Königsbrunn

18.06.2015

Alles zu "Jetzt red i"

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4 Bilder

Die BR-Livesendung schafft Öffentlichkeit für Bürgeranliegen. Doch die Politiker präsentieren dafür selten klare Lösungen. Was dieser Abend für Wortführer und Zuhörer bringt.

Rund 520 000 Zuschauer verfolgten am Mittwochab 20.15 Uhr die Livesendung „Jetzt red i“ aus dem Trachtenheim – das ergibt sich aus der Einschaltquote von 7,2 Prozent, die der Bayerische Rundfunk (BR) gestern mitteilte. Damit liegt Königsbrunn „im Mittelfeld“ der Jetzt red i-Sendungen, wie Margot Waltenberger-Walte, die langjährige Leiterin der Redaktion Bürgersendungen, feststellt. In Königsbrunn und Umgebung lag sie mit Sicherheit höher.

Wie viele noch bis 21.30 Uhr im Internet die weiteren Wortwechsel verfolgten, konnten die Redaktion gestern nicht sagen. Weitere Aspekte rund um die Sendung:

Warum wurde nicht im Biergarten des Trachtenheims diskutiert?

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Für TV-Aufnahmen im Freien sind Tageslicht-Scheinwerfer nötig. Die Entscheidung über die Lichttechnik musste bereits am Montag fallen, der BR ging auf Nummer sicher. Auch das Gewitterrisiko war ein Argument: Bei Blitz und Donner hätte man die Sendung im Biergarten sofort abbrechen müssen.

Was lief in den Minuten vor der Liveübertragung ab?

Ab 19 Uhr dürfen die Bürger in den Saal im Trachtenheim. Gegen 19.30 Uhr ist auch Tilmann Schöberl vor Ort, spricht mit Redakteurinnen und einigen Bürgern. Er hat sogar noch die Muße für ein kurzes Interview. „Eine schöne Bandbreite von Themen“, kommentiert er die Auswahl für die Sendung. „Die müssen ja auch Bürger in anderen Orten interessieren.

Zwei bis drei Tage vorher habe er sich mit ihnen befasst. Weil er seit rund zehn Jahren die Bürgeranliegen bei „Jetzt red i“ anmoderiert, sei er ja mit vielen kommunalpolitischen Themen gut vertraut, sagt Schöberl.

Um 19.50 kommen die Kameraleute in den Saal, testen Fahrwege eines Stativs und machen Probeaufnahmen. Pech für Sabine Hämmer. Weil ihr in kräftigem Rot gehaltenes Dirndl in der elektronischen Bildaufzeichnung flimmert, wird sie gebeten, von ihrem Platz ganz vorne auf der Bühne des Saales nach hinten zu wechseln. SPD-Stadtrat Florian Kubsch kann nach vorne rücken. Weil er nun hinter Moderator Bönte sitzt, ist er häufig im Bild.

Kurz vor 20 Uhr beginnt Schöberl mit der Aufwärm-Ansprache. Schlagartig verstummen die Unterhaltungen an den Tischen. Er dämpft die Erwartungen: „Ob man immer eine Lösung findet in 45 bis 75 Minuten, das weiß ich nicht – aber wichtig ist, einen Stein ins Wasser zu werfen.“

Er erinnert daran, Handys aus oder in Flugmodus zu schalten – und löst eine Lachsalve aus, als er darauf hinweißt: „Das ist eine Live-Sendung. Wer nicht mit dem ,Hauptpartner‘da ist, der kann sich jetzt noch umsetzen.“ (Niemand tut das.)

Die Minister kommen an ihr Stehpult im Saal. Dann ist die Abspann-Melodie von „Dahoam is dahoam“ zu hören, ein Hinweis auf weitere BR-Sendungen des Abends ... die Live-Übertragung beginnt.

Wie kamen die unerwarteten Themen Lech-Radweg und Gebäude-Brüter in die Sendung ?

Neben den Hauptthemen „Flüchtlinge in Turnhallen?“, „Belastung durch Straßenausbaubeiträge“, „Protest gegen die geplante Osttangente“ und „Mindestlohn für Fußballer?“ wurde vor 21 Uhr, also in der TV-Übertragung, noch ein Appell von Stefan Höpfel, dem Kreisvorsitzenden vom Bund für Vogelschutz aus Gersthofen, präsentiert: Er bittet um mehr Rücksicht auf Vögel, die an Gebäuden brüten.

Eine gute Vorlage für Umweltministerin Ulrike Scharf, die den Einsatz ihres Ministeriums für Artenschutz unterstreicht. Dieses Thema habe eine Mitarbeiterin der Redaktion angeregt, erläutert Margot Waltenberger-Walte und fügt hinzu: „Minister kommen nur dann in die Sendung, wenn es mehrere Themen für sie gibt.“

Was gab es noch Wichtiges im Internet-Livestream?

Ab 21 Uhr kommen noch vier Themen zur Sprache. Heidemarie Schmidt-Aßmann schildert ihren mehr als 30-jährigen Kummer mit hohem Grundwasserstand, der ihr Haus und etwa 300 weitere im Osten der Stadt erheblich beeinträchtige. Ihrer Forderung nach Entschädigung erteilt Umweltministerin Scharf eine klare Absage: „Das Wasserwirtschaftsamt hat hier immer warnend darauf hingewiesen.“

„Eine Falschaussage!“, kontert die Bürgerin, 1965 sei die „Unbedenklichkeit“ bescheinigt worden. Laut Genehmigungsbescheid müsse aber der Betreiber der Staustufen die durch sie ausgelöste Nachteile kompensieren. Die Ministerin hält sich bedeckt, wie weit sich der Freistaat hier engagieren will.

Zudem wird noch eine Lücke in der Radwege-Trasse am Lech entlang moniert, über klare Regeln für die Bezeichnung „Betreutes Wohnen“ diskutiert und das Problem dargestellt, das fehlender Kies im Lech verursacht.

Bei welchem Themen will der BR nachhaken?

Bei Straßenausbaubeitragssatzung, der geplanten Osttangente, den Lösungen für den Grundwasser-Hochstand und den Naturschäden durch den Schwellbetrieb der Wasserkraftwerke will BR am Ball bleiben, kündigt Redaktionsleiterin Margot Waltenberger-Walte an.

Was geschah, als die Kameras abgeschaltet waren?

Bürger und die im Saal anwesenden Politiker suchen das Gespräch mit den Ministern. Joachim Herrmann etwa wird mit weiteren Argumenten für die geplante Osttangente (von Kissings Bürgermeister Manfred Wolf), für eine andere Trassenführung (von den Bürgermeistern Franz Feigl und Gerhard Mössner) und gegen sie (von engagierten Bürgern) versorgt. Auch die beiden Ministerinnen Ulrike Scharf und Emilia Müller sind in Gespräche vertieft. Als Herrmann gegen 22 Uhr das Trachtenheim verlässt, stellt er gegenüber unserer Zeitung fest: Er habe jetzt ein besseres Verständnis für die unterschiedlichen Interessenslagen bei den verschiedenen Abschnitten der Osttangente.

Wer verließ als letzter den Saal im Trachtenheim?

Bürgermeister Franz Feigl (nur das Service-Team vom Trachtenheim war noch da). Feigl hat noch mit Umweltministerin Ulrike Scharf gesprochen, als die beim Abschminken war. Danach muss er noch Fragen des AZ-Redakteurs beantworten. Gegen 22.30 Uhr ist dann ein nicht alltäglicher Arbeitstag zu Ende.

Mehr Bilder von „Jetzt red i“ gibt es hier.

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