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03.07.2010

Bewährungsstrafe für den Diebstahl einer Zeitschrift

Schwabmünchen Sie kann es nicht lassen: Bereits dreimal stand die Frau, der die Strafrichterin am Amtsgericht Schwabmünchen einen "gehobenen Bildungsstand" attestierte, mit dem Gesetz auf Kriegsfuß, weil sie geklaut hatte. Diesmal war es zwar "nur" eine Zeitschrift im Wert von 3,20 Euro.

Doch gerade diese Beträge summieren sich und fügen nicht nur Verbrauchermärkten übers Jahr gesehen immense Schäden zu. Nein, mit einer Geldstrafe war es deshalb nicht getan, meinte die Richterin. "Zur Einwirkung" sollte es diesmal eine dreimonatige Freiheitsstrafe sein, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wurde. Daneben belegte Susanne Hillebrand die Akademikerin mit einer Geldbuße in Höhe von 400 Euro.

Inzwischen geht die Frau nur noch ohne Tasche in den Laden

Die Zeitschrift sollte für eine Bekannte eine "kleine Aufmerksamkeit" sein. Warum sie das Heft ohne zu zahlen in ihre Tasche steckte, könne sie heut nicht mehr sagen. In letzter Zeit sei sie halt ein "bisschen gedankenlos" und stehe aus familiären Gründen unter Druck. Eigentlich hatte sie die Illustrierte nur ihrem Lebensgefährten zeigen wollen, der draußen auf sie gewartet hätte. Mittlerweile gehe sie, wenn überhaupt, nur noch ohne Tasche zum Einkaufen, damit so etwas nicht wieder passiert.

Bewährungsstrafe für den Diebstahl einer Zeitschrift

Die Richterin hatte einen ganz anderen Eindruck von der Angeklagten: "Insgesamt gesehen macht es den Eindruck, als ob etwas Krankhaftes dahinter steckt", sagte Hillebrand. "Nein, nein!", wehrte sich die von Rechtsanwalt Thomas Reitschuster (Augsburg) vertretene Frau. "Alles war nur ein Versehen."

"Wenn ein Kunde die Kasse verlässt, ohne die Ware zu bezahlen, dann ist das Diebstahl", erklärte der Ladendetektiv. Er hätte die Frau sehr lange beobachtet und könne deshalb mit Bestimmtheit sagen, dass sie nicht - wie von ihr ins Feld geführt - zunächst noch eine Bekannte am Obststand aufsuchte. "Die ist direkt nach der Zeitschriftenauslage raus aus dem Markt."

Staatsanwältin würdigte die geringen Schäden

Auch die Staatsanwältin wollte der Ausrede der Frau nicht glauben. So gedankenlos sei sie an jenem Februartag wohl doch nicht gewesen. Das werde durch den Zeugen widerlegt. Zugunsten der Angeklagten, so die Staatsanwältin, spreche, dass der Schaden äußerst gering sei. Zudem hätte sich die Frau entschuldigt. Auch die angespannte Lebenssituation zog Christine Joost bei ihrem Antrag - drei Monate auf Bewährung - mit ins Kalkül.

Das Hauptproblem seiner Mandantin, so erklärte der Verteidiger, sei ihre Gedankenlosigkeit: "Manchmal ist sie ein bisserl durch den Wind." Er plädierte auf Freispruch. Die Richterin sah das in ihrer Urteilsbegründung anders: "Das ist vorsätzlich passiert. Es geht doch nicht an, Waren einfach ohne zu zahlen mit rauszunehmen." Die Angeklagte habe zwar keine "große kriminelle Energie" an den Tag gelegt, meinte Hillebrand. Aber sie muss jetzt einen gewissen Druck verspüren, um künftig die Finger von derartigen Vorhaben zu lassen.

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