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24.04.2012

Blues aus der Heimat

Intensiven Blues auf Bairisch bot Williams Fändrich mit seiner Band Williams Wetsox in Leo‘s Pub.
Bild: Hermann Schmid

Die Williams Wetsox unterhalten mit bayerischen Blues – und mehr – in Leo‘s Pub

Königsbrunn Anno 1974 war erstmals Blues mit deutschen Texten auf einer Schallplatte zu hören – und und bei vielen Gästen, die an diesem Samstagabend Leo‘s Pub füllen, darf man annehmen, sie haben schon damals die schwarzen Scheiben gesammelt. Seit 1974 spielt auch William Fändrich den Blues – und der hat ihn und seine Band „Williams Wetsox“ jetzt nach Königsbrunn geführt. Mit „Blues is all around“ eröffnen die vier Oberbayern „aus Huglfing und Umgebung“ (in der Nähe von Murnau) den Abend. Der Titel ist Programm. Und für seinen Blues muss Williams nicht bis in die Südstaaten der USA blicken.

Seine Anregungen findet er in Bayern

Er findet Anregungen dazu auch im ländlichen Bayern, in einem Lied über einen Knecht – „sechs Hoibe an Kirchweih, des war sei Spaß für‘s ganze Johr“ – oder in philosophischen Betrachtungen beim Angeln. „Der Fisch springt aus‘m Wasser, und schnappt sie glei a Fliag‘n“, singt er (in Blues-Manier zweimal) und fährt dann fort: „Der Mensch sucht die Unsterblichkeit, und kann sie doch net kriag‘n“.

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Eindrucksvoll auch seine Umsetzung des Gedichts „Wödaschwüln“ der Schriftstellerin Emerenz Meier (1874 – 1924), die im Dialekt des Bayerischen Walds die mühsame Arbeit des Pflügens mit Ochsen mit Gewitterstimmung und Liebeskummer verknüpft hat. Wie beim guten Südstaaten-Blues ist auch hier nicht jedes Wort verständlich – aber die „message“, die Botschaft, die bringt der 60-Jährige mit seiner rauen, rauchigen Stimme klar rüber.

Die vier Musiker unternehmen auch Ausflüge Richtung Boogie-Woogie, Rock ‘n‘ Roll und traditionellen Jazz. Das bietet dann auch den drei Mitspielern – Alex Bartl am Schlagzeug, Mario Fix, Keyboards, und Michael Lutzmeier, Bariton-Saxofon – reichlich Gelegenheit, ihre Fertigkeiten zu zeigen.

Die Intensität des Spiels packt die Zuhörer

Der Rhythmus der Musik, die Intensität des Spiels packt die Zuhörer. Immer mehr Köpfe nicken im Takt des Blues, immer mehr Hälse recken sich, um die Musiker in den Blick zu bekommen, immer mehr Gesichter zeigen verträumte Mienen, hinter denen Gedanken die Vergangenheit durchstreifen.

Und das nicht nur, als Williams „für einige Kenner“ ein Instrumentalstück aus den späten 1960er Jahren ankündigt, das er damals in Kneipen wie „Rumba Bar“ oder „Crazy Bottle“ gehört habe. Ist das jetzt „Nights in White Satin“ oder „A Whiter Shade of Pale“? Nein, passt nicht ganz. „Das ist doch von Booker T.“, vermutet mein Nachbar. Kurz vor dem Ende des Stücks fällt ihm auch der Titel ein: „Time is tight“. Die Platte habe er noch zuhause“, bemerkt mein Nachbar, „in Vinyl, wohlgemerkt!“

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