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Musik

21.03.2019

Andalusisches Feuer im Kulturzentrum

Ricardo Volkert (rechts) brachte mit der Tänzerin La Picarona und dem Cellisten Jost H. Hecker andalusisches Lebensgefühl nach Graben.
Bild: Hieronymus Schneider

„Geschichten aus dem Süden“ entführen in die magische Welt der Gassen und Strände im Süden Spaniens

Das war ein ganz besonderer Abend, den das Trio Ricardo Volkert mit rassiger Flamencogitarre, Jost Hecker mit virtuosem Cello und die Tänzerin La Picarona dem Publikum im Gräbinger Kulturzentrum boten.

Die andalusischen Lieder und die Geschichten dahinter wurden von Ricardo Volkert so lebendig erzählt und dann spanisch gesungen, als hätte er sie selbst erlebt. Seinen Gesang mit markanter Stimme und sein virtuoses Gitarrenspiel begleitete Jost Hecker grandios einfühlsam auf seinem Violoncello. Mit kabarettistischer Mimik und gelegentlichem Begleitgesang setzte Hecker Akzente. Die grazile Tänzerin La Picarona brachte temperamentvollen Flamenco auf die Bühne oder begleitete die Lieder mit rhythmischem Klatschen, manchmal sang sie auch mit.

Da waren es Gedichte von Federico Garcia Lorca aus Granada wie die traumwandlerische Zigeunerromanze, als er verwundet heimkehrte oder das Gedicht von Pablo Neruda „Spanien im Herzen“, welche die sozialen Gräben des Bürgerkriegs in den 1930er-Jahren offenbarten. Nach diesen eher düsteren Melodien sang Ricardo Volkert das von ihm vertonte Gedicht von Raffael Alberti „Der Seemann auf dem Lande“, der von einer schönen Meerjungfrau träumt.

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Bei der schwungvollen klassischen Rumba Flamenca aus den 1960er-Jahren mit dem Namen „Caramba Carampita“ durfte auf Spanisch über eine enttäuschte Liebe geflucht werden, um danach wieder eine andere große Liebe mit „La Plaqua, für einen Kuss von dir täte ich alles“ anzuhimmeln. Die Geschichte von zwei Brüdern, die sich ein Duell in der Sonne liefern, weil jeder der bessere Torero sein möchte, rührte die Zuhörer ebenso wie die traurigen Liebeslieder aus einer Kaffeeplantage in Kolumbien. Einen hinreißenden Tango Flamenco zelebrierte La Picarona beim Lied über „El Hallodrio“, dessen Freundin Katharina seine Sachen aus dem Fenster wirft.

Mit einem weiteren von Ricardo Volkert vertonten und komponiertem Gedicht des chilenischen Dichters und Kämpfers gegen den Faschismus, Pablo Neruda, „Alles kannst du mir nehmen, nur nicht mein Lachen“, beendete das Trio sein Programm und begeisterte das Publikum nach diesem Lied für düstere Stunden mit einer herrlichen, fröhlich-verrückten Rumba aus der spanischen Pop- und Rock-Szene.

Grabens Bürgermeister Andreas Scharf brachte es auf den Punkt, als er bei der Verleihung der obligatorischen Gräbinger Schweißtücher sagte: „Wer diesen Abend versäumt hat, ist selber schuld.“ Das Trio war 2014 schon einmal zu Gast in Graben und begeisterte das Publikum mit Leidenschaft. Ihre Auftritte in der Region finden sich im Internet unter www.ricardo-volkert.de.

Der gebürtige Münchner Ricardo Volkert studierte ab 1984 klassische Gitarre auch in Almeria/Andalusien. Der vielbegehrte Cellist Jost H. Hecker begleitet ihn seit Jahren bei Auftritten in ganz Bayern und auch in Andalusien. Die Tänzerin La Picarona hat den Flamencotanz in München, Jerez, Sevilla und Madrid studiert und tritt professionell in verschiedenen Ensembles von München aus auf.

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