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Königsbrunn

19.01.2020

Behörde entdeckt Giftstoffe in mehreren Weihern

Das Wasser im Römersee südlich von Königsbrunn wurde untersucht. Insgesamt fanden sich in drei von sechs Seen die schädlichen Stoffe.
Bild: Adrian Bauer

Plus Bei Königsbrunn sind gefährliche Rückstände eines Stoffs aufgetaucht, der in Löschschaum verwendet wurde. Stammen sie vom Bundeswehr-Flugplatz?

Im Wasser mehrerer Weiher auf Königsbrunner und Oberottmarshauser Flur hat das Wasserwirtschaftsamt gesundheitsschädliche Chemikalien gefunden. Dabei handelt es sich um Inhaltsstoffe eines Löschschaums, der vor allem bei der Bundeswehr eingesetzt worden ist. Derzeit wird untersucht, ob Fische aus den Weihern im Süden Königsbrunns ebenfalls stärker belastet sind.

Die Bundeswehr hat bei eigenen Untersuchungen auf dem Flugplatz Lechfeld erhöhte Werte von per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC), insbesondere von Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) festgestellt und weiter gemeldet. Da die Grundwasserströme vom Flugplatz aus in Richtung Norden fließen, wurden die Römerseen und der Herrgetsfeldsee auf Oberottmarshauser Flur sowie der Grenzwegsee und der Auholzteilsee im Königsbrunner Süden überprüft. Bei drei der sieben Gewässer wurden die Grenzwerte für die krebserregende PFOS deutlich über-, bei einem vierten knapp unterschritten. Das geht aus einem Informationsschreiben des Landratsamtes hervor.

Besitzer von Fischweihern in Königsbrunn wurden gewarnt

Diese Ergebnisse lagen am 11. Dezember vor, danach wurden alle Besitzer und Pächter von Fischweihern kontaktiert. Alle wurden gebeten, gefangene Tiere zur Untersuchung bereitzuhalten, damit sie im Labor untersucht werden können. Die Chemikalien können sich nämlich auch in Fischen anreichern. Eine einzelne Mahlzeit mit einem Fisch sei aus gesundheitlicher Sicht zwar ungefährlich, anders sieht das bei einem wiederholten Verzehr über einen längeren Zeitraum aus, teilt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit.

Behörde entdeckt Giftstoffe in mehreren Weihern

Ergebnisse der Untersuchungen liegen noch nicht vor, den Weiher-Besitzer wurde aber vorsorglich empfohlen, vorerst keine Fische zu essen. Für eine öffentliche Warnung lagen laut Landratsamt die Voraussetzungen nicht vor, da alle Personen, die an den Weihern angeln dürfen, informiert wurden.

Keine problematischen Werte in Königsbrunns Trinkwasser

Das Trinkwasser der Stadt Königsbrunn ist von dem Problem nach aktuellem Stand nicht betroffen. Am Donnerstagnachmittag kamen die Ergebnisse mehrerer entnommener Proben zurück. Alle Werte liegen deutlich unter den Grenzwerten. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat diese Werte „so festgelegt, dass auch bei einem lebenslangen Konsum von zwei Litern Trinkwasser pro Tag keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten wäre.“ Für Schwangere oder Kinder unter zwei Jahren liegt er bei 50 Nanogramm pro Liter – die PFC-Werte im Königsbrunner Trinkwasser liegen im einstelligen Nanogramm-Bereich, sind also völlig unproblematisch. Königsbrunn bezieht zwei Drittel seines Wassers aus Flachbrunnen in der Fohlenau, dem Naturschutzgebiet südlich der Straße nach Mering. Der Rest kommt aus Tiefbrunnen. Bei Problemen könnte die Stadt über eine Verbindungsleitung auf einen Notverbund mit der Stadt Augsburg zurückgreifen.

Das Landratsamt hat die Bundeswehr aufgefordert, baldmöglichst untersuchen zu lassen, welche Teilbereiche des Flugplatzes genau kontaminiert sind. „Diese Untersuchung ist zwingende Voraussetzung für spätere Sanierungsmaßnahmen und dient der abschließenden Gefährdungseinschätzung“, teilt das Landratsamt mit. Basierend darauf können dann die weiteren Maßnahmen geplant werden.

Probleme mit erhöhten PFC-Werten auch an anderen Flugplätzen

Probleme mit den Rückständen aus Löschschäumen gibt es rund um (militärische) Flughäfen häufiger. Im Unterallgäu wurden beispielsweise in Bachforellen in einem Gewässer im Umfeld des Flughafens Memmingerberg überhöhte PFC-Werte festgestellt, sodass das zuständige Landratsamt weiter davor warnt, die Fische zu essen. Im Umfeld des ehemaligen Fliegerhorsts Penzing wurden kleinere Trinkwasserquellen vom Netz genommen. Zudem weisen dort in einem Bach Fische erhöhte PFC-Werte auf.

Dass die Chemikalien in den Löschschäumen gesundheitlich hoch problematisch sind, ist seit einigen Jahren bekannt. Die Bundeswehr informiert auf ihrem Internet-Auftritt, dass seit 2007 nur noch Löschschäume verwendet werden, die ohne die besonders schädliche Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) auskommen. Andere PFC-haltige Löschschäume sind weiter erlaubt und bei Feuerwehren weltweit im Einsatz, schreibt die Bundeswehr: „Insbesondere bei starken Bränden von Benzin oder Kerosin mit hoher Gefahr für den Menschen. Diese Löschmittel haben einen sehr hohen Wirkungsgrad bei der Brandbekämpfung von brennenden Flüssigkeiten oder schmelzenden Feststoffen.“

Die Chemikalien werden auch zur Beschichtung von Outdoor-Jacken oder Bratpfannen verwendet, wie das Bundesumweltministerium schreibt. Zwei von etwa 3000 Einzelsubstanzen, die unter den Sammelbegriff PFC fallen, sind mittlerweile verboten, darunter auch die PFOS.

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