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Katholiken

16.05.2015

Aha-Erlebnisse (nicht nur) bei Amazon

Amazon-Mitarbeiter Franz Golder erläutert Weihbischof Losinger, wie der Handscanner seine Wege durch das Lager von Amazon steuert.
Bild: Hermann Schmid

Auf dem Lechfeld lernt Weihbischof Anton Losinger Internethandel und soziale Projekte kennen

Gleich mehrere Aha-Erlebnisse gab es gestern für Weihbischof Dr. Anton Losinger bei seiner Visitation der Pfarreiengemeinschaft Lechfeld. Dass der dortige Internethändler Amazon – wie Losinger in einer Gesprächspause rasch über sein Smartphone ermittelte – 21 Publikationen von ihm anbietet, ist dabei eine nette Fußnote.

Der in Theologie und Wirtschaftswissenschaften promovierte Weihbischof erfuhr aber auch, wie sich einige der Themen, mit denen er sich in wissenschaftlichen Arbeiten, in Gremien und zwei Ethikräten beschäftigt, im Alltag der Bürger anfühlen. So erläuterten die Verantwortlichen beim Sozialprojekt „Wir – daheim in Graben“, wie Ehrenamtliche vor allem älteren Mitbürgern helfen, länger in ihrer vertrauten Umgebung leben zu können.

Sie bieten Fahrdienste, Hilfen im Haushalt – und seit Kurzem auch Unterstützung für Bürger, die demente Angehörige pflegen. Oft gehe es darum, Menschen über Beratungs- und Hilfsangebote zu informieren, sagte Vera Lachenmaier, denn wer mit einem Problem konfrontiert sei, verliere den Überblick.

Angebote wie diese, so weiß Losinger aus einem aktuellen Papier des Ethikrats der Bundesregierung, können dazu beitragen, etwa bei Betroffenen den Wunsch nach organisierter Sterbebeihilfe zu senken. Aber nicht immer kommen solche Angebote an – nicht zuletzt, weil sich Menschen schämen, anderen ihre Notlage kundzutun. Bürgermeister Andreas Scharf konnte hier von einem Erlebnis berichten. Der Weihbischof erfuhr auch, dass sich Hilfe für Flüchtlinge nicht darin erschöpfen kann, ihnen Wohnraum und Kleidung zur Verfügung zu stellen. „Arbeit ist ganz wichtig, die Leute wollen was tun“, berichtete ihm Claudia Bauer vom Gräbinger Asylhelferkreis.

Auch der Asylhelferkreis profitiert von Amazon

Das sei nicht einfach, weil hier oft Verwaltungsregeln dagegenstehen. So wolle das Landratsamt mit Hinweis auf fehlenden Versicherungsschutz nicht, dass die Bewohner das Gras um das Pfarrhaus mähen.

Auch müsse man sich auf die Begegnung mit ganz anderen Kulturen einstellen, berichtete die Helferin, die auch Kontakt mit einer syrischen Großfamilie hält. Eine der Fragen war: Dürfen die Mädchen am Schwimmunterricht teilnehmen? Man habe dann im Internet die nötige, in arabischen Augen sittsame Badebekleidung gefunden, erzählt Bauer – bei Amazon.

Wie es der weltgrößte Internethändler schafft, ein so umfassendes Angebot parat zu haben und seine Kunden meist innerhalb eines Tages zu beliefern, das erfuhr Losinger gleich zum Auftakt seiner Visitation auf dem Lechfeld. Vieles habe man vor Ort auf Lager, anderes liege bei Herstellern oder Großhändlern, manche Produkte habe Amazon für andere Händler im Warenkatalog, erläuterte Standortleiter Ernst Schäffler, der den Weihbischof und seine Begleiter durch Lager und Versand führte. Nicht nur Organistin Elisabeth Lidl fiel dabei das sehr flotte Arbeitstempo auf. Man ermittle die Leistungsdaten jedes Mitarbeiters und vergleiche sie mit dem Durchschnitt, teilte Schäffler mit. Das gefalle nicht jedem, berichtete Betriebsrätin Sylwia Lech. Betriebsseelsorger Hans Gilg wollte wissen, warum Amazon ein eigenes Entlohnungssystem entwickle und nicht einen Tarifvertrag verbindlich übernehme. Schäffler skizzierte Grundlöhne, Zulagen, die Berufsunfähigkeitsversicherung, mögliche Prämien (bis zu acht Prozent eines Monatslohns) – und die jährliche Zuteilung von Amazon-Aktien als Jahreszahlung.

Das gefiel dem Weihbischof. Denn in seiner wirtschaftswissenschaftlichen Doktorarbeit hat er just die Beteiligung von Beschäftigen am Produktivvermögen thematisiert. Hier ein Beispiel in der Realität zu treffen, freute ihn sehr.

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