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Landtagswahl

15.10.2018

Analyse: Diese Kommunen stechen beim Ergebnis hervor

Wo geht’s lang? da geht’s lang... Die Wähler haben den Politikern den Weg gewiesen. Wer sich die Ergebnisse der Landtagswahl im Stimmkreis Augsburg-Land-Süd näher betrachtet, findet manche Besonderheit.
Bild: Veronika Lintner

Die Ergebnisse der Landtagswahl stehen fest. In welchen Gemeinden die Parteien besonders gut oder schlecht abschneiden und wie Politiker dies beurteilen.

Nur eine Partei sah sich bei der Landtagswahl in Bayern am Sonntag als Verlierer: die SPD. Die meisten anderen Parteien und deren Spitzenpolitiker fühlten sich als Gewinner: Die CSU hob den Regierungsauftrag durch die Wähler hervor, obwohl sie Verluste im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen musste. Die Grünen feierten ihren Erdrutschsieg, die Freien Wähler hoffen auf eine Regierungsbeteiligung und die FDP zeigte sich erfreut über den knappen Wiedereinzug in den Landtag. Die AfD sah sich ebenfalls als Gewinner, obwohl sie deutlich hinter den prognostizierten Werten zurückblieben. Und auch die Linken, die den Einzug in den Landtag deutlich verpassten, sahen sich wegen des Stimmenzuwachses im Aufwind. Doch wie beurteilen Politiker in der Region die Wahl und welche Gemeinden stechen mit ihrem Ergebnis hervor.

CSU: Nur einmal die absolute Mehrheit

Die CSU hat in allen Gemeinden in unserem Verbreitungsgebiet an Stimmen verloren, am Dramatischsten war der Absturz in Mittelneufnach. Knapp 20 Prozentpunkte verlor sie dort an Zweitstimmen und landete bei 44,7 Prozent. Dies ist aber immer noch das zweitbeste Ergebnis der CSU, nur in Scherstetten schnitt sie besser ab. Mit 53,3 Prozent reichte es dort sogar zur absoluten Mehrheit. Am schlechtesten lief es für die CSU in Königsbrunn und Oberottmarshausen, wo sie weniger als 35 Prozent erreichte. „Das Ergebnis geht in Ordnung, wir liegen im Landesdurchschnitt“, sagt Oberottmarshausens CSU-Bürgermeister Gerhard Mößner, der zugleich Ortsvorsitzender des Ortsverbandes Kleinaitingen-Oberrotmarshausen ist. Er will keine Schuldzuweisungen machen, sagt aber, dass man „vor Ort nicht alles heilen kann“. Ein klarer Fingerzeig Richtung Berlin. Sein Amtskollege Simon Schropp (CSU) aus Untermeitingen war mit dem Ergebnis von 37 Prozent – sowohl in ganz Bayern als auch in seiner Gemeinde – erleichtert. „Wir haben zurecht ein blaues Auge bekommen“, aber es hätte schlimmer kommen können. Den Berliner „Schwesternkampf CSU/CDU“ habe man vor Ort gespürt, so Schropp. Mit den Koalitionsmöglichkeiten könne er gut leben.

Grüne sind überall zweistellig

Ein möglicher Koalitionspartner sind die Grünen, sie erreichten im Stimmkreis Augsburg-Land Süd bei den Zweitstimmen 16,5 Prozent. In unserem Verbreitungsgebiet waren sie in jeder Gemeinde im zweistelligen Bereich. Spitzenreiter ist Königsbrunn mit 17 Prozent, am Ende rangieren Scherstetten und Hiltenfingen mit 11,3 beziehungsweise 11,5 Prozent. Für Klosterlechfelds Bürgermeister Rudolf Schneider kommt der Erfolg der Grünen wenig überraschend: „Die Grünen haben massiv Themen besetzt, die man von etablierten Parteien erwartet. Die Menschen machen sich Sorgen um die Umwelt, auch die Themen Landfraß und Diesel spielen eine große Rolle.“

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Freie Wähler in Oberottmarshausen besonders stark

Drittstärkste Kraft im Landtag und auch in unserem Stimmkreis sind die Freien Wähler. In der Region kommen sie auf mehr als 13 Prozent der Zweitstimmen und erreichen wie die Grünen überall ein zweistelliges Ergebnis. Während es in Scherstetten „nur“ 10,8 Prozent sind, sind es beim Spitzenreiter Oberottmarshausen mehr als doppelt so viel – und zwar 22,1 Prozent. Für Bürgermeister Mößner ist deren gutes Ergebnis keine Überraschung, fünf der 13 Gemeinderäte gehören den Freien Wählern an: „Der Ortsverband ist sehr gut organisiert. Es wird sich jetzt zeigen, falls sie an der Regierung beteiligt sind, wie gut sie Realpolitik machen.“

AfD ist in Scherstetten am Schwächsten

Mehr als elf Prozent der Zweitstimmen entfielen im Stimmkreis 705 auf die AfD. In fast allen Gemeinden erreichte die Alternative für Deutschland zweistellige Werte, in Scherstetten waren es nur etwas mehr als sieben Prozent. Den höchsten Anteil gab es für die AfD in Kleinaitingen, wo sie mit fast 16 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CSU war.

SPD erreicht in Walkertshofen weniger als vier Prozent

Im Vergleich zu 2013 stimmte weniger als die Hälfte der damaligen SPD-Wähler für die Arbeiterpartei. Nur noch 9,5 Prozent der Stimmen gab es für die SPD, selbst in der ehemaligen Hochburg Bobingen kam die Partei auf nur noch 12,4 Prozent. Zum Vergleich: 2013 waren es noch 24,2 Prozent. Noch erschreckender sind die Ergebnisse aus Walkertshofen und Mittelneufnach: Die SPD würde dort mit 3,9 beziehungsweise mit 4,7 Prozent den Einzug in den Landtag verpassen. „Das kann einem Demokraten nicht gefallen“, sagt selbst CSU-Bürgermeister Mößner. Schropp zeigte sich vom drastischen Stimmenverlust der SPD überrascht, Schneider bezeichnete es als ein „vernichtendes Ergebnis für die Sozialdemokraten“. Die „große Politik in Berlin“ habe der Partei im Landkreis massiv geschadet.

FDP hat am meisten Rückhalt in Graben

Der Einzug in den Landtag gelang der FDP, allerdings konnte sie im Stimmkreis nur selten die Fünf-Prozent-Hürde überspringen. Dies gelang am besten in Graben (5,7 Prozent), außerdem noch in Hiltenfingen, Königsbrunn, Untermeitingen und Wehringen.

Linke liegen immer unter fünf Prozent

Die Linke verpasste den Einzug in den Bayerischen Landtag und auch in der Region übersprang sie nirgends die magischen fünf Prozent. Am dichtesten davor war sie in Mickhausen mit 4,2 Prozent.

Die Plakate sind bald wieder weg

Der Landtag werde laut Schneider bunter und demokratischer. Und noch was freut den Bürgermeister: „Ich bin froh, dass mein Ort bald wieder entplakatiert wird“, sagt er und lacht.

Die CSU-Direktkandidatin Carolina Trautner holte in Walkertshofen 43,9 und nicht wie irrtümlich berichtet 73,9 Prozent der Stimmen.

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