungizid behandelt. Nach der Einstellung des ursprünglichen Winddruckes wurde die Orgel unter Berücksichtigung ihres originalen Klangcharakters nachintoniert und in ursprünglicher Tonhöhe und Stimmung rein gestimmt.

Orgel diente wohl als Referenz-Instrument

Im Gutachten von 1992 vom Amt für Kirchenmusik, von Prof. Dr. Gert Völkl steht: Instrumente von Julius Schwarzbauer werden in der Regel nicht sehr hoch geschätzt. Dieses Instrument unterscheidet sich in seiner Qualität jedoch deutlich von den übrigen Schwarzbauer-Orgeln. Sie ist in seiner Konzeption sorgfältig durchdacht und ebenso sorgfältig hergestellt. Es ist anzunehmen, dass diese verhältnismäßig große und nahe Mindelheim stehende Orgel von Schwarzbauer als Referenz-Instrument dienen sollte. Sie ist daher unbedingt zu erhalten. Sie steht auch unter Denkmalschutz.

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Julius Schwarzbauer war Orgelbaumeister in Mindelheim. Seine genauen Lebensdaten sind unbekannt. Er erscheint ab etwa 1890 selbstständig, und ab 1900 erreichte die Produktivität seiner Werkstatt beachtliche Ausmaße. Die Gesamtzahl der bis 1924 erbauten Instrumente darf man auf etwa 100 schätzen, wobei auch modernisierende Umbauten mitgezählt sind. Nach dem Konkurs in der Inflationszeit soll Schwarzbauer nach Amerika ausgewandert sein.

Julius Schwarzbauer baute die Orgel 1914

Er baut wurde die Orgel im Jahr 1914 von Julius Schwarzbauer aus Mindelheim. 1970 zeigten sich viele Ausfälle und Heuler an der Orgel, die zu diesem Zeitpunkt unbespielbar war. 23 Jahre schwieg die Orgel daraufhin. Im November 1980 haben alle Orgelbauer der Diözese das Instrument besichtigt. Sie waren sehr beeindruckt, obwohl es unbespielbar und in einem sehr schlechten Zustand war. 1993 wurde die Orgel von der Firma Link aus Giengen/Brenz restauriert. Es wurden alle morschen und defekten Teile ausgetauscht.

Es wurde auch ein neuer elektrischer Blasbalg in die Orgel eingebaut. 2016 begutachtete der amtliche Orgelsachverständiger im Bistum Augsburg, Pater Stefan Kling, die Orgel in Gennach und schlug eine umfangreiche Reinigung vor. 2018 führt die Firma Robert Wech aus Buchloe die von Pater Kling vorgeschlagenen Arbeiten aus. Nun wurde die Orgel nach der Restaurierung von Pater Stefan Kling abgenommen und für sehr wertvoll bezeichnet.

Die Orgel wird als „Königin der Instrumente“ genannt. Dies gilt in doppelter Weise: Sie „thront“ meist – wie auch in der Kirche St. Johannes der Täufer Gennach auf der Empore und sie vermag durch die klangliche Variation ihrer Register eine ganze Reihe von Instrumenten (wie Flöte, Posaune, Gambe, Trompete) in sich zu vereinen. (SZ)

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