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Bobingen

29.03.2020

Bürgermeister nach 24 Jahren abgewählt: Große Überraschung in Bobingen

Aug’ in Aug’ vor sechs Jahren in Bobingen: Damals setzte sich Bernd Müller (links) noch klar im ersten Wahlgang gegen Klaus Förster durch.
Bild: Pitt Schurian (Archiv)

Plus Bobingen will den Wechsel: Klaus Förster (CSU) setzt sich überraschend deutlich gegen den Amtsinhaber Bernd Müller durch, der nach 24 Jahren seinen Schreibtisch räumen muss.

Einen Handschlag wie vor sechs Jahren gab es nicht: In Corona-Zeiten hielten Bernd Müller und Klaus Förster Abstand, als sie den Wahlabend verfolgten. Der endete mit einer faustdicken Überraschung: Die Bobinger wollen den Wechsel und entlassen Bernd Müller (SPD) nach 24 Jahren aus dem Amt. An seine Stelle tritt der 51-jährige Klaus Förster (CSU). Er wollte schon vor sechs Jahren Bürgermeister werden.

„Ich bin vor sechs Jahren angetreten, aber nicht, um bei einer Wahlniederlage wieder zu verschwinden, sondern um mich voll und ganz hier einzubringen. Ich denke, das haben die Bobinger nun honoriert“, sagte Förster Abend. „Gerade in den Stadtteilen habe ich viele Gespräche mit Bürgern geführt. Viele haben bestimmt gemerkt, dass ich einer von ihnen bin. Ich glaube auch, dass die Menschen in Bobingen nach der langen Amtszeit von Bernd Müller einfach auch für etwas frischen Wind sorgen wollten.“

Förster: Bernd Müller hat in Bobingen einen guten Job gemacht

Der Sieger zollte dem Verlierer trotzdem Respekt. Förster: „Bernd Müller hat in seiner langen Amtszeit einen guten Job gemacht. Und politisch lagen wir in unseren Ansichten oftmals gar nicht so weit auseinander.“

 

Bernd Müller gratulierte Förster und sagte: „Ich wünsche ihm eine gute Hand für Bobingen. Ich denke, dass ich für Bobingen in den vergangenen 24 Jahren einen guten Job gemacht habe. Bobingen steht heute wesentlich besser da als bei meiner Amtsübernahme.“ Woran es gelegen hat, dass er abgewählt wurde? „Was die Ursachen für das für mich unbefriedigende Ergebnis waren, lässt sich im Moment schwer beurteilen. 24 Jahre waren eine lange Zeit, in der ich für Bobingen und seine Bürger tätig sein durfte.“ Müller will sich erst mit seinen Kollegen von der SPD besprechen und dann entscheiden, ob er weiterhin dem Bobinger Stadtrat angehören wird.

Vor sechs Jahren unterlag Klaus Förster deutlich

Vor sechs Jahren hängte Bernd Müller seinen Herausforderer Klaus Förster deutlich ab: Im ersten Wahlgang erreichte der SPD-Politiker knapp 60 Prozent. Müller fuhr damit sein bestes Ergebnis seit der ersten Wahl 1996 ein. Im Rathaus hatte damals niemand mit den klaren Verhältnissen gerechnet, zumal es schon 2008 ein Kopf-an-Kopf-Rennen gegeben hatte: Müller musste sich gegen den CSU-Bewerber Stefan Buck aus Gersthofen behaupten. Mit 51 Prozent holte der SPD-Kandidat knapp die absolute Mehrheit und musste nicht in die Stichwahl.

Vor zwei Wochen hatte Bernd Müller noch knapp mehr Stimmen als Förster. Um genau zu sein: 159 Stimmen waren es. Ein anderer Kandidat im Rennen um das Bürgermeisteramt holte derweil ein starkes Ergebnis: Michael Ammer von der Freien Bürger-Union schaffte 25,1 Prozent. Etwas abgeschlagen rangierte der erst 25-jährige Kandidat der Grünen, Lukas Geirhos. Er holte 7,3 Prozent der Stimmen.

Nach den ersten ausgezählten Briefwahlbezirken wurde Abend deutlich: Förster liegt vor Müller. Nach über drei Stunden stand das vorläufige Wahlergebnis fest.

Sie lag vor zwei Wochen, als noch vier Kandidaten im Rennen waren, bei 58,1 Prozent (2014: 58,2 %). Jetzt wollten es 68 Prozent der Wahlberechtigten wissen – das ist ein Gradmesser für ein sehr großes Interesse am Duell Müller-Förster.

Vor sechs Jahren war es ein verschwindend geringer Anteil: 44 der insgesamt 7470 abgegeben Stimmzettel waren ungültig. Bei der Stichwahl waren es mehr als doppelt so viele. Am Sonntagabend ließ sich nicht klären, ob die hohe Zahl eine direkte Folge der Panne war, die das Wahlamt am Donnerstag bekannt gegeben hatte. Denn offenbar war beim Vorbereiten der Briefwahlunterlagen vereinzelt vergessen worden, die weißen Umschläge beizulegen. In sie müssen die Wähler ihre ausgefüllten Stimmzettel legen und sie dann zukleben. Sie bleiben bis zuletzt verschlossen. Das Wahlamt hatte alle Betroffenen gebeten, sich schnellstens zu melden.

Lesen Sie auch unseren Kommentar: Bernd Müller ein Opfer der Abwärtsspirale

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