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Schwabmünchen

06.11.2017

Autoren treffen den Geschmack der Kunden

Während Bernhard Blöchl ein Buch als Geschenk verpackt, berät Anne Sanders im Hintergrund die Kunden. Anne Sanders ist beim Kassieren voll in ihrem Element.
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Während Bernhard Blöchl ein Buch als Geschenk verpackt, berät Anne Sanders im Hintergrund die Kunden. Anne Sanders ist beim Kassieren voll in ihrem Element.
Bild: Uwe Bolten

Schriftsteller Anne Sanders und Bernhard Blöchl eröffnen als Aushilfsbuchhändler die „Woche der unabhängigen Buchhandlungen“. Eine Fotoaktion rückt die Buchhandlung in den Fokus.

Neugierige Blicke schweifen durch die Buchhandlung Schmid. Von der Besonderheit dieser Situation bekommen die fünf Kunden, teils Buchrücken lesend oder in Bildbänden blätternd, nichts mit. „Wo finde ich die Jugendliteratur?“, richtet die in schwarz gekleidete junge Frau ihre Frage an Hans Grünthaler, Inhaber der Buchhandlung Schmid. „Dort hinten links“, sagt er und weist den Weg. Die Autorin Anne Sanders macht sich auf den Weg. Zusammen mit Autor Bernhard Blöchl, der erst vor Kurzem mit seinem Buch „Im Regen erwartet niemand, dass ihm die Sonne aus dem Hintern scheint“ bei Schmid aufgetreten war, schlüpft sie zum Start der „Woche der unabhängigen Buchhandlungen“ in die Rolle eines Buchhändlers.

„Ich habe keine Probleme, den Kunden Bücher von Kollegen zu empfehlen. Jedes Buch hat seine Leser. Ich selber freue mich über jedes gute Buch. Vor allem liebe ich den ersten Satz eines Werks und lass mich davon immer wieder überraschen“, sagt Blöchl. Seine erste Tätigkeit ist jedoch nicht literarischer Natur. Zur Zufriedenheit einer Kundin verpackt er ein Buch als Geschenk. Eine Tätigkeit, an die der Autor primär nicht gedacht hat.

Die Vorteile einer freien Buchhandlung

„Die Freiheit, das Angebot individuell auf die Kundschaft wie hier in Schwabmünchen abstimmen zu können und nicht von einer Zentrale abhängig zu sein, ist für mich als Buchhändler der Inbegriff des Handelns“, unterstreicht Grünthaler seine Prämisse. Dadurch entstehe auch ein persönlicheres Verhältnis zu den Kunden sowie ein familiäres Verhältnis zu den Angestellten. „Nur als freie Buchhandlung ist es ebenso möglich, weitergehende kulturelle Veranstaltungen wie Autorenlesungen, Musik und Kabarett umzusetzen“, ergänzt der Buchhändler, der mit diesem Konzept vom Bayerischen Kultusministerium als Bayerns Buchhandlung des Jahres 2016 geehrt wurde.

Besuche in Buchhandlungen gehören zur Lieblingsbeschäftigung von Schriftstellerin Anne Sanders. „Buchhandlungen gehören schon immer zu meinen Lieblingsorten. Ich schau mir gerne an, was andere schreiben. Natürlich gehört berufsbedingt auch der Blick auf die Verlagsprogramme dazu“, kommentiert sie ihr Verhältnis zu Buchhandlungen. Die Ruhe hat sie auch heute, da die Kunden beide Autoren kaum zur Kenntnis nehmen. Sanders drängt nach Arbeit. Das Abkassieren einer Kundin übernimmt sie daher gerne. Fast schon routiniert scannt sie das verkaufte Buch und gibt das Wechselgeld zurück. Hans Grünthaler beobachtet die Situation zufrieden.

So funktioniert das Bestellsystem eines Buchhändlers

Die Frage Blöchels über die Recherche von vorhandenen Buchtiteln nimmt Grünthaler zum Anlass, die beiden Schriftsteller in das Bestellsystem eines Buchhändlers einzuweisen. „Die meisten Bücher können wir durch den Großhandel den Kunden über Nacht bereitstellen. Damit sind wir nicht langsamer als der Online-Handel. Durch die Buchpreisbindung sind auch die Preise für den Endkunden gleich“, sagt er.

Zwischendurch stehen die Münchner Autoren Modell für die Foto-Aktion der Buchhandlung zur Themenwoche. „Jeder, der sich mit den Themenkarten für den freien Buchhandel hier bei uns fotografieren lässt, hat bei der Verlosung die Chance auf Freikarten für unsere Kulturveranstaltungen“, erläutert Grünthaler die Aktion.

Die Kundin, die ein Buchgeschenk für ihren Mann sucht, wird durch Blöchl und Sanders zügig beratend in Beschlag genommen. In den Augen der Autoren ist abzulesen, wie die Gedanken den Wunsch rastern, um eine passende Empfehlung auszusprechen. Der anschließende Erwerb des vorgeschlagenen Buches krönt nach einer guten Stunde der Anwesenheit im Hause Grünthaler die kurze Karriere beider Autoren als Buchhändler.

„Die Tätigkeit als freier Buchhändler verlangt neben dem kaufmännischen Geschick ebenso die Kenntnis der Wünsche seiner Kunden und ist deutlich komplexer, als wir es erwartet haben“, ist das Fazit der Gäste.

Für das kulturelle Leben einer Stadt seien die unabhängigen Buchhandlungen mit ihrem maßgeschneiderten Programm deutlich mehr als eine Einkaufsmöglichkeit.

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