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Königsbrunn

11.09.2015

Begegnungsland ehrt schwäbischen „Sammler“

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Sie freuen sich über das umfangreiche Werk über Dr. Heinz Fischer: Prof. Dr. Gerhard Haszprunar (links), der die Laudatio auf den Universalgelehrten hielt, und Königsbrunns Bürgermeister Franz Feigl, der Vorsitzende des Begegnungslandes Lech-Wertach.
Bild: Hermann Schmid

Auf 656 Seiten sind Person und Wirken von Dr. Heinz Fischer jetzt dokumentiert. Der Augsburger Gelehrte hatte seinen Nachlass der Stadt Königsbrunn vermacht. Nicht alle seine Fans freuen sich über die Feierstunde.

Wer war Dr. Heinz Fischer? Wer war dieser Augsburger Privatgelehrte, der seinen enormen Fundus an Büchern, Schriften, Notizen, Karteikarten und Präparaten 1983 an die Stadt Königsbrunn übereignete? „Er war ein Sammler“, fasst es Prof. Dr. Gerhard Haszprunar am Mittwochabend im Rathaus zusammen.

Er hält die Laudatio auf Fischer, dessen vielseitiges Wirken das Begegnungsland Lech-Wertach nun in zwei Bänden, in über einem Dutzend Aufsätzen, auf 656 Seiten beschreiben ließ. Ein Sammler also – einer von Insekten, ganz offensichtlich. Rund 1000 Kästen mit präparierten Käfern und Schmetterlingen hat die Stadt von ihm erhalten, einige füllen die Räume im alten Naturmuseum, inzwischen sind sie als „wissenschaftliche Leihgabe“ im Naturmuseum Augsburg.

Dr. Fischer war auch ein unermüdlicher Sammler von Fakten, er hat den Lech und weitere naturwissenschaftlich interessante Bereiche Schwabens penibel dokumentiert. Dabei hat er, so betont Haszprunar, nicht einfach Artenlisten aufgestellt, sondern „in einer Zeit, wo das noch nicht selbstverständlich war“, Tier- und Pflanzenwelt in Beziehung zur Landschaft und ihre Wechselwirkungen beschrieben. „Er war im besten Sinne ein ,Biodiversitäts-Forscher‘“, stellt Haszprunar, Professor für Systematische Zoologie in München und unter anderem Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, fest.

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Für den Kulturreferenten ist Dr. Fischer ein „Tausendsassa“

Fischer war auch ein vielseitiger Sammler von Themen: Der Lech hat ihn zeitlebens beschäftigt, viele Jahre erforschte er die Bedeutungen im historischen Wandbild vom „Augsburger Mäusekrieg“, spürte der Herkunft der Bajuwaren nach. „Er war ein Tausendsassa“, so Kulturreferent Christian Toth in seinem Grußwort. „Er hat viele Themen bearbeitet – aber immer wissenschaftlich“. Deshalb wolle man sein Wirken weiter erforschen.

„Der Mensch Heinz Fischer“, so erinnert sich sein Mitstreiter Hans Mühle, der nach Fischer den Vorsitz der Naturforschenden Gesellschaft Augsburg übernahm, „verband wissenschaftliche Arbeit und profanes Handwerk“. Er schilderte, dass Fischer die Druckvorlagen für die Aufsätze der Gesellschaft auf seiner Schreibmaschine tippte, die fertigen Bögen aus der Druckerei holte und zuhause faltete und heftete.

Die Ergebnisse seiner Sammelleidenschaft füllten schließlich zwei Wohnungen, so Mitherausgeber Albert Teichner, der Fischer 1983 kennenlernte, als er nach Kontakten mit dem damaligen Königsbrunner Bürgermeister Fritz Wohlfarth seinen Fundus (gegen Entgelt) an die Brunnenstadt übereignete. Das sei nicht ganz ohne Zwist mit seinen Erben abgegangen, so Teichner.

Auch die vorliegende Dokumentation sorgt für Zwist. Bei der Buchvorstellung ist der Freundeskreis Dr. Heinz Fischer mit seinem Vorsitzenden Günther Groß nicht präsent. Die Ehrenamtlichen, die 2009 Fischers Nachlass aus einem teils maroden Gebäude ins Königsbrunner Stadtarchiv gebracht und seitdem – auch mit Fischers Exponaten – das Naturmuseum neu gestaltet hatten, fühlen sich bei dem Buchprojekt übergangen, ja ausgegrenzt.

Für die Herausgeber ist der Freundeskreis kein Wort wert

Vor Fischers 100. Geburtstag anno 2011 hatten sie eine Veröffentlichung über ihn angeregt, das war an der Fülle des Materials und knappen Finanzen gescheitert. Teichner hatte dann die Idee, über das Begegnungsland Lech-Wertach Fördertöpfe der EU und des Freistaats anzuzapfen – doch er informierte den Freundeskreis nicht über den Fortgang des Projekts. Christoph Zieher, ursprünglich für die grafische Gestaltung des Buches zuständig, wurde mit Teichner Herausgeber. Er habe vor der Veröffentlichung nicht mal Korrekturfahnen seines Textes erhalten, klagt Groß.

Teichner geht auf den Freundeskreis nicht ein. Es bleibt Prof. Haszprunar und Dr. Thomas Renz von Sponsor LEW vorbehalten. Beide loben mehrmals das von Groß gestaltete neue Naturmuseum. „Wissenschaft ist alles, was Wissen schafft“, betont Prof. Dr. Haszprunar, deshalb sei auch die Weitergabe des Wissens, das Dr. Heinz Fischer erarbeitet hat, ein wichtiger Aspekt. Sein Appell an diesem Abend: „Bewahren Sie dieses Erbe!“

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