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Königsbrunn

22.01.2020

Auf lustigen Pfaden durch den Paragrafendschungel

Kabarettist Werner Koczwara zeigte in der Kleinkunstbühne, dass die Juristerei auch Spaß machen kann.
Foto: Regina Elias

Kabarettist Werner Koczwara zeigt in Königsbrunn, dass die Rechtsprechung recht unterhaltsam sein kann

Mit seiner juristischen Realsatire „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“ hat Kabarettist Werner Koczwara aus Schwäbisch-Gmünd in der restlos ausverkauften Kleinkunstbühne Königsbrunn für einen höchst unterhaltsamen Abend gesorgt.

Koczwara, der als einer der meistbeschäftigten Solokünstler des deutschen Kabaretts unterwegs ist, hatte seine Karriere als Autor bekannter TV-Sendungen gestartet, darunter auch „Wetten, dass…?“ oder die „Harald-Schmidt-Show“, bevor er begann, skurrile Klagen und Urteile auszugraben und daraus das „juristische Kabarett“ zu entwickeln. Mit scharfzüngigen Pointen und messerscharfen Attacken auf für Laien teilweise unsinnig wirkende Rechtsvorschriften bewies er in hohem Sprechtempo, dass trockene Rechtsprechung und schräger Humor oftmals ganz eng beieinander liegen.

Koczwaras Programm ist auch nach 20 Jahren noch aktuell

Auch wenn das Programm bereits seit knapp 20 Jahren gespielt wird, so büßt es dennoch nichts an Aktualität ein: Denn die Urteile und skurrilen Stilblüten etlicher Gesetzestexte, über die Koczwara mit schwarzem Humor urteilte, existieren tatsächlich. Ein Beispiel: „Besteht ein Personalrat aus nur einer Person, so erübrigt sich die Trennung nach Geschlechtern.“ Um der Ernsthaftigkeit solcher oder ähnlich absurder Formulierungen Ausdruck zu verleihen, hatte Koczwara eine bunte Mischung an Gesetzen mitgebracht und zitierte daraus in rasanter Abfolge dozentenhaft und mit schwäbischer Selbstironie zahlreiche für den Verbraucher mehr oder weniger nützliche Urteile.

Höchst amüsant waren zum Beispiel seine Ausführungen über die Auslegung des Paragrafen 919 BGB, der festlegt, wie mit einem „verrückten Grenzstein“ zu verfahren ist. Auch der Paragraf 1314 BGB, der besagt, dass eine Ehe aufgehoben werden könne, wenn „ein Ehegatte bei der Eheschließung nicht gewusst hat, dass es sich um eine Eheschließung handelt“, dürfte für den einen oder anderen Betroffenen für neue Erkenntnisse gesorgt haben. Auf die Schippe nahm der Kabarettist auch den fraglos wichtigsten Paragrafen zum Erbrecht: „Erbe kann nur werden, wer lebt.“ Weiter führte er eine Erbrechtsbestimmung aus, die Priestern nicht gefallen dürfte: „Ist ein neues Testament vorhanden, ist das alte Testament ungültig.“

Dem Totschlag fehlt die Liebe zum Detail

Dank Koczwara lernte man in einfachem und nachvollziehbarem Deutsch, was der Unterschied zwischen Mord und Totschlag ist: „Totschlag ist ein typisches Schlechte-Laune-Delikt, von Mord hingegen spricht man dann, wenn die Tat lange geplant und mit viel Liebe am Detail vorbereitet ist.“

Koczwara versorgte das aufmerksame Publikum mit einer Fülle von Rechtsprechungen und Auslegungen: vom Reiserecht übers Strafrecht bis hin zum nordrhein-westfälischen Bestattungsgesetz. Nach anderthalb Stunden geballter Juristerei belohnten die vom Lachen immer noch gebeutelten Zuschauer den Kabarettisten mit einem ausgiebigen Applaus. Hinter der Bühne verriet der sympathische Satiriker auf die Frage, wie er sich auf seine mittlerweile fünf juristischen Kabarett-Programme vorbereitet habe: „Das Geheimnis der Komik besteht darin, dass man nichts von der Juristerei versteht.“ Für sein neues Programm, mit dem er in diesem Jahr Premiere feiert, beschäftigt sich Koczwara mit der Gehirnforschung, womit er bestimmt auch wieder für interessante Einblicke sorgen wird.

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