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Rotes Kreuz

28.11.2019

Besuch im Kleiderlager Königsbrunn: Was passiert mit unseren Altkleidern?

BRK-Kreisgeschäftsführer Michael Gebler und Mitarbeiterin Jane Gagell.
Bild: Ida König

Plus Kleidung, die nicht mehr passt oder gefällt, landet oft in Altkleidercontainern oder Second-Hand-Läden. Was passiert mit den Altkleidern? Und wo kann man was abgeben?

Der Weg zum Kleiderlager des Augsburger Roten Kreuz führt aus der Stadt hinaus. Mitten in einem Industriegebiet in Königsbrunn, in direkter Nachbarschaft von Produktions- und Lagerhallen, befindet sich der Arbeitsplatz von Jane Gagell. Die junge Frau sortiert dort gemeinsam mit Ehrenamtlichen die Kleidung, die in Augsburg in den Rot-Kreuz-Containern abgegeben worden ist. Außerdem landen in diesem Lager auch Kleidungsstücke, die in den Augsburger Rot-Kreuz-Läden über mehrere Wochen nicht verkauft wurden.

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Und so hängen dort fein säuberlich sortiert dutzende Herrensakkos, Damenoberteile und Kinderhosen an Kleiderstangen - sogar Krawatten und High Heels kann man im Fundus des Roten Kreuzes finden. In einem anderen Teil des großen Raumes stapeln sich blaue und schwarze Müllsäcke. Sie warten darauf, einmal im Monat von einer Verwertungsfirma abgeholt zu werden.

Was passiert mit Kleiderspenden aus dem Container?

"Unsere Kleiderspenden sortieren wir in vier Gruppen", erklärt Michael Gebler, Geschäftsführer des Rot-Kreuz-Kreisverbands Augsburg-Stadt. Die besten Kleiderspenden werden in den Rot-Kreuz-Läden in Oberhausen, Pfersee, Göggingen und Lechhausen für einen Betrag von ein bis fünf Euro an Second-Hand-Fans und Bedürftige weiterverkauft. Kleidung der zweiten Kategorie findet man im Lager: Sie ist zwar noch relativ gut erhalten, aber aus der Mode gekommen oder deshalb schwer verkäuflich. In Königsbrunn gibt es einmal im Monat einen Lagerverkauf, um auch für diese Stücke noch Verwendung zu finden. "Außerdem können wir Menschen in Notsituationen mit den Kleidern aus unserem Lager schnell helfen", sagt Gebler. Das könne beispielsweise ein Wohnungsbrand sein - oder eine humanitäre Notlage in der Region oder im Ausland. Ganz aktuell hat das Rote Kreuz im November seinen Kollegen in Bosnien mit einem Lastwagen voll Spenden für gestrandete Flüchtlinge geholfen.

Die noch gut erhaltenen, aber oft etwas aus der Mode gekommenen Spenden werden entweder im Lagerverkauf angeboten oder für die Versorgung von Menschen in Notlagen gebraucht.
Bild: Ida König

Mit den Einnahmen aus dem Kleiderverkauf und dem Handel mit der Entsorgungsfirma deckt das Rote Kreuz Gebler zufolge zum einen die Kosten für Raummiete und Lohn für die Mitarbeiterinnen in den Kleiderläden und im Lager. Mit dem Rest werden Projekte des Rotes Kreuzes unterstützt, die sich nur durch Spenden finanzieren - wie etwa die Rettungshundestaffel. "Manchmal können wir auch schnell helfen, wenn eine Familie durch eine private Notlage die Kinderbetreuung oder das Schulessen nicht mehr bezahlen kann", sagt Gebler. So erspare man den Eltern - meistens seien es alleinerziehende Mütter - die Wartezeit auf Geld von staatlichen Stellen und könne einen gewissen Zeitraum überbrücken.

Auch High Heels sind immer wieder unter den Spenden, die das Rote Kreuz erhält.
Bild: Ida König

Kleider, die nicht mehr weiter getragen werden können, werden von einer Entsorgungsfirma abgeholt und etwa zu Putzlappen oder Dämmmaterial weiterverarbeitet. Die vierte Kategorie, die ebenfalls beim Entsorger landet, kann nicht mehr recycelt werden und wird verbrannt. "Funktionskleidung zum Beispiel ist eigentlich Plastikmüll", sagt der BRK-Kreisgeschäftsführer. Und manchmal bekomme man auch Spenden, "da macht man den Sack auf, riecht daran und macht ihn ganz schnell wieder zu."

