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Graben

16.12.2020

Amazon-Streik: Kommen Weihnachtsgeschenke später?

Der Parkplatz ist voll: Am Montagmorgen war bei Amazon in Graben nicht viel vom Streik zu sehen.
Bild: Piet Bosse

Plus Ab Montag streiken Mitarbeiter des Amazon-Standorts in Graben für mehr Weihnachtsgeld und bessere Hygienestandards. Kommen die Geschenke jetzt noch rechtzeitig an?

Am Montagmorgen ist vor dem Logistikzentrum des Versandriesen Amazon in Graben alles wie immer. Der Parkplatz ist voll, vor den Toren wachen Mitarbeiter in Warnwesten, auf dem abgezäunten Gelände fahren Transporter. Von einem Streik, wie ihn die Gewerkschaft Verdi ab Montag angekündigt hatte, ist in Graben auf den ersten Blick nichts zu sehen. Durch Corona ist alles anders.

Die Mitarbeiter streiken von zu Hause aus. Das teilt Sylwia Lech mit. Sie ist die Gewerkschaftssekretärin für den Handel im Bezirk Augsburg. „Die Beteiligung ist enorm. Wir bekommen Zuwachs und Dankesschreiben von Neumitgliedern.“ Jeder Streikende muss Verdi per Post oder online darüber informieren, um Lohnersatzzahlungen zu bekommen. „Sie müssen uns mitteilen, an welchen Tagen sie sich am Streik beteiligen und wie viel Stunden Verdienstausfall sie haben.“ Wie lange der Streik dauert, verrät Lech nicht: „Diesmal wird es eine Überraschung.“

Amazon liefert Weihnachtsgeschenke pünktlich

Das Weihnachtsgeschäft bei Amazon beeinflusst der Streik aber nicht. „Da ist alles im grünen Bereich“, sagt Michael Schneider von Amazons Öffentlichkeitsarbeit. „Alles, was wir da haben, können wir ganz normal liefern.“ Die Weihnachtsgeschenke kommen also pünktlich. Um den gestiegenen Aufwand der Vorweihnachtszeit zu bewältigen, stellt Amazon jedes Jahr ungefähr 500 Saisonkräfte ein.

Darauf, dass der Arbeitsdruck gestiegen sei, bezieht sich auch Sylwia Lech und prangert die Hygienezustände im Logistikzentrum an. Auf den Toiletten sei es den Mitarbeitern nicht immer möglich, sich an die Hygienevorschriften zu halten. Amazon widerspricht: Bereits am Eingang des Zentrums werde die Temperatur aller Mitarbeiter gemessen, es gelte ein Mindestabstand von zwei Metern und die Toiletten würden sechsmal am Tag gereinigt, sagt Schneider.

Die Gewerkschaft fordert weiter einen Tarifvertrag bei Amazon

Vor einigen Wochen hatten Amazon-Mitarbeiter für einen Tarifvertrag gestreikt, für Lech ist das noch immer ein großes Thema: „Wären die Beschäftigten Amazon tatsächlich etwas wert, würden sie den Tarifvertrag unterschreiben und dauerhaft mehr zahlen.“ Schneider entgegnet, dass die Mitarbeiter eine Aktie erhalten. „Das hat man im klassischen Tarifvertrag nicht.“ Ab zwei Jahren Betriebszugehörigkeit gibt es die Aktie jedes Jahr. Amazons Einstiegslohn liege bei 12,12 Euro pro Stunde. „Nach zwölf Monaten Betriebszugehörigkeit geht er hoch und nach 24 Monaten nochmal. Nach zwei Jahren liegt der Lohn bei 14,51 Euro.“ Dazu kämen in Graben Extras von ungefähr sechs Prozent, zuzüglich Boni, Weihnachtsgeld und einer Mitarbeiteraktie. „Damit kommt man auf ungefähr 2.800 Euro brutto im Monat“, sagt Schneider. Hinzu kommen Extrazahlungen von zwei Euro pro Stunde in der Corona-Krise. Diese Zahlung bekamen die Mitarbeiter von März bis Mai und erhalten sie auch im Dezember. Im Weihnachtsgeschäft sei dieser Bonus nicht ungewöhnlich. Im Dezember bekommen die Mitarbeiter außerdem 300 Euro, wenn sie mindestens einen Tag arbeiten.

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