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Königsbrunn

14.07.2020

Ärger und Dreck in Königsbrunn: Jugendliche vermüllen Grünanlagen

Am Pavillon beim Skaterpark in Königsbrunn müssen städtische Mitarbeiter regelmäßig Müll und Unrat wegräumen. Die Aufnahme ist vom 18. Mai 2020.
Bild: Betriebshof Stadt Königsbrunn

Plus Zwischen dem Königsbrunner Gymnasium und der Ulrichshöhe treffen sich Jugendliche und lassen Müll zurück. Ein Patentrezept dagegen gibt es nicht.

Durch die Corona-Pandemie sind viele Freizeit- und Feiereinrichtungen in der Region geschlossen. Viele Jugendliche verlegen ihre Partys daher ins Freie. Beliebt ist das Areal zwischen ZOB, Gymnasium und Ulrichshöhe. Das ließ sich in den vergangenen Wochen auch am Müll ablesen, der zwischen Schule und Freizeitpark weit verstreut war – sicher nicht nur von Gymnasiasten, sondern auch von anderen Jugendlichen. Und der ärgert Bürger, die anderntags zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind und die städtischen Mitarbeiter, die das Areal säubern müssen.

Stephanie Detke, die Leiterin des Betriebshofs, schätzt, dass seit Anfang Mai nach jedem Feier-Wochenende im Schnitt vier ihrer Mitarbeiter etwa eineinhalb Stunden mit dem Saubermachen zwischen Gymnasium und Jugendzentrum Matrix beschäftigt waren: „Das bindet Arbeitszeit, die mit öffentlichen Geldern finanziert wird.“ Besonders heftig sei die Vermüllung nach Christi Himmelfahrt und Fronleichnam gewesen sowie nach den Abi-Teilprüfungen und der Notenbekanntgabe. „Das Problem war nicht, dass es so unglaublich viel Müll war, sondern dass er extrem großflächig verstreut war“, stellt sie fest. Ihre Mitarbeiter berichteten von zerkleinerten Pizzakartons, von verstreuten Milchtüten – und sogar von Exkrementen auf der Bank im Pavillon hinter dem Skaterpark.

Königsbrunner Bauhof-Mitarbeiter müssen Scherben per Hand einsammeln

„Ein Riesenproblem sind auch die Scherben“, sagt Detke. Zwischen den Rasengittersteinen der Parkplätze muss man sie in Handarbeit einsammeln. Und zu allem Überfluss mussten sich die städtischen Mitarbeiter auch noch Vorwürfe von Eltern anhören, die sich morgens durch die langsam fahrende Kehrmaschine beim Antransport ihrer Kinder ausgebremst fühlten.

Müll verstreut an der Straße gegenüber dem Gymnasium.
Bild: Betriebshof Stadt Königsbrunn

Leser haben sich dazu mit Handyvideos und Fotos an unsere Redaktion gewandt. Helmut Elias empfindet die Party-Überreste als „Riesen-Sauerei“, die er nicht einfach sang- und klanglos übergehen will: „Wenn wir früher ein Feschtle gefeiert haben, dann haben wir unseren Dreck weggeräumt.“ Auch auf Facebook wird das Thema diskutiert, mit einer breiten Palette an Vorwürfen. Mal gegen die Schulleitung, die sich angeblich nicht darum kümmere. Mal gegen die Polizei, die nicht energisch genug auftrete. Mal gegen die Streetworker, die nicht vor Ort seien - und natürlich auch gegen die Jugendlichen selbst. Die würden zwar auf „Fridays for Future“-Demos gehen, so heißt es, aber ihr Umfeld nicht sauber halten.

Schulleiterin und Polizisten haben nur wenig Einfluss-Möglichkeiten

Aber so wenig man Party-Cliquen mit Klimaaktivisten gleichsetzen kann, so wenig treffen die anderen Vorwürfe ins Schwarze. Eva Focht-Schmidt, die scheidende Schulleiterin des Gymnasiums, verweist auf die Grenzen ihrer Einflussmöglichkeiten. Sie habe den Abiturienten ins Gewissen geredet und sie daran erinnert, dass ihr Verhalten auf die Schule zurückfalle. Das wirkte offenbar nur minimal. Über den Vorwurf eines Bürgers, (der ihr regelmäßig Briefe schreibt), sie habe ihre Abiturienten „nicht im Griff“, schüttelt sie deshalb den Kopf. Und bremst einige ihrer Lehrer, die forderten, wer so wild Müll verursache, solle zur Strafe eben kein Abiturzeugnis erhalten. Das sei einfach rechtlich nicht haltbar.

Die Polizei und auch die Sicherheitswacht sind sehr wohl vor Ort, betont Artur Dachs, der Leiter der Inspektion Bobingen. Die Beamten würden die Jugendlichen zur Ordnung mahnen und auch mal Personalien notieren. Das Problem sei, bei einer feiernden Menge einzelne Müll-Verursacher festzustellen: „Und schließlich müssen wir auch den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wahren.“ Deshalb setze die Polizei bei solchen Partys mehr auf Überzeugen denn auf Sanktionen. Müll-Mengen nach wilden Partys gebe es nicht erst in den letzten Jahren und das Problem auch nicht auf das Gymnasium Königsbrunn begrenzt, sagt Dachs.

Hier wurde im Alten Postweg nachts mutwillig ein Container für Altkleider umgeworfen.
Bild: Betriebshof Stadt Königsbrunn

Eine Stimme in der Facebook-Diskussion äußert sogar Verständnis. Bei solchen Freiluft-Partys entstehe Müll als „schleichender Prozess“: Anfangs achte keiner drauf und gegen Ende der Fete habe keiner mehr Lust, aufzuräumen, denn „sie waren es ja nicht alleine“. Da müsste abends ein Sozialarbeiter vorbei schauen und an die Pflichten erinnern und alles wäre gut.

Matrix-Leiter nimmt Königsburnner Jugendliche auch selbst in die Pflicht

Hier melden die Profis aber Zweifel an. Auf diesen Facebook-Beitrag antwortete ein Streetworker: „Leider funktioniert die mobile Jugendarbeit nicht mit einem erhobenen Zeigefinger!“ und schlug mobile Mülltonnen für die Abi-Feten vor. Die Sozialarbeiter im Außeneinsatz haben deutlich andere Schwerpunkte als auf Sauberkeit zu achten, betont deren Chef Ralf Engelstätter. Der Leiter des Jugendzentrums Matrix hat den Eindruck: „Die machen den Müll nicht mit Absicht, die vergessen ihn einfach.“ Und er weist auf die besondere Situation für die Jugend im Corona-Lockdown hin: Schule zu, Matrix zu, keine Treffen gestattet.

Er ist aber auch durchaus dafür, die Jugendlichen in die Pflicht zu nehmen. Wenn es nach einem Wochenende rund um das Matrix wieder mal schlimm aussieht, dann bleiben die Türen erst mal zu und er verteilt Säcke und Müllgreifer: „Aber die, die beim Aufräumen helfen, sind nicht die, die am Abend da waren.“

Um den Müll im Bereich zwischen Gymnasium und Matrix ganz allgemein einzudämmen, findet der Sozialpädagoge mehr Mülltonnen hilfreich. Und die Auswüchse bei den Abiturienten-Feten könnte man mit einer Art Pfandsystem in den Griff kriegen, an dem sich der gesamte Abi-Jahrgang beteiligen müsste.

Lesen Sie hier, warum unser Autor vor allem die Eltern in die Pflicht sieht: Die Eltern sind in der Pflicht

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14.07.2020

Warum überwacht man solche Plätze nicht mit Kameras?

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