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Kleinaitingen

09.07.2019

Ärgernis Lechfeldstraße: Sollen die Poller wieder weg?

Die sogenannten Verkehrswächter in der Lechfeldstraße in Kleinaitingen sind nicht unumstritten. Vergangenes Jahr wurden sie installiert, nun fordern einige Anwohner und die dritte Bürgermeisterin deren Abbau.
Bild: Michael Lindner

Kleinaitingens dritte Bürgermeisterin und mehrere Anwohner ärgern sich über die Situation in der Lechfeldstraße. Rupert Fiehl schätzt die Lage anders ein.

Mit einer Größe von etwa einem Meter sind sie alles andere als Riesen – und doch sorgen sie für jede Menge Gesprächsstoff. Gemeint sind die vor etwa acht Monaten aufgebauten Verkehrswächter in Kleinaitingen entlang der Lechfeldstraße. Mit der Errichtung sollten folgende Ziele erreicht werden: die Parkplatzsituation verbessern, die Geschwindigkeit reduzieren und somit für mehr Sicherheit sorgen. Außerdem sollten Traktoren und Schulbusse besser an den parkenden Fahrzeugen vorbeifahren können. Doch dieser Versuch ist nach Ansicht vieler – gelinde ausgedrückt – misslungen.

Eine Anwohnerin spricht von „totalen Unsinn“, eine andere schüttelt nur den Kopf und lacht über diese Maßnahme, die „reine Geldverschwendung“ sei. Ein weiterer Anwohner der Lechfeldstraße bezeichnet die Verkehrswächter gar als „Frechheit“. Landwirtschaftliche Fahrzeuge, Busse und vereinzelte Lastwagen kommen nur schwer an den einzelnen im November 2018 aufgestellten Pollern und parkenden Autos vorbei, so die einhellige Meinung der von uns befragten Anwohner. „Man muss als Autofahrer schon von Weitem abschätzen, ob man als erstes an den vielen Autos und den Pollern vorbeikommt oder doch der Gegenverkehr“, sagt eine Anwohnerin, die – wie die anderen auch – lieber anonym bleiben möchte.

Marga Dorfmiller-Kapetanopulos über die Lechfeldstraße: "So kann es nicht bleiben."

An der Parkplatzsituation habe sich nichts verbessert, teilweise sei es kaum mehr möglich, in die oder aus der eigenen Einfahrt zu kommen, so die Kritik. Kleinaitingens dritte Bürgermeisterin Marga Dorfmiller-Kapetanopulos forderte in einer vergangenen Gemeinderatssitzung deshalb: „Die Poller sollen verschwinden.“ Ihrer Meinung nach sei diese Art der Verkehrsberuhigung fehlgeschlagen. Die Situation an der Lechfeldstraße habe sich im Vergleich zu zuvor „wesentlich verschlechtert“. Auf vier Monate war die Testphase angesetzt, inzwischen sind deren sieben vergangen. „So kann es nicht bleiben. Es war nie unser Wunsch, eine Verschlechterung herbeizuführen“, macht Dorfmiller-Kapetanopulos deutlich.

Ärgernis Lechfeldstraße: Sollen die Poller wieder weg?

Da die gesamte Lechfeldstraße in die Tempo-30-Zone integriert wurde, änderte sich auch die Vorfahrtsregelung in „rechts vor links“. Täglich gebe es laut Dorfmiller-Kapetanopulos gefährliche Situationen – vor allem an der Ecke Lechfeldstraße/Frühlingstraße. Dies bestätigen uns die Anwohner. Ihre Kritik: Zuerst sei die Vorfahrtsregelung ohne Ankündigung geändert oder gekennzeichnet worden. Gegen eine solche zusätzliche Beschilderung spricht sich Kleinaitingens Bürgermeister Rupert Fiehl aus. Er möchte den Schilderwald ausdünnen.

Spektakulärer Unfall mit einem Verkehrswächter in Kleinaitingen

Anwohner kritisieren, dass sich niemand an die neue Regelung halte – und genau so schnell gefahren werde wie zuvor. Kritik ernten die Poller samt Betonplatte auch, da sie nach Meinung einer Anwohnerin zu schlecht sichtbar seien. Einen spektakulären Unfall habe es bereits gegeben, weitere gefährliche Situationen seien gerade noch glimpflich ausgegangen. Dass die neue Verkehrsführung zumindest in großen Teilen der Bevölkerung nicht gut ankommt, zeigt auch ein Freinachtscherz: Unbekannte verglichen die Lechfeldstraße mit einer Formel-1-Rennstrecke und suchten mittels eines Plakats „nach der Optimallinie“. Bruder Barnabas bezeichnete beim Starkbierfest die installierten Verkehrswächter gar als „Terroristenbremsen“.

