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Bobingen

16.05.2018

Am Galgenberg mussten auch Köpfe rollen

Burgwalden ist zwar ein abgeschiedener Ort, zieht aber das ganze Jahr über Ausflügler an. Vor 500 Jahren war er Zentrum der regionalen Gerichtsbarkeit.

Der Mai bringt Burgwalden historische Tage. Vor 500 Jahren wurde  der Ort Sitz der hohen Gerichtsbarkeit. Vor 200 Jahren wurde eine Freundschaft amtlich.

Dieser Mai ist für Burgwalden ein besonderer, historischer Monat – und der heutige Tag erst recht. Darauf haben Lorenz Schreiber und Gottfried Dörner vom örtlichen Historienteam aufmerksam gemacht. Sie berichten: Vor 200 Jahren kam Burgwalden als sogenannter Beiort zu Reinhartshausen und vor 500 Jahren wurde hier die hohe Gerichtsbarkeit samt Galgen eingerichtet.

Mit Reinhartshausen im Bund

An diesem Donnerstag, 17. Mai, sind exakt 200 Jahre vergangen, seit Burgwalden 1818 auf Erlass des Bayernkönigs Maximilian I. Joseph als Beiort zur Gemeinde Reinhartshausen kam. Seit 1301 lagen beide Ansiedlungen in der Markgrafschaft Burgau und waren Teil des habsburgerischen Vorderösterreich. Erst nach der Schlacht von Austerlitz von 1805 – auch Dreikaiserschlacht genannt, welche der russische Zar Alexander I. und der österreichische Kaiser Franz II. gegen den französischen Kaiser Napoleon I. verloren – kam die Markgrafschaft Burgau im Preßburger Frieden zum neuen Königreich Bayern. Die Markgrafschaft Burgau und auch die Besitzungen des Reichsfürsten Anselm Maria Fugger-Babenhausen wurden fortan der Landeshoheit des bayerischen Königs unterstellt.

Seit über zwei Jahrhunderten gibt es diese immer noch währende, besondere Verbundenheit der Burgwalder zu den Reinhartshausern und umgekehrt. Bis Mitte der 1960er-Jahre ging man in Reinhartshausen gemeinsam zur Schule und erledigte dort gemeindeamtliche Angelegenheiten – bis zur Eingemeindung 1972 in die Stadt Bobingen. Bis heute gehört Burgwalden zur Pfarrgemeinde Reinhartshausen. Man besucht gemeinsam die Messe, feiert zusammen Kirchen- und Vereinsfeste und Burgwalder sind Mitglied in zahlreichen Reinhartshauser Vereinen.

Entscheidung über Leben und Tod

Im Mai 1518, also vor genau 500 Jahren, wurde der reiche Augsburger Kaufmann und Patrizier Ambrosius Hoechstetter von Burckwalden, seit 1503 Besitzer, Schlosserbauer und Namensgeber von Burgwalden, von Kaiser Maximilian I. in den rittermäßigen Adelsstand erhoben und mit der hohen Gerichtsbarkeit, dem sogenannten Blutbann betraut. Das heißt, ihm unterstand die Gerichtsbarkeit über Leben und Tod, und das für die ganze Markgrafschaft, also einen sehr großen Teil von Nord- und Mittelschwaben. Aus der ganzen Region wurden Verurteilte nach Burgwalden zur Vollstreckung von Todesurteilen gebracht. Dafür war in Burgwalden ein Dreifachgalgen errichtet worden. Auf der Richtstätte im Süden, dem heutigen Galgenberg, wurden in den folgenden 250 Jahren Menschen durch Strang oder Schwert hingerichtet. Der letzte von ihnen war der 45-jährige Mesner Martin Hofer aus Reinhartshausen. Wegen Verbrechen wie vielfachem Ehebruch, blutschänderischem Lebenswandel, außerehelichen Kindern, Opferstockaufbrüchen und anderem mehr fand er 1761 auf der Richtstätte in Burgwalden den Tod durch das Schwert. (LoGo)

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