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Königsbrunn

02.01.2019

Ausbruch aus dem Puppendasein

Täglicher Besuch im Hause Helmer durch den Freund Dr. Rank: (von links) Mikail Fischer, Janina Horn und Georg Noll.
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Täglicher Besuch im Hause Helmer durch den Freund Dr. Rank: (von links) Mikail Fischer, Janina Horn und Georg Noll.
Bild: Andrea Collisi

Die Königsbrunner Schauspiel-Truppe Dramalution zeigt mit  Ibsens „Nora oder ein Puppenheim“  nicht nur auf der Bühne Ausdrucksfähigkeit und Professionalität.

Eine Theateraufführung von Dramalution lässt man sich nicht entgehen – da kamen auch in den Weihnachtsferien sowohl zur Premiere wie am nächsten Tag kräftig Zuschauer und das Matrix war beides Mal fast vollständig besetzt.

Denn längst ist die Truppe unter Leitung von Dieter Ungelehrt und Angi Klecker bekannt für ihre engagierten Aufführungen und Inszenierungen von berühmten und sehr anspruchsvollen Theaterstücken, in denen Gesellschaftskritik transportiert wird. In den vergangenen sechs Jahren brachten sie dabei Großartiges hervor. Schon beim Bühnendebüt 2012 mit Oscar Wildes „Bunburry“ war dem aufmerksamen Zuschauer klar, das ist hier keine übliche Laienschauspieltruppe. Es folgten die unvergessene Inszenierung von Tschechovs „Kirschgarten“ oder die spektakuläre von Pawel Kohouts „August August“ im vergangenen Jahr, zu der sie sogar eine Circusarena mit Sägemehl als Kulisse nachbauten. Dazwischen zeigten sie, dass sie auch in englischer Sprache auftreten können wie vor vier Jahren in Christopher Durangs „Vanya and Sonia and Masha and Spike“.

Altes Stück mit aktuellem Thema

Jetzt ist es also Henrik Ibsens „Nora oder ein Puppenheim“, das vielfaches Staunen hervorbringt. Es ist dies ein Stück, das „seine Aktualität wohl nie zu verlieren scheint“, wie es im Programmheft heißt, das im Übrigen auch wieder sehr bemerkenswert mit begleitenden Informationen zum Theaterstück, Autor oder der Thematik der Emanzipation aufwartet. In solchen Details zeigt sich die Professionalität von Dramalution, genauso wie in der perfekten Kulisse oder den passenden Kostümen.

Im Stück geht es um die Entwicklung der Protagonistin Nora von der kapriziösen und naiven Frau des Herrn Advokat und künftigem Bankdirektor Helmer, der sie in allem einschüchtert. Dieser ermahnt und kontrolliert „seine Lerche“ oder „das Eichhörnchen“ die er als seinen Besitz begreift. Am Ende ist sie jedoch die kritische und geläuterte Persönlichkeit, die erkennt, dass sie wie eine Puppe gehalten wurde und selbst im Puppenheim auch mit den Kindern gelebt hat. Für ihren Mann Thorwald waren Status und Ehre das Maßgebliche, nie das „Wunderbare, eine echte Ehe in Liebe, die sie sich erhoffte. Er kann sie darum am Ende nicht mehr einschüchtern, denn sie hat erkannt „in erster Linie bin ich Mensch“. Und so entgegnet sie ihrem Mann, der sie mit der Erinnerung an ihre Pflichten als Ehefrau und Mutter unter Druck setzen möchte und auf die gesellschaftlichen Folgen für sie verweist: „Ich muss versuchen dahinterzukommen, wer Recht hat, die Gesellschaft oder ich“, entgegnet sie.

Die Laien spielen wie die Profis

Ein Satz, der 1879 geschrieben und 40 Jahre vor Einführung des allgemeinen Wahlrechts, enorm viel Kraft und Wahrheit auch heute noch aufzeigt. Marianne Stephan ist eine von vielen Zuschauern, die das laut artikulieren: „Ich würde nie auf die Idee kommen, dass es sich hier nicht um Berufsschauspieler handelt“, erklärt sie in der Pause. Zusammen mit ihrem Mann war sie aufgrund der Ankündigung in der Zeitung gekommen, hatte bisher noch keine Aufführung von Dramalution gesehen und war vollständig begeistert. „Diese Textmenge allein, die vor allem die Hauptdarsteller lernen mussten“, sagt auch Winfried Wehrle, der als Weihnachtsbesuch aus Heidelberg auch zum ersten Mal in den Genuss einer Aufführung kommt. Er unterstrich, dass ihn aber vor allem auch die Mimik und Wandlung der Personen zum Ende hin sehr überzeugt hätten. Mit seiner Tochter ging er darum auch an zwei Tagen hintereinander um beide Besetzungen zu erleben.

Eine Bildergalerie zur Aufführung von Dramalution finden Sie im Internet unter

www.schwabmuenchner-allgemeine.de

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