Eine Anwohnerin schlägt vor, die Poller wieder abzubauen und stattdessen ein einseitiges Parkverbot einzuführen. Eine andere wünscht sich eigens ausgewiesene Parkflächen. Doch genau dagegen entschied sich der Gemeinderat mehrheitlich bei der Debatte. Bürgermeister Fiehl gibt zu Bedenken, dass diese Parkflächen dann auch kontrolliert werden müssen. Insgesamt schätzt er die Situation an der Lechfeldstraße weniger dramatisch ein. „Es ist gut so, wie es jetzt ist. Von perfekt sind wir aber ein gutes Stück weit entfernt“, räumt der Bürgermeister ein. Die jetzige Lösung sei ein Kompromiss der 13 Personen im Gemeinderat gewesen. Seitdem es die Verkehrswächter gibt, habe er keine Beschwerden mehr wegen der Schulbusse oder von der Landwirtschaft erhalten. „Ich habe ein sehr positives Feedback bekommen. Andere Einwohner haben gefragt, ob man diese Maßnahme auch bei ihnen machen könne“, sagt Fiehl.

Lechfeldstraße in Kleinaitingen wird im September mit der Polizei genauer untersucht

Der Bürgermeister räumt ein, dass es allerdings noch keinen Effekt auf die gefahrene Geschwindigkeit gebe. Messtafeln wurden nun aufgestellt; sie sollen die Geschwindigkeit dokumentieren, um sie später auszuwerten. Bei einer Verkehrsschau mit der Polizei und dem Landkreis im September soll die Lechfeldstraße noch einmal genauer betrachtet werden. Wie es dann weitergeht, sei laut Fiehl reine Spekulation. „Mehr Poller werden es an Ort und Stelle sicherlich nicht“, sagt der Bürgermeister.

Aber nicht nur an der Lechfeldstraße ist der Verkehr ein Thema. Bei der Bürgerversammlung wurde die rasante Geschwindigkeit vieler Autofahrer entlang der Hauptstraße moniert. „Wie auf einer Rennstrecke“ soll es einem Anwohner nach auch in der Ostend-, der Alemannen- sowie der Gotenstraße zugehen. Und auch an der Hauptstraße gibt es immer wieder Ärger wegen der dort gefahrenen Geschwindigkeit und den parkenden Autos.

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Die Diskussion ist geschlossen.

18.07.2019

Worüber wird hier diskutiert?

Als unmittelbar betroffener Anwohner in der Lechfeldstraße stellen die „Verkehrswächter“ für mich persönlich eine erste deutliche Verbesserung der Verkehrssituation dar - gleichwohl insbesondere Mütter, die am Morgen ihre Kinder in den Kindergarten fahren, diese neue Verkehrs-Situation als Slalom-Rennstrecke fehlinterpretieren.
Gleiches gilt für Nutzer der Sportanlagen, wenn sie zu ihren Fußballspielen fahren oder von dort kommen. Darüber hinaus bin ich sehr fasziniert, wie es die großen Landmaschinen schaffen, mit ihren Riesen-Gerätschaften in einem beeindruckenden Tempo durch die Lechfeldstraße zu rasen, und diese offensichtlich aus der Gewohnheit heraus als zeitsparenden Zubringer zu ihren Feldern nutzen. „Eigentlich“ sind hierfür doch wohl die Wirtschaftswege vorgesehen. Vermeintliche Engstellen, die lt. Straßenverkehrsordnung keine sind - außer für viel zu große Landmaschinen – werden elegant durch Mitbenutzung des Gehweges gemeistert.

Ganz besonders großartig ist der Vorschlag, die Poller wieder zu entfernen und ein einseitiges Parkverbot auszusprechen. Hervorragende Idee – dann machen wir es allen „Rennfahrern“ noch ein bisschen einfacher und gefährden jeden Fußgänger auf der Lechfeldstraße, unter die Räder zu kommen. Dies betrifft durchaus auch zahlreiche Kinder und Eltern, die am Morgen und Mittag zu Fuß unterwegs sind – zum und vom Kindergarten.

Dies kann kein ernst gemeinter und verantwortungsvoller Vorschlag sein.

Vielmehr sollte möglichst zügig ein Geschwindigkeits-Messgerät installiert werden, das zu schnelles Fahren mit Konsequenzen ahndet. Die jetzigen Anzeigen sind nett – und die Bedeutung von nett ist hinlänglich bekannt.

Ich wünsche mir von unserem Gemeinderat eine verantwortungsvolle Entscheidung, die endlich die Sicherheit auf der Lechfeldstraße herstellt. Hierzu muss von der Gemeinde dafür gesorgt werden, dass Kleinaitingen und die Lechfeldstraße unter die offizielle Verkehrsüberwachung fällt, was offensichtlich ein langwieriger Prozess ist. Und solange dies nicht gelöst ist, sollten wir keinesfalls auf die „Verkehrswächter“ verzichten.

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