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Bobingen

18.01.2021

Bobinger Förster und Verbände entsetzt über erschossene Katze

Die Jäger in den Wäldern rund um Bobingen schießen nicht auf streunende Katzen.
Foto: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolfoto)

Plus Das Video der Tötung einer Katze durch eine Jägerin hat viele erschüttert. Bobingens Stadtförster und die Leiterin der Wehringer Jagdschule sind ebenfalls entsetzt.

Eine Katze ist in einer Drahtgitterfalle im Wald gefangen. Eine Jägerin greift zur Pistole und erschießt das Tier. Das Ganze wird auf Video festgehalten und in den sozialen Medien veröffentlicht. Tierschutzorganisationen haben daraufhin die Jägerin angezeigt.

Trotz einer relativ eindeutigen Gesetzeslage ist das auch ein sehr emotionales Thema. Schließlich sind Katzen, genauso wie Hunde, nun einmal keine Wild-, sondern Haustiere. Und oftmals Familienmitglieder. Kein gutes Gefühl also, wenn Katzenbesitzer Angst haben müssen, wenn ihre Katze außer Haus ist. In Bobingen jedenfalls gibt es dazu keinen Grund. Maximilian Greiter, Stadtförster und Revieraufsicht im Bobinger Stadtwald, sagt dazu: "Bei uns wird weder auf Katzen noch auf Hunde geschossen."

Erschossene Katze: Bobinger Stadtförster würde mit Besitzern sprechen

Sollte es wirklich einmal Probleme geben, so sei für ihn klar, erst einmal das Gespräch mit den Besitzern zu suchen. Meist reichten ein paar aufklärende Worte aus. Natürlich könne eine wildernde Katze im Revier Schaden anrichten. Ihre Beute seien zwar hauptsächlich Mäuse und, weniger schön, Vögel. Doch leider gehören auch junge Feldhasen dazu.

In den meisten Fällen sei es jedoch nicht schwer, herauszufinden, wem die Katze gehört. Eine gefangene Katze sei normalerweise über den eingepflanzten Chip zu identifizieren. Wobei Greiter betont, dass in seinem Revier absolut keine Fallenjagd stattfindet. "Die Wohngebiete rücken immer näher an den Lebensraum der Wildtiere heran", erklärt der Förster. So sei es auch in Bobingen. Speziell das Neubaugebiet nördlich der Herbsstraße in der Bobinger Siedlung, liege fast schon in seinem Jagdrevier. Da sei ein gutes und vertrauensvolles Miteinander der Bewohner des Gebiets und den Jägern ein unbedingtes Muss.

Auch sei der Bobinger Stadtwald ein beliebtes Erholungsgebiet. Spaziergänger, Sportler, aber auch Naturfreunde seien gerne in dem Waldgebiet unterwegs. Das sei auch ausdrücklich erwünscht. Wenn dann ein Hund einmal ausreißen sollte, hätte niemand etwas zu befürchten. Wenn allerdings wiederholt Hunde frei laufen, die eine Gefahr für Wildtiere oder gar Menschen im Wald darstellten, werde natürlich mit den Besitzern gesprochen.

Vor Schüssen auf Hunde oder Katzen wird in der Ausbildung abgeraten

Dr. Ariane Schmidt, seit 2016 Inhaberin der Jagdschule Edelweiss in Wehringen, hat ebenfalls eine klare Ansicht zu dem Thema: "Rein rechtlich gesehen dürfen Hunde, die klar erkennbar Wildtieren nachstellen, erlegt werden." Das Gleiche gelte für Katzen, die mehr als 300 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt im Jagdrevier angetroffen werden. Wobei bei Katzen das Wildern automatisch per Gesetz vorausgesetzt wird. Allerdings dürfe der Abschuss nur durch einen Jagdschutzberechtigten erfolgen. Diese Berechtigung müsse unbedingt vorliegen. Im Rahmen der Ausbildung an ihrer Jagdschule werde aber klar vermittelt, dass nicht auf Hunde und Katzen geschossen werden solle.

Im Rahmen der Ausbildung an der Jagdschule von Ariane Schmidt werde klar vermittelt, dass nicht auf Hunde und Katzen geschossen werden solle.
Foto: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

In den meisten Fällen sei das Problem durch ein Gespräch mit dem Besitzer zu klären, sagt die Chefin der Jagdschule in Wehringen. Außerdem beträfe das Video, das die Diskussion wieder aufflammen habe lassen, einen Spezialbereich der Jagd. Die Fallenjagd. Diese sei nur nach Erwerb einer speziellen Erlaubnis, die eine besondere Ausbildung voraussetzt, überhaupt zulässig. Weiterhin sei die in dem Video gezeigte Drahtgitterfalle nur für den Fang von Jungfüchsen erlaubt. Damit gelte die gefangene Katze als sogenannter "Beifang". Als solcher hätte sie nicht getötet werden müssen. Es hätte völlig ausgereicht, die gefangene Hauskatze freizulassen oder im Tierheim abzugeben.

Nach Schuss auf Katze: Wunsch nach mehr Feingefühl aufseiten der Jäger

Die Schwierigkeiten, die die Jägerin in dem Video hatte, das Tier waidgerecht zu töten, lasse zudem an der Fachkenntnis zweifeln. Angesichts der emotionalen Komponente, Ariane Schmidt ist selbst Katzenbesitzerin, würde sie sich gerade von Jägern mehr Feingefühl wünschen. Es sei in den meisten Fällen absolut unnötig, ein Haustier zu töten: "Wir bemühen uns sehr, zu vermitteln, dass die Jagdausübung nicht gleichzusetzen ist mit dem bloßen Töten von Tieren", erklärt Ariane Schmidt. Vielmehr stehe der Naturschutz, die Hege und Pflege der Wildtiere im Vordergrund.

Gerade in unserer modernen Zeit werde der Lebensraum für Wildtiere immer mehr eingeschränkt. Die Rückzugsgebiete schrumpften wegen der intensiveren Nutzung des Walds durch Erholungssuchende und Naturliebhaber immer mehr. Daher seien alle Beteiligten auf ein vertrauensvolles und vernünftiges Miteinander angewiesen. Ein Fall, wie in dem Video zu sehen, sei deshalb absolut kontraproduktiv, sind sich Revierleiter Greiter und Jagdschulbetreiberin Schmidt einig.

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