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„Jeder weiß, was alles schlecht ist, aber vielen Arbeitern ist das immer noch lieber als Hartz IV.“Thomas Gürlebeck, Verdi-Vertreter

Graben
05.03.2013

Betriebsrat: Vorübergehend unbekannt

Personalvertretung bei Amazon meidet Öffentlichkeit

Graben Am 14. Februar wurde gewählt, nun ist der Betriebsrat handlungsfähig: In der vergangenen Woche ernannten die Betriebsratsmitglieder ihre Vorsitzenden. Die Namen bleiben in der Öffentlichkeit jedoch ungenannt. Verdi-Vertreter Thomas Gürlebeck erklärt die unzähligen Vorwürfe gegenüber Amazon als Grund, warum sich der junge Betriebsrat bisher in Schweigen hüllt. Demnach wolle sich der Betriebsrat erst selbst finden, bevor weitere Schritte unternommen werden. Mit einem öffentlichen Auftritt sei demnach in den nächsten Wochen nicht zu rechnen, sagt Gürlebeck.

Etwa 60 Prozent der Belegschaft beteiligten sich am Valentinstag an der Betriebsratswahl. Der Termin stand bereits, bevor die ersten Vorwürfe gegen den Weltmarktführer im Onlinehandel laut wurden. Die ARD-Dokumentation „Ausgeliefert! – Leiharbeiter bei Amazon“ berichtete einen Tag zuvor über Missstände im Umgang mit Leiharbeitern. Zuletzt wurde der Umgang mit Angestellten generell kritisiert: strikte Überwachung und ein menschenunwürdiges Personalmanagement seien demnach an der Tagesordnung,wie es in der Medienberichterstattung heißt. „Jeder weiß, was alles schlecht ist, aber vielen Arbeitern ist das immer noch lieber als Hartz IV“, sagt Gürlebeck, der damit die in der Regel anonymen Stimmen erklärt, die gegen das Prinzip Amazon aufbegehren.

Der Betriebsseelsorger und Vertreter der Katholischen Arbeiterbewegung, Diözesanpräses Erwin Helmer, schrieb erst letzte Woche einen offenen Brief an Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Darin heißt es, die bisherigen Vorwürfe gegenüber Amazon seien lediglich die Spitze des Eisbergs. Amazon nutze demnach alle legalen Möglichkeiten, wie Leiharbeit und Befristung, und zeigt damit auf, wie lückenhaft der Sozialstaat beschaffen sei. (sün)

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