Newsticker

Wirtschaftsweise: Teil-Lockdown kaum Auswirkungen auf Wirtschaftskraft
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Berufung braucht keinen brennenden Dornbusch

Königsbrunn

19.05.2018

Berufung braucht keinen brennenden Dornbusch

Franz Eduard Schmidt vor der St. Ulrich Kirche in Königsbrunn. In der katholischen Pfarreiengemeinschaft will er sich als Diakon engagieren.
Bild: Veronika Lintner

Archäologe, Psychologe, Leiter eines Seniorenzentrums: Franz Schmidt hat in verschiedenen Berufen viel erlebt. Jetzt absolviert er eine Ausbildung zum Diakon.

Herr Schmidt, als größte katholische Kirchenfeste gelten Ostern und Weihnachten. Aber welche Rolle spielt das Pfingstfest, das an diesem Sonntag beginnt?

Franz Eduard Schmidt: Pfingsten ist das dritthöchste Fest im Kirchenjahr. Es ist das Fest des Heiligen Geistes, der damals die Apostel und Jünger Jesu in der Jerusalemer Urgemeinde erfüllte. Damit ist Pfingsten zugleich der Geburtstag der Kirche.

Wie werden Sie selbst das Pfingstfest begehen?

Schmidt: Ich werde den Gottesdienst besuchen und bestimmt einen liturgischen Dienst übernehmen, als Lektor oder als Kommunionshelfer. Da sind die Möglichkeiten für mich als Diakon in Ausbildung vielfältig.

Pfingsten gilt als Fest der Berufung. Was verbinden Sie mit diesem Begriff? Und wie hat Sie die Berufung zum Glauben ereilt?

Schmidt: Berufung ist für jeden individuell unterschiedlich, je nach seiner Biografie und seinen Begabungen. Moses ist durch einen brennenden Dornbusch von Gott berufen worden, Paulus durch Licht und Blitz. So ereignisreich ist es ja nicht immer. Für mich war es ein langsamer, reifender, innerer Prozess. Ich bin in einer katholisch geprägten Familie aufgewachsen, besuchte eine katholischen Schule in Augsburg. Nach dem Abitur habe ich die Theologie aber erst einmal hintangestellt. Ich habe zuerst Archäologie und später Psychologie studiert. Ich war mehrere Jahre in der freien Wirtschaft tätig und habe ein sehr interessantes Leben geführt. Dabei habe ich gesehen, wie Menschen heute immer größeren Belastungen, auch seelischen, ausgesetzt sind. Da dachte ich mir: Nein, das kann nicht alles sein. Mein Auto, mein Haus, mein Boot – das sind nicht meine Werte. So wuchs in mir die Sehnsucht nach etwas, das größer ist als das Normale, das Alltägliche. Deshalb habe ich nebenberuflich ein Theologiestudium begonnen. Das Reden über Gott und die Welt war für mich ausschlaggebend, den Weg zum Diakon einzuschlagen. Es war eine innere Stimme, für mich die Stimme Gottes, der ich dann gefolgt bin.

Was nehmen Sie mit aus ihren bisherigen Berufen in Ihre neue Berufung als Diakon?

Schmidt: Im Archäologie-Studium habe ich mich mit der römischen Geschichte zur Zeit Jesu Christi befasst. Als leitender Angestellter und psychologischer Berater konnte ich lernen, offen auf Menschen zuzugehen. Und das Fernstudium der Theologie, das gab mir das theologische Handwerkszeug.

Was macht ein Diakon? In welcher Tradition steht dieses Amt?

Schmidt: Liest man die Apostelgeschichte, gab es Diakone schon bald nach dem Pfingstfest. Die Apostel haben damals gemerkt, dass viele notwendige Dienste in der Gemeinde zu kurz kamen: die Pflege der Armen, der Witwen und Waisen, die Lebensmittelverteilung. Deshalb beriefen sie geeignete Männer für den sogenannten Dienst an den Tischen. Das war der Gründungsakt des Diakonats. Auch heute ist der Diakon aufgerufen, zu den Randgruppen zu gehen, zu Menschen, die nicht zu ihrem Recht kommen. Der Diakon soll Stimme für diese Personen zu sein.

