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24.07.2010

Blaue Flecken machen böse Stimmung

Knapp 47 Kilometer lang ist die Singold von der Quelle bis zur Mündung. Grafik: AZ

Schwabmünchen/Bobingen Blaue Flecken auf einer Landkarte erschrecken derzeit Bürgermeister zwischen Schwabmünchen und Bobingen. Denn diese Seenlandschaft entlang der Singold markiert Flächen, die bei einem Regen, wie er nur alle hundert Jahre vorkommt, überschwemmt werden könnten. Ausgedacht hat sich dies das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth. Die Computersimulation zeigt ein zerfranstes Bild. Einige der markierten Flächen waren bislang jedoch nie überflutet. Die angekündigte Darstellung im Internet war gestern auch noch nicht auf dem aktuellen Stand. Und das Stadtgebiet von Augsburg ist von der Untersuchung völlig ausgenommen. Prompt werfen Kommunalpolitiker dem Papier Widersprüchlichkeit und Ungenauigkeit vor. Einige vermuten, sie sollen gedrängt werden, für den 2,8 Millionen Euro teuren Bau eines Hochwasser-Rückhaltebeckens bei Holzhausen (nahe der Autobahn A 8) mehr Geld zu zahlen. Doch der Jahrhundertregen fiele ja wohl auch südlich davon.

Widerspruch nicht möglich

Was zusätzlich verwundert: Die amtliche Bekanntgabe der Überschwemmungsgefahr hat bereits rechtliche Konsequenzen für Gemeinden und Grundstücksbesitzer. Die Bekanntmachung durch das Landratsamt in der vergangenen Woche reichte aus, um hier künftig neue Bauvorhaben zu stoppen oder zumindest sehr zu erschweren. Und Wirtschaftsunternehmen müssen mit zusätzlichen Auflagen leben. Eine Anhörung oder ein Widerspruch ist jedoch nicht möglich.

Bei einem Treffen der Bürgermeister mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes kam das ganze Ausmaß ihrer Befürchtungen zur Sprache. Doch diese Behörde beruft sich ebenso wie das Landratsamt darauf, lediglich einen Gesetzesauftrag zu erfüllen: EU-Recht werde nach dem Bayerischen Wasserhaushaltsgesetz umgesetzt. Die Folgen schaffen teilweise böse Stimmung:

Blaue Flecken machen böse Stimmung

Großaitingen "Für uns bedeutet das einen Schaden, der in die Millionen geht", sagt Bürgermeister Franz Stellinger. Die Gemeinde habe zwei Baugebiete ausgewiesen. Nun bleibe sie wohl auf 58 Bauplätzen sitzen und auch eine Anlage für Betreutes Wohnen könne nicht errichtet werden.

Bobingen-Industriepark In der Trevirastadt bangt der Industriepark IWB um seine Zukunft. IWB-Geschäftsführer Andreas Fischer sowie Vertreter ansässiger Firmen warnten in einem Hilferuf an Umweltminister Markus Söder: Würde der Plan umgesetzt werden, "kann dies bereits kurzfristig das Aus für den Standort bedeuten". Auf dem schon rund 100 Jahre alten Industriegelände sei noch nie Wasser gestanden. Doch nun seien Teile des Areals kaum mehr bei Banken zu beleihen, eine Neuansiedlung von Firmen wäre unmöglich, die Versicherungsprämie könnte steigen und es düften keine Lagerflächen genutzt werden, wo theoretisch irgendwann ein Hochwasser abfließen müsste.

Stadt Bobingen Ähnliche Konsequenzen fürchtet Bürgermeister Bernd Müller. Die Stadt sei vor allem durch ihre Sportanlagen und das Grundstück für das künftige Feuerwehrhaus betroffen. Die Point sei hingegen durch einen Lärmschutzwall vor einer ausufernden Singold geschützt. Dafür treffe es Wohnhäuser nahe der Wertach, etwa an der Dammstraße oder der Föhrenstraße. Überall dort, wo Bobingen auf dem Papier blau wurde, dürfe nicht einmal ein neuer Wintergarten hin, erläutert Barbara Tugemann im städtischen Bauamt.

Schwabmünchen Bürgermeister Lorenz Müller bestätigt, dass die Festlegung der Überschwemmungsfläche vorerst unanfechtbar ist: "Wir haben nichts mitzureden. Wir haben versucht, etwas zu ändern, aber es hat zu keinem Erfolg geführt." Die Stadt werde jedenfalls Bürger unterstützen, wenn diese bei Bauvorhaben Ausnahmegenehmigungen erkämpfen wollen.

Wehringen Auch diese Gemeinde ist mit Flächen betroffen, die noch nie überschwemmt waren. Bürgermeister Manfred Nerlinger war gestern allerdings zu keiner Stellungnahme erreichbar. Das Thema steht jedoch am Dienstag auf der Tagesordnung des Gemeinderats.

Langerringen Auch in dieser Hochwasserberechnung kommt diese Gemeinde glimpflicher davon als Schwabmünchen oder Großaitingen. Darum wäre laut Bürgermeister Konrad Dobler eine Kostenbeteiligung am Hochwasser-Rückhaltebecken bei Holzhausen auch nicht so hoch, weil die Gefahr für Langerringen geringer sei und damit auch der Nutzen an der Maßnahme.

Die Pläne der Überschwemmungsflächen liegen im Landratsamt in Augsburg aus und sind demnächst in den Gemeinden einsehbar.

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