Kleidung, die nicht mehr getragen werden kann, gibt das BRK an eine Verwertungsfirma weiter.
Bild: Ida König

Grundsätzlich erhalte man aber Spenden in sehr guter Qualität, sagt Gebler. Allerdings könne man beobachten, dass Kleidung immer billiger produziert werde - und deswegen auch immer schneller kaputt gehe - unabhängig vom Preis der Kleidung. Einen großen Unterschied gebe es auch zwischen Spenden von Frauen und Männern. "Frauen kaufen mehr ein und geben auch schneller Kleidung ab. Männer tragen ihre Kleidung oft selbst solange, dass sie kaum noch weitergegeben werden kann". Besonders Männerschuhe seien eine seltene Spende. Ganz anders sieht es bei Baby- und Kinderkleidung aus. Davon bekomme man fast zu viel, sagt Gebler.

Rotes Kreuz, Aktion Hoffnung, Stadt Augsburg: Wo die Unterschiede liegen

Das Rote Kreuz ist nicht der einzige Wohlfahrtsverband, der in Augsburg Altkleider sammelt. Caritas, SKM, SKF und Diakonie nehmen Spenden entgegen - sei es für die Sozialkaufhäuser im Stadtgebiet oder für die Obdachlosenhilfe. Einer der bekanntesten Mitbewerber ist die Aktion Hoffnung. Sie betreibt nach wie vor eine Vielzahl von Containern im Stadtgebiet - einen großen Teil aber seit Januar 2019 zusammen mit der Stadt Augsburg. An den Wertstoffinseln der Stadt Augsburg stehen mittlerweile auch Kleidercontainer, die von Abfallwirtschaftsverband und der Firma Wittmann betrieben werden, bei einem Drittel ist die Aktion Hoffnung mit im Boot.

Seit der Umstellung habe sich die Qualität der Altkleider verändert, sagt Johannes Müller, Geschäftsführung der Aktion Hoffnung. Die Stadt Augsburg wolle mit den Containern vor allem erreichen, dass Textilien nicht mehr im Restmüll landen. Dementsprechend landeten dort nun vermehrt kaputte Kleider und Lumpen, sogar Hausmüll werde leider immer wieder eingeworfen. Bei den Standorten, die die Aktion Hoffnung noch eigenständig betreibt, hoffe man auf gut erhaltene, saubere Spenden - denn nur diese könne man im Second-Hand-Shop "Vinty's" in Augsburg verkaufen oder beispielsweise an Bedürftige nach Osteuropa oder Afrika weitergeben.

Durchschnittlich eignen sich in Deutschland laut dem bundesweiten Verband Fairwertung etwa die Hälfte der Textilien für den Second-Hand-Gebrauch. Was aus Kleiderspenden und Altkleidern wird, hängt auch von der Institution ab, die sie sammelt. Wohlfahrtsverbände versuchen nach eigenen Angaben in erster Linie, die Kleidung an Menschen weiterzugeben, die wenig Geld haben oder sich in einer akuten Notlage befinden. Je nach Verband werden unterschiedliche Dinge gesammelt - während der SKM derzeit vor allem Winterkleidung für Obdachlose sucht, gibt es im "Fairkauf"-Sozialmarkt der Caritas einen erhöhten Bedarf an Kinderkleidung. Erlöse, die aus dem Verkauf an Entsorger erwirtschaftet werden, werden wiederum in soziale Projekte investiert.

Die Stadt Augsburg, die sich seit Januar 2019 verstärkt um die Sammlung von Altkleidern bemüht, übergibt die Alttextilien nach Angaben von Umweltreferent Reiner Erben an zwei zertifizierte Sortier- und Verwertungsbetriebe. Dort werden die Stoffe laut Erben im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften weitervermarktet, das könne auch eine Veräußerung ins Ausland bedeuten. Anders als bei den Wohlfahrtsverbänden steht für die Verwertungsbetriebe aber ein rein privatwirtschaftliches Interesse dahinter.

Vorsicht: Es gibt auch illegale Container und Haustürsammlungen

Vorsicht geboten ist bei sogenannten wilden, illegalen Containern, auf denen häufig weder ein Träger noch eine Adresse oder Telefonnummer steht. Davor warnt auch der Dachverband Fairwertung. Wer seine Kleidung abgeben möchte, sollte von diesen Stellen besser die Finger lassen. Auch hinter Haustürsammlungen stecken immer wieder Betrüger. Hier rät Fairwertung, sich im Internet vorab über den vermeintlichen Verein zu informieren, der hier Spenden sammeln möchte. Besser aufgehoben ist die Kleidung, die nicht mehr passt oder gefällt, in Kleiderläden, Containern oder bei Vereinen vor Ort, die immer wieder zu Sammlungen aufrufen.

Der nächste Lagerverkauf im BRK-Kleiderlager Königsbrunn findet am Samstag, 14. Dezember, von 10 bis 14 Uhr in der Germanenstraße 2 statt.

Kleider spenden und Altkleider abgeben in Augsburg - unsere Karte zeigt Abgabestellen von sozialen Einrichtungen und Verbänden.

 

Alle Annahmestellen der Stadt Augsburg finden Sie außerdem hier.

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