Wo sehen Sie Ihre Einsatzgebiete in Ihrer Gemeinde?

Schmidt: Das ist momentan noch nicht so leicht absehbar. Derzeit bin ich aber im Pfarreienpraktikum, um mir hier eine bessere Orientierung zu verschaffen. Das Schöne ist, dass die Königsbrunner Gemeinde sehr vielfältig ist. Wir haben eine hohe Anzahl an aktiven Gemeindemitgliedern, da ist viel Action, in allen Bereichen. Bedarf gibt es jede Menge, gerade im sozialen Bereich. Hier sind wir sehr engagiert im Bereich der Behindertenhilfe und der Asylsozialarbeit, auch in unserem Hilfsprojekt für Indien. Es gibt immer was zu tun. Aber der Diakon ist vor allem ein Netzwerker: Er will selbst mit gutem Beispiel vorangehen, aber auch das Engagement bei anderen Menschen wecken und fördern. Und da spannt sich der Bogen zum Pfingstfest und zur Berufung. Das ist vor allem etwas Aktives. Jesus wartete seinerzeit auch nicht einfach am See Genezareth, bis jemand vorbeikam. Er ist auf Jünger wie Simon und Jakobus zugegangen und sagte: „Folget mir nach!“ Berufung bedeutet, aktiv in die Nachfolge von Jesus Christus einzutreten.

Worin liegt der Reiz des Amts des Diakon?

Schmidt: Vor allem in der Chance, Menschen zu begegnen. Ein Diakon muss raus, auf die Straße, sich unter die Leute mischen. Ein Stubenhocker kann kein Diakon werden.

Wie begegnen Ihnen die Menschen in der Pfarrei, in der Sie nun als Praktikant arbeiten?

Schmidt: Sehr positiv. Ich war überrascht, mit welcher Offenheit, mit welcher Herzenswärme mir die Menschen begegnen. Ich werde häufig angesprochen.

Sind Sie denn ein gebürtiger Königsbrunner?

Schmidt: Ich bin gebürtiger Eichstätter, mein Vater war Polizist und zog 1981 mit uns nach Königsbrunn. Ich bin also ein „Zugroaster“, aber schon seit über 35 Jahren hier. Da ist man, wenn man einen neuen Weg einschlägt, ganz unterschiedlichen Reaktionen ausgesetzt. Die einen sind überrascht, einige sind begeistert. Von anderen kommen aber auch kritische Fragen. Dem muss man offen begegnen und zu seiner Entscheidung stehen – das ist mein Weg, den ich nun gehe.

Wie sieht Ihr weiterer Werdegang als Diakon aus?

Schmidt: Am 6. Oktober 2018 steht der Termin der Diakon-Weihe an. Danach beginne ich in Königsbrunn meinen Dienst als ständiger Diakon mit Zivilberuf. Ich werde aber weiter Einrichtungsleiter einer Caritas Seniorenzentrums in Augsburg bleiben.

Wie geht denn Ihr engstes Umfeld mit ihrem neuen beruflichen Weg um?

Schmidt: Die Familie ist davon natürlich direkt betroffen. Meine Ehefrau trägt diese Entscheidung aber uneingeschränkt mit. Das ist wichtig, denn die Ehe darf unter diesem Weg nicht leiden. Die Ehefrauen müssen daher der Weihe aktiv zustimmen. Insgesamt werden sie dreimal gefragt, ob sie mit der Weihe ihres Mannes zum Diakon einverstanden sind.

Welche Botschaft möchten Sie Ihren Gemeindemitglieder an Pfingsten vermitteln?

Schmidt: Ich würde mir wünschen, dass viele Menschen erfüllt werden von der Kraft des Heiligen Geistes. Denn die macht lebendig. Und wir brauchen aktive, lebendige Gemeindemitglieder, mit offenen Ohren und offenem Blick für die Bedürfnisse unserer Mitmenschen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren