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01.10.2007

Als Journalisten Artikel noch mit der Schreibmaschine tippten

Das ist einmalig und wird es vielleicht auch bleiben: Manfred Ortlieb aus Klosterlechfeld ist seit 50 Jahren Mitarbeiter der Schwabmünchner Allgemeine und damit der treueste Berichterstatter aller Zeiten.

"Dabei war mein Einstand am 1. Oktober 1957 eher ärgerlich: Unsere Fußballer vom TSV Klosterlechfeld machten kurz nach der Neugründung ihr erstes Fußbalspiel gegen den TSV Schwabmünchen und verloren satt mit 1:8", erinnert sich Ortlieb, der noch genau weiß, wie schwierig die Arbeitsbedingungen damals waren: "Zuerst machte ich mir Notizen von Hand, dann schrieb ich alles mit der Schreibmaschine, meist in mehreren Fassungen, weil man immer wieder Änderungen hatte, und dann musste der Artikel irgendwie nach Schwabmünchen, im Notfall mit dem Fahrrad, wenn ihn niemand abholte. Das war alles sehr schwierig."

Doch Ortlieb verfasste mehr als Fußballberichte. Er erstellte auch für vier Spielklassen die Tabellen: "Das war eine endlose Telefoniererei, bis man alle Ergebnisse richtig zusammen und errechnet hatte", weiß der damalige Bundesbahnbeamte noch heute. Meistens setzte er auch noch seine Mutter und seine Frau zusätzlich ein, um alles zu schaffen, denn Ortlieb tanzte damals schon auf mehreren Hochzeiten: "Ich spielte selbst Fußball, war Schiedsrichter, Schüler- und Jugendleiter, Schriftführer im TSV und so manches mehr. Da wurde die Zeit schon knapp."

Doch einen Vorteil hatte die gute alte Zeit doch. Alles war viel gemütlicher, denn die Tabellen vom Wochenende erschienen frühestens am Dienstag oder Mittwoch.

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Die Dessous-Show war dann doch nicht das Richtige für ihn

Rund 30 Jahre erstellte Ortlieb Tabellen und schrieb Sportartikel. Dann, als Pensionär, stieg er auch in die lokale Berichterstattung ein, in seiner geliebten Heimatgemeinde, aber auch im gesamten Verbreitungsgebiet der Schwabmünchner Allgemeinen.

"Am liebsten schrieb ich über Goldene Hochzeiten und hohe Geburtstage. Was man von den Jubilaren an interessanten Dingen alles erfahren konnte, unglaublich."

Ortliebs Lieblingsthema ist allerdings alles, was mit Klosterlechfeld und der Wallfahrtskirche zusammenhängt. "Die 400-Jahrfeier war einfach ein grandioses Fest." Der Rentner war beinahe für alle Themen zu begeistern.

Abgelehnt hat er einen Auftrag eigentlich sehr selten: "Aber eine Dessous-Show ging mir dann doch zu weit." Die Zeit raste dahin, die technischen Veränderungen auch. Ortlieb machte sie alle mit. Inzwischen ist er voll online und digitalisiert. "Wenn man sich erst einmal auskennt und eine Art Festplatte im Kopf hat, dann macht die moderne Technik vieles einfacher, allerdings auch wesentlich hektischer. Der Termin ist noch gar nicht ganz aus, dann sollen Text und Bilder schon in der Redaktion sein."

Das Schreiben behielt aber für den 3. Bürgermeister und Vereinsvorsitzenden immer seinen Reiz: "Man kann der Bevölkerung viele interessante Themen über die Heimat näher bringen. Das macht Spaß", so der Klosterlechfelder. Über seinen letzten Bericht denkt er noch lange nicht nach: "Solange ich gesund bleibe, mache ich begeistert weiter."

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