Schwabmünchen/Bobingen

06.08.2015

Atemlos in der Wertach

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Christian Burkhard und sein Sohn kontrollieren die Temperatur im Fischteich. 19 Grad wären ideal, aufgrund des Wetters steigt das Thermometer aber auf bis zu 26 Grad. Die Belüftungsanlge links im Bild schaufelt frischen Sauerstoff ins Wasser.
Bild: Matthias Schalla

Den Fischen geht bei den hohen Temperaturen langsam die Luft aus. Vereine führen den Teichen zwar Sauerstoff zu, doch in einigen Gewässern ist die Lage bereits dramatisch.

Die Sonne brennt vom Himmel, die Temperaturen klettern jenseits der 30 Grad und jede Bewegung lässt den Schweiß rinnen. Da wäre eine kleine Abkühlung gerade recht. So mancher schaut bei dieser Hitze vielleicht ein wenig neidisch auf die Fische, die sich in den kühlen Fluten erfrischen. Doch weit gefehlt. Denn: Im Wasser ist ob der hohen Temperaturen zu wenig Sauerstoff. „Die Situation an der Wertach ist mittlerweile dramatisch“, sagt Günter Oßwald, Vorsitzender des Fischereivereins Bobingen. Und im Paintensee Schwabmünchen sind sogar bereits die ersten toten Fische aufgetaucht.

„Mit zunehmender Temperatur nimmt die Speicherfähigkeit des Wassers für Sauerstoff ab“, erklärt Johannes Schnell vom Landesfischereiverband Bayern. Dadurch können die Tiere regelrecht in Atemnot geraten und gar sterben. Die einzige Lösung: Externer Sauerstoffzufuhr, so wie es auch aktuell die Fischereivereine in der Region praktizieren. „Wir lassen daher bereits seit etwa einem Monat rund um die Uhr an unseren Teichen die Belüfter laufen“, erklärt Oßwald. Diese Geräte funktionieren in etwa wie ein riesengroßer Mixer, der das Wasser umwälzt und so frischen Sauerstoff zuführt.

Diese Maßnahme ist allerdings aufgrund der hohen Stromkosten nicht nur sehr kostenintensiv, sondern auch nur bedingt wirksam. „Für Abkühlung sorgen die Belüfter nicht, dafür müsste frisches Wasser beispielsweise aus dem Quellbach zugeführt werden“, sagt Oßwald. Dies würde jedoch das Wasserwirtschaftsamt in Donauwörth nicht erlauben.

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In den Bobinger Zuchtteichen hat sich das Wasser daher auf mittlerweile 26 Grad erwärmt. Ideal wäre jedoch eine Temperatur von etwa 19 Grad. Dass es bislang noch kein großes Fischsterben in Bobingen gegeben hat, liegt an zwei Faktoren. Zum einen tummeln sich in den Teichen Regenbogenforellen, die resistenter als die Bachforellen sind. „Und zum andern haben wir bereits im Frühjahr beim Besatz darauf geachtet, dass wir weniger Fische einsetzen“, sagt Oßwald. Dank dieser prophylaktischen Maßnahme brauchen sich nun in den heißen Tagen weniger Fische den knappen Sauerstoff teilen.

Problematisch ist die Situation jedoch im Paintensee Schwabmünchen und an der Wertach, wo der Verein eine 2,5 Kilometer lange Strecke besitzt. Hier haben sich in den vergangenen Tagen ebenfalls aufgrund der hohen Temperaturen Algen gebildet, die dem Wasser nun zusätzlich den ohnehin schon knappen Sauerstoff entziehen.

„Die Fische sind nicht dumm“, erklärt Johannes Schnell, der Referent für Fischerei, Gewässer und Naturschutz beim Landesfischereiverband Bayern. Steigt die Temperatur im Wasser, würde der Fisch instinktiv Ausweichmöglichkeiten suchen. Doch diese sind im noch nicht renaturierten Bereich der Wertach knapp. „Und da der Fisch seine Körpertemperatur nicht regulieren kann und sich der Umgebung anpasst, wird die Stoffwechselleistung umso höher, je wärmer das Wasser wird“, sagt Schnell. Dies führt letztendlich zu einem tödlichen Kreislaufkollaps.

Ein gutes Beispiel, um dem Fischsterben entgegenzuwirken, sei aber der Bereich nördlich von Inningen. „Das Projekt ,Wertach vital’ ist geglückt“, lobt Schnell. Hier findet der Fisch unter anderem dank der Uferausweitungen auch im Sommer schattige Plätzchen und kann durchschnaufen.

Mit Sorge beobachtet auch der Fischereiverein Schwabmünchen die Wetteraussichten. „Glücklicherweise sind unsere Gewässer noch nicht von akutem Saustoffmangel betroffen“, sagt Gerhard Wurm. So werde der Kaiserweiher durch Grundwasser gespeist, die Scharlach und Singold sind fließende und ausreichend tiefe Gewässer und bieten den Fischen noch genügend Luft zum Atmen.

Auswirkungen hat das warme Sommerwasser aber auch auf die Sportfischer. „Normalerweise sind die Fische bei wärmeren Wetter beißfreudiger, da sie dann auch mehr Nahrung aufnehmen“ erklärt Schnell. Wird es aber zu heiß, stelle der Fisch seine Nahrungsaufnahme komplett ein. Angler und Fische sehen sich daher nun gleichsam nach etwas Abkühlung. Doch ein Blick auf die Internetseite von wetter.com macht wenig Hoffnung. In den kommenden 14 Tagen soll das Thermometer immer wieder die 30-Grad-Marke knacken.

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