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Königsbrunn

16.01.2020

Aus Plastiktüten wird ein Meer gehäkelt

Alle häkeln, einer liest: Beim Stammtisch im Café Gingko werden Plastiktüten kunstvoll verarbeitet. Dazu gibt es Literatur auf die Ohren.
Bild: Andrea Collisi

Petra Fischer hat die Umweltschutz-Idee von Star-Regisseurin Doris Dörrie nach Königsbrunn gebracht. Mittlerweile gibt es nicht nur einen Stamm an Handarbeiterinnen, sondern auch Überraschungspakete für die Initiatorin

Seit zwei Monaten gibt es in Königsbrunn eine öffentliche Häkelrunde. Nicht ausschließlich, aber vorrangig Damen treffen sich derzeit jeden Samstag im Café Gingko und arbeiten fleißig an großen Quadraten. Sie haben dabei großen Spaß. Doch es geht hier nicht um warme Socken für die Füße, die begehrten Häkelmützen oder warme Westen. Nein, die Damen verhäkeln Plastik. Plastik, das sie zuvor in große Streifen geschnitten und dann zu Knäueln gewickelt haben.

Die Idee stammt von Star-Regisseurin Doris Dörrie

Initiiert hat es für Königsbrunn Petra Fischer. Sie hat ihrerseits im vergangenen Jahr an dem von der bekannten Regisseurin Doris Dörrie organisierten Kunstprojekt „MEERPLASTIK! Häkeln für den Umweltschutz“ in der Hochschule für Film und Fernsehen in München teilgenommen. „Wir ertrinken im Plastik. Plastik vermüllt unsere Meere und Plastik schwimmt inzwischen sogar in unserem Blut. Das muss aufhören“, so hatte Dörrie damals gefordert. Fischer hat das Projekt als stellvertretende Vorsitzende des AWO-Ortsvereins mit Dörries Erlaubnis nach Königsbrunn gebracht (wir berichteten).

Aus den Plastikquadraten wird am Ende ein großes Meer gebildet. Einige haben dafür auch schon Meerestiere wie Seepferdchen, Quallen oder Fische gehäkelt. Denn das Ganze soll dann auch in einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, zusammen mit Infos über die Plastikvermüllung weltweit. „Wir können nicht tatenlos zusehen, wir müssen handeln“, sagt Fischer.

Aus Plastiktüten wird ein Meer gehäkelt

In Königsbrunn kommt ein Weihnachtspaket voller Plastiktüten an

Die zweifache Mutter und ehemalige Lehrerin der Mittelschule Königsbrunn freut sich, dass neben einem Stamm von Häklerinnen auch immer wieder neue Menschen dazukommen. Oder über solche Überraschungen, wie sie es in letzter Zeit immer mehr erlebt: Fremde Menschen, die über die Aktion in unserer Zeitung gelesen oder anderweitig davon erfahren haben, bringen ihr Plastiktüten vorbei oder schicken sie ihr zu: So bekam Fischer um die Weihnachtszeit ein großes Paket per Post zugestellt, ganz voller Plastiktüten und freute sich.

Wenn ihr eigentlich fremde Menschen eine Karte zusenden und schreiben, sie hätten gerade Plastikmüll an der Nordsee eingesammelt und an sie und ihre Aktion gedacht, berührt Fischer das tief. Sie veranlasste eine Antwortkarte, bei der alle Damen gern unterschrieben. Natürlich werden während des Häkelns auch Tipps zur eigenen Plastikmüll- vermeidung ausgetauscht, besonders natürlich für Waren des täglichen Bedarfs. Dazu gehört beispielsweise das Duschgel mit Mikroplastikanteilen. Dass das früher gängige gute Stück einer qualitativen Seife nicht nur zur Plastikvermeidung beiträgt, sondern auch für den eignen Körper eine hervorragende Alternative darstellt, kommt dabei dann zur Sprache und die gegenseitigen Tipps machen die Runde.

Zu jeder Häkelrunde gehört die passende Literatur

Zur Häkelrunde gehört aber auch noch ein kleines Kulturevent. Während die einen häkeln, liest ein Mitglied der Runde vor. Bei allen Büchern handelt es sich um Romane, die am Meer angesiedelt sind oder wo Protagonisten damit zu tun haben, ganz gleich ob es Biografien, Krimis oder Dokumentationen sind. Dieses Mal las Florian Bachmayr. Der Referendar für Deutsch und Geografie, der über dieses Fach zum bewussten Umgang und Umweltschutz kam, las aus „Der Wolkenatlas“ von David Mitchell. Ausgesucht hatte der 25-Jährige es, „weil der Tagebuchroman in seinen unterschiedlichen Schreibstilen auch zu unterschiedlichen Zeiten angesiedelt ist – das fand ich spannend“. Die zuhörenden Strickerinnen wohl auch, denn der Applaus war ihm sicher.

Termin Der nächste Meerplastik-Stammtisch findet am Samstag, 18. Januar, von 16 bis 18 Uhr im Café Gingko statt. Marianna Haas liest aus dem Roman „Zwei alte Frauen“ von Velma Vallis.

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