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Bundeswehr

02.01.2019

A400M auf dem Lechfeld: Das sind die Folgen für die Region

Zehn Airbus A400M will die Bundeswehr am Lechfeld stationieren.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Plus Eine internationale Einheit soll vom Lechfeld aus mit dem Airbus A400M Truppen in Afrika und Asien versorgen. Was das für die Region bedeutet.

Eine ganz neue Form von Logistik am Lechfeld bedeutet der Aufbau einer internationalen Lufttransportgruppe am heimischen Fliegerhorst. Es geht zwar nicht um die Warenverteilung in die Region hinein, jedoch um Transporte von hier in die Einsatzgebiete der Bundeswehr und der Streitkräfte befreundeter Staaten. Mit mehr Fluglärm und mehr Verkehrsaufkommen auf der B 17 wird dies einhergehen. Aber auch mit der Schaffung von mindestens 500 neuen Arbeitsstellen sowie mit Investitionen von 170 Millionen Euro. Ab 2025 sollen zehn Airbus des Typs A400M stationiert werden. Einige europäische Partner wollen weitere Maschinen hinzuliefern oder Flugzeiten auf deutschen Maschinen buchen.

Zehn Airbus A400M sollen aufs Lechfeld kommen

„Ich habe keine Sorgen wegen des Lärms oder dass es eine Belastung für die Bevölkerung gibt“, sagt Grabens Bürgermeister Andreas Scharf. Was ihn und seine Kollegen am stärksten beschäftigt ist jedoch die Frage, wie sehr sich durch die Aufstockung an Dienstposten in der Lechfeld- und Ulrichkaserne der Druck auf den Wohnungsmarkt weiter erhöhen wird. Denn auch wenn sie auf dem großen Bundeswehr-Stützpunkt arbeiten, leben und wohnen Soldaten sowie zivil Beschäftigte mit ihren Familien doch gerne südlich von Augsburg. Das zeigte sich bereits, als hier noch das Jagdbombergeschwader 32 (JaboG 32) stationiert war.

02.01.2019, Niedersachsen, Wunstorf: A400M des Lufttransportgeschwader 62 stehen auf dem Vorfeld des Flugplatzes. Foto: Holger Hollemann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Geschichte, Zahlen, Pannen: Das ist der Transport-Flieger A400M
Bild: Holger Hollemann

Die Ironie am Aspekt Wohnraum: Die Lärmschutzzone um den Fliegerhorst schränkt die Nachbargemeinden in ihrer Entwicklung ein. Insbesondere in Lagerlechfeld und Graben sind deshalb angedachte Bauvorhaben und neue Wohnbauflächen derzeit blockiert. Untermeitingens Rathauschef Simon Schropp hofft, dass diese Blockade bald aufgelöst wird: „Das sind Maschinen, die nicht so viel Lärm erzeugen wie ein Jet. Jetzt gibt es auch keine Ausrede mehr, die Abschaffung der Lärmschutzzone weiter auf die lange Bank zu schieben.“

Deutschlands Nachbarn setzen aufs Lechfeld

Bei einem Besuch des Luftwaffengeschwaders 62 in Wunstorf bei Hannover hat Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Mittwochmittag die künftige Nutzung des Fliegerhorstes Lechfeld bestätigt. Wunstorf ist bislang die einzige Basis für den A400M in Deutschland. 24 solche Transportflugzeuge sind dort momentan stationiert. Am Freitag nächster Woche wird der 25. übergeben. Bis 2022 sollen es 40 sein. Weitere 13 werden in den Folgejahren an die Luftwaffe ausgeliefert. Zehn, so heißt es, kommen dann ans Lechfeld. Hier entsteht eine multinationale Transportgruppe – mit befreundeten Staaten. Über entsprechende Überlegungen hatte unserer Redaktion schon mehrfach berichtet. Tschechien und Österreich seien an einer solchen Kooperation interessiert, hieß es damals. Mit weiteren Partnern sollen derzeit Gespräche laufen.

Bis Ende 2018 waren mehrere Standorte auf ihre Eignung für diese internationale Transportgruppe überprüft worden. Das Lechfeld galt seit zwei Jahren als Favorit. Wunstorf, so scheint es aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage, wird die größte A400M-Basis der Luftwaffe bleiben. Dort findet auch die Ausbildung des benötigten Personals statt. Und dort gibt es bereits alles, was eine Luftbrücke zwischen Deutschland und den derzeitigen Einsatzgebieten der Bundeswehr in Mali, in Afghanistan oder in Jordanien erfordert. 5000 Flugstunden standen dazu alleine 2018 im Terminkalender des Luftwaffengeschwaders 62. Auch Platzreserven gibt es in Wunstorf noch.

Was für den Standort Lagerlechfeld sprach

Das waren Argumente, die gegen eine zweite Drehscheibe für Transportflüge in alle Welt sprachen. Für eine zweite Basis – und die möglichst im Süden Deutschlands – sprachen hingegen mehr Gründe, war am Mittwoch zu vernehmen. So verfügt der Fliegerhost Lechfeld im langjährigen Jahresschnitt angeblich über die zweitbeste Flugwetterlage aller Luftwaffenbasen. Es gibt hier bereits sehr viel an Infrastruktur – vor allem eine erst vor wenigen Jahren erneuerte Piste samt Rollwegen und tragfähigen Stellplätzen, die für den Dauerbetrieb nur etwas ausgebaut werden müssen. Und die potenziellen Partnerstaaten, die von hier aus gemeinsam mit Deutschland ihre Einheiten südlich und südöstlich von Europa versorgen wollen, sollen sich wegen der räumlichen Nähe fürs Lechfeld ausgesprochen haben.

Auch Bundestagsabgeordneter Hansjörg Durz hatte sich für eine neue Verwendung des seit der Auflösung des JaboG 32 im Jahr 2013 nur wenig genutzten Fliegerhorstes eingesetzt.

Denn die Bundeswehr sei ein großer Arbeitgeber und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region. Ihr Standort am Lechfeld sei nun wieder langfristig gesichert. Zudem stärke die Kooperation befreundeter Staaten den Frieden und die Sicherheit in Europa. Militärische Ressourcen zu bündeln und zu teilen, sei sinnvoll und zukunftsweisend für ein starkes Europa.

Durz spricht auch von einem starken Rückhalt, den die Bundeswehr am Lechfeld genieße. Er erwartet nicht, dass sich dies ändert, wenn am Fliegerhorst wieder mehr Maschinen stationiert sind. Denn der A400M gilt als noch leiser als die einst in Penzing stationierten Transall.

Mehr zum Transportflugzeug A400M lesen Sie hier:

Wie aus dem Airbus A400M doch noch eine Erfolgsgeschichte werden soll

Der Airbus A400M ist wichtig für die Region

Reaktionen auf die A400M-Stationierung: „Das ist eine Unart“

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Die Diskussion ist geschlossen.

03.01.2019

"Aber auch mit der Schaffung von mindestens 500 neuen Arbeitsstellen sowie mit Investitionen von 170 Millionen Euro."
Was, neue Arbeitsplätze? Na, dann nichts wie her damit, etwas besseres kann der Amazon-Region doch gar nicht passieren! Nur wenn alle Bediensteten am Ort wohnen wollen, wegen der Nähe zur Arbeitsstelle, könnte es mit Sicherheit etwas eng werden. Aber das Lechfeld ist ja groß und weit und wartet auf neue Siedler - jedenfalls bis zur nächsten Auflösung des Standortes.

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