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Mittelneufnach

25.04.2015

Besinnliche Stauden

Auf diesem Schmetterling aus Holz kann man sich ausruhen und die Aussicht genießen.
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Auf diesem Schmetterling aus Holz kann man sich ausruhen und die Aussicht genießen.

Dass eine Flurbereinigung ein Naturerlebnis hervorbringen kann, ist rund um Mittelneufnach zu bewundern. Auf dem Besinnungsweg soll man zu sich selbst finden.

Gottfried Wenger steht auf dem Bahnhofsplatz in Mittelneufnach, nahe des alten Häuschens, an dem früher die Staudenbahn hielt. Er streicht über eine von der Sonne ausgebleichte Tafel, die den 2007 eröffneten Besinnungsweg zeigt. „Die müssen wir dringend austauschen“, meint er. Der 63-Jährige mit dem grauen Vollbart ist einer der Väter des Wanderwegs rund um 1000-Einwohner-Gemeinde. Im Rahmen einer Flurbereinigung hatten die Mittelneufnacher vor über 10 Jahren beschlossen, das alte Feldwegenetz beizubehalten und einen Wanderpfad mit verschiedenen Stationen aufzubauen. Das Konzept stammt vom Freisinger Landschaftsarchitekten Rainer Söhmisch.

Die Etappen des in eine westliche und eine östliche Route geteilten Weges erzählen dabei keine großen Geschichten. Sie stehen auch nicht an großen Denkmälern. Sie stellen Fragen. „Für wen hat Gott diese Welt erschaffen?“, das steht etwa auf dem ersten Schild unterhalb der Pfarrkirche St. Johannes Evangelist. Der Wanderer solle zum Nachdenken angeregt werden, über sich selbst und das, was ihn umgibt, sagt Gottfried Wenger. Deshalb verläuft im Osten der ,persönliche Weg’ und im Westen der ,Weg der Gemeinschaft’. „Die Leute sollen wieder einen Bezug zur historischen Kulturlandschaft bekommen und den Respekt vor der Natur lernen“, so Wenger.

Auf dem Weg durch den Ort begrüßt er jeden, dem wir begegnen. Hier und da wird auch geplauscht. Der Ur-Mittelneufnacher kennt den Ort, seine Leute, und auch seine Fluren wie seine Westentasche. Als wir auf die grünen Felder hinausgehen, weiß er zu jeder Station eine Geschichte. Manchmal steht da eine Skulptur oder ein Feldkreuz. An einigen Stationen steht auch nur eine Bank, von der aus man die Aussicht genießen kann. Ab und zu gibt es Rastplätze und Holzplattformen, auf denen man sich sonnen kann. Im Sommer kämen die Jugendlichen aus dem Dorf zum Feiern her, erzählt Wenger schmunzelnd. „Aber wenn sie so die Natur wahrnehmen und genießen, so wie wir früher: Was will ich dann mehr?“ meint er.

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Nebenbei hebt Wenger immer wieder Äste auf, rückt Schilder gerade und kickt Steine aus dem Weg. Mehrere Freiwillige kümmern sich um die Instandhaltung. Aber für Gottfried Wenger scheint es eine Herzensangelegenheit zu sein.

Als wir uns der Pietà-Kapelle an der Staatsstraße 2027 nähern, gibt es auf einmal wieder Autolärm. Tatsächlich vergisst man auf dem Weg durchs Grüne die Zivilisation ein wenig. An der Kapelle werfen wir einen Blick in das dort hinterlegte Wegbuch. Lächelnd lesen wir einen Eintrag in krakeliger Kinderschrift: „Lieber Gott, bitte mach, dass es meinen Uris und Uropas gut geht.“ Ein zweites Buch liegt auf der Ostroute.

Diese begehen wir als Nächstes. Sie führt über die Neufnach am Schlössle vorbei. Hier hatte vor über 500 Jahren der Landvogt seinen Sitz. Seit dem 19. Jahrhundert wohnt der Revierförster auf dem Anwesen. Er kümmert sich um etwa 1270 Hektar Wald rund um Mittelneufnach. Von Vogelgezwitscher begleitet, führt an diesem Wald ein Großteil des Ostpfads entlang. Zuvor schlängelt er sich zwischen grünen Wiesen eine Anhöhe hinauf. Oben angekommen haben wir einen wunderbaren Blick über das Neufnachtal. Wir begegnen einigen anderen Spaziergängern, die die Aussicht genießen. Es scheint ein beliebter Weg zu sein, denn die Nothelfer-Kapelle ist mit Autos regelrecht zugeparkt. Der Sage nach erbaute sie ein Jäger, der sich im Wald verirrt hatte. Als es dunkel wurde, betete er zu den 14 Nothelfern. Sollten sie ihm den Weg hinaus zeigen, würde er ihnen zu Ehren eine Kapelle errichten. So steht das kleine Gotteshaus heute genau an der Stelle, wo der Jäger angeblich aus dem Wald herauskam.

Mit allmählich schwer werdenden Beinen verlassen wir den Waldrand südlich der Staatsstraße wieder. Der Weg führt jetzt wieder Richtung Dorf. An einer Gabelung stehen wir vor der Wahl: Zurück oder weiter zu einem besonderen Aussichtspunkt? Wir entscheiden uns für Letzteres. Ein hölzerner Schmetterling, von dem aus man im Liegen die Landschaft überblicken kann, lohnt den Umweg. Gottfried Wenger hat ihn selbst entworfen und gebaut. „Ich habe für den Ruhestand einige solcher Projekte in der gedanklichen Schublade“, sagt der gelernte Bankkaufmann.

Zurück auf dem Bahnhofsplatz, fragt uns ein älteres Ehepaar nach unserer Tour. Gottfried Wenger erzählt es ihnen gerne.

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