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Lechfeld

03.01.2019

A400M-Stationierung: Informationspolitik des Bundes "eine Unart"

Derzeit stehen A400M nur auf dem Vorfeld des Flugplatzes in Wunstorf. In Zukunft gibt es Maschinen dieses Typs auch auf dem Lechfeld.
Bild: Holger Hollemann, dpa

Die Bürgermeister der Region freuen sich über die Stationierung des A400M auf dem Lechfeld. Doch die Kommunikation mit dem Bund lasse zu wünschen übrig.

Erst durch die Zeitung habe er von der Entscheidung erfahren, dass der Airbus A400M künftig am Lechfeld stationiert werden soll, sagt Untermeitingens Bürgermeister Simon Schropp (CSU). „Kurz darauf hatte ich auch gleich den Bundestagsabgeordneten am Telefon.“ Schon vor der Entscheidung habe es Gespräche, positive Zeichen und Andeutungen gegeben, sagt Schropp. „Es freut mich, dass damit der Erhalt des Bundeswehrstandorts gesichert ist“, sagt Schropp. Er betont die Vorzüge der Transportflieger. „Das sind Maschinen, die nicht so viel Lärm erzeugen wie ein Jet“, sagt er. „Jetzt gibt es auch keine Ausrede mehr, die Abschaffung der Lärmschutzzone weiter auf die lange Bank zu schieben.“

Untermeitingen hofft auf eine Abschaffung der Lärmschutzzone

Die Gemeinde Untermeitingen hofft auf ein Ende der bisherigen Lärmschutzbeschränkungen, denn ein Teil des Orts liegt in der Lärmschutzzone C. In diesem Bereich können keine neuen Wohnbaugebiete ausgewiesen werden. Im vergangenen Jahr wurde die Schutzzone bis 2023 verlängert. Am nächsten Mittwoch, im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Hansjörg Durz, möchte Schropp nun die Gelegenheit nutzen und sich für eine schnellere Abschaffung der Lärmschutzzone einsetzen. „Am besten schon in diesem oder im nächsten Jahr.“ Dass mit dem A400M auch 500 weitere Bundeswehrmitarbeiter nach Lagerlechfeld kommen, sieht Schropp mit gemischten Gefühlen. „Verbeamtete Soldaten sind natürlich beliebte Mieter. Aber das könnte die Lage auf dem Wohnungsmarkt verschärfen.“

Die Gemeinde Untermeitingen vergibt Baugrund nur an Ortsansässige. Daher müssten sich die neuen Soldaten am Bundeswehrstandorts auf dem privaten Wohnungsmarkt bewerben. Dass sich die Verkehrsbelastung in den Gemeinden zuspitzt, befürchtet Schropp jedoch nicht. Lagerlechfeld sei über die B17 optimal angebunden, sagt der Bürgermeister. Zudem hätten dort auch große Nato-Übungsmanöver stattgefunden. Was die Investitionen im Detail bedeuten, darüber wolle er nicht zu viel spekulieren. „Ich möchte noch das Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten abwarten“, sagt Schropp.

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Andreas Scharf geht nicht von einer höheren Lärm-Belastung aus

Überrascht zeigte sich Grabens Bürgermeister Andreas Scharf – nicht aber wegen der Entscheidung an sich, sondern dass diese so lange dauerte. Nirgends sonst gebe es einen solch großen und leistungsfähigen Flugplatz wie auf dem Lechfeld. Für die Region sei es eine gute Geschichte, da der Standort gestärkt und Geld investiert werde. Die beste Entscheidung wäre es laut Scharf allerdings gewesen, einen Käufer für die A400M-Maschinen zu finden. Dass mit der Stationierung der Transportmaschinen der Druck auf den Wohnungsmarkt steige, sieht Scharf weniger. „Ich habe keine Sorgen wegen des Lärms oder dass es eine Belastung für die Bevölkerung gibt“, sagt Scharf. Und doch gibt es Dinge, die ihn ärgern – die Informationspolitik des Bundes: „Wir bemühen uns seit Monaten, damit wir sinnvolle Informationen an die Bürger weitergeben können und erfahren dann alles aus der Zeitung. Das ist eine Unart.“

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt könnte sich verschlechtern

Viele Jahre lang war Rudolf Schneider aus Klosterlechfeld Luftwaffenoffizier am Lechfelder Standort, deshalb könne er bei diesem Thema nicht ganz neutral sein, sagt der Bürgermeister. Er freue sich für den militärischen Standort, da diese Entscheidung eine Zukunftsgarantie sei und neue Arbeitsplätze bringe. Der Flugplatz sei in hervorragendem Zustand, wenngleich nun die Infrastruktur, wie neue Werkhallen, geschaffen werden müsse. Verkehrstechnisch sei der Fliegerhorst Lechfeld gut angebunden, allerdings sei die B17 schon jetzt am Anschlag.

Der Airbus A400M ist der Nachfolger des Transportflugzeugs Transall.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Ob der Verkehr durch den A400M signifikant ansteige, könne er nicht sagen. Die Region sei beim Thema Fluglärm sehr sensibel. Da der A400M eher leiser als eine Transall sei, werde sich die Lärmbelastung nicht spürbar niederschlagen und die Bevölkerung nicht gegen die Entscheidung des Bundes sein, vermutet Schneider. Das zusätzliche, voraussichtlich 500 Mann starke Personal, sei zwar ein Entwicklungsschub für das Lechfeld, könnte aber den angespannten Wohnungsmarkt weiter belasten – aber auch Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten.

Nachfrage nach Wohnraum steigt, befürchtet der Bürgermeister

Die Freude bei Rupert Fiehl hält sich „sehr in Grenzen“. Kleinaitingen tangiere dies durch die Lärmschutzzone nur ganz am Rande, aber für die Nachbarn Graben und Untermeitingen sei es ein „gravierender Einschnitt“, wenn diese Zone in ihrem jetzigen Ausmaß bestehen bleibe. Eine Verkehrsbelastung für seine Gemeinde befürchtet Fiehl nicht, da sich dieser auf der B17 abspiele. Die Standortsicherung und die geschaffenen Arbeitsplätze seien eine „tolle Sache“, allerdings könnte auch – im Gegensatz zu sonstigen Gewerbeansiedlungen – die Nachfrage nach Wohnraum steigen